Ein De­bü­tant for­dert Ki­en­le und die an­dern Fa­vo­ri­ten

Berner Zeitung (Stadt) - - Sport -

Das Män­ner­ren­nen auf Ha­waii ver­spricht Hoch­span­nung. Ein Um­stei­ger geht gleich aufs Gan­ze. Doch zwei Ex-Sie­ger pla­nen das auch.

Vor ei­nem Mo­nat war die Tri­ath­lon­welt wie ge­lähmt. Er­schla­gen vom Meis­ter höchst­per­sön­lich. 1:06:33 St­un­den brauch­te Jan Fro­de­no an der Hal­b­i­ron­manWM in Süd­afri­ka für den ab­schlies­sen­den Halb­ma­ra­thon. Zur Ei­n­ord­nung: Ge­ra­de ein­mal 20 deut­sche Leicht­ath­le­ten lie­fen 2018 die 21,1 Ki­lo­me­ter schnel­ler – oh­ne da­vor 1,9 Ki­lo­me­ter ge­schwom­men und 90 Ki­lo­me­ter Rad ge­fah­ren zu sein. Ent­spre­chend kon­ster­niert wa­ren die Tri­ath­le­ten an­ge­sichts Fro­de­nos Vor­stel­lung, der nach ei­nem schwie­ri­gen Jahr 2017 (un­ter an­de­rem Rang 70 auf Ha­waii) zu­rück auf dem Thron war – und der rie­si­ge Fa­vo­rit für Ko­na. Doch die Kons­ter­na­ti­on hielt nur zehn Ta­ge an: Fro­de­no ver­ab­schie­de­te sich sel­ber aus dem WM-Ren­nen. Re­spek­ti­ve sei­ne Hüf­te, die ei­nen Er­mü­dungs­bruch er­lit­ten hat­te.

Nun drückt er Se­bas­ti­an Ki­en­le die Dau­men, sei­nem Dau­er­ri­va­len und Sie­ger von 2014, auf den dann eben er, Fro­de­no, folg­te mit sei­nen Er­fol­gen 2015/16.

Die Über-Läu­fer mit den ver­rück­ten Ma­ra­thon­zei­ten

Ki­en­le, ei­ner der stärks­ten Rad­fah­rer im Feld, hat­te zu­letzt auf Ha­waii nie rich­tig Wett­kampf­glück, war Ach­ter, Zwei­ter und Vier­ter. Und rutsch­te da­mit in Deutsch­land et­was in den Hin­ter­grund. We­gen Fro­de­no. Und zu­letzt we­gen ei­nes Über-Läu­fers na­mens Patrick Lan­ge. Dem ge­lan­gen auf Big Is­land zwei Ma­ra­thons in 2:39 St­un­den. Es wa­ren die schnells­ten je in die­sem Ren­nen er­ziel­ten Zei­ten. Sie brach­ten dem 32-Jäh­ri­gen ei­nen drit­ten Platz und zu­letzt den Sieg ein. Nach ei­ner durch­zo­ge­nen Sai­son ist der Ti­tel­ver­tei­di­ger je­doch nicht der au­to­ma­ti­sche Top­fa­vo­rit. Aber wenn er zum drit­ten Mal so ei­nen Ma­ra­thon zeigt…

Die­ser wird aber auch nö­tig sein, denn da kommt ei­ner, der selbst für Lan­ges Re­kord­zei­ten nur ein Schul­ter­zu­cken üb­rig hat. Das ist ziem­lich ar­ro­gant. Aber Ja­vier Go­mez kann sich dies leis­ten: Auf der Olym­pi­schen Dis­tanz ge­wann er – Po­in­te! – ab­ge­se­hen von Olym­pia­gold, al­les. Die hal­be Iron­mandis­tanz hat er als zwei­fa­cher Welt­meis­ter eben­falls im Griff. Dass er nun sehr selbst­be­wusst in Ko­na an­tritt, passt. 2:35 oder 2:36 St­un­den lä­gen schon drin im dor­ti­gen Ma­ra­thon, gab Go­mez im Vor­feld be­kannt. Ei­ne voll­mun­di­ge­re An­kün­di­gung ei­nes De­bü­tan­ten hat die Pa­zi­fik­in­sel wohl noch nie ge­hört. Si­cher ist: Mit Go­mez will – ab­ge­se­hen viel­leicht von Lan­ge – nie­mand auf die Lauf­stre­cke wech­seln. Nur: Der Spa­nier ist auch ein mehr als pas­sa­bler Schwim­mer und Rad­fah­rer.

Wer Go­mez auf den 180 Rad­ki­lo­me­tern ab­hän­gen will, muss sehr viel Power ha­ben. Wo­mit wir wie­der bei Ki­en­le wä­ren. Der hat ei­nen Mit­strei­ter, mit dem er ge­mein­sa­me Sa­che ma­chen könn­te, nein, ma­chen wird: den letzt­jäh­ri­gen Zwei­ten Lio­nel San­ders. Ei­gent­lich wä­re der Ka­na­di­er eben­falls ein lo­gi­scher Fa­vo­rit. Nur ver­patz­te San­ders im Au­gust sein Heim­ren­nen in Mont-Trem­blant, ver­gab den Sieg we­gen ele­men­ta­rer Feh­ler in der Ren­ner­näh­rung. Wie­der­holt er die­se nicht, spricht we­nig da­ge­gen, dass ihm ein Ren­nen wie 2017 ge­lingt – als ihn Lan­ge erst fünf Ki­lo­me­ter vor dem Ziel über­hol­te.

Der mit dem Hals­wir­bel­bruch ist wie­der da

Am an­de­ren En­de des Spek­trums steht Tim Don. Im dop­pel­ten Sinn: Der Bri­te rutsch­te erst nach dem Rück­zug ei­nes qua­li­fi­zier­ten Ath­le­ten als 55. Pro­fi nach. Dons Rück­kehr nach Ko­na ist den­noch die un­glaub­lichs­te Ge­schich­te des dies­jäh­ri­gen Ren­nens.

Vor ei­nem Jahr ge­hör­te er nach sei­ner Iron­man-Welt­re­kord­zeit zu den Po­dest­an­wär­tern. Doch dann wur­de er drei Ta­ge vor dem Ren­nen beim Ve­lo­trai­ning von ei­nem Last­wa­gen an­ge­fah­ren, er­litt ei­nen Hals­wir­bel­bruch. Die Ärz­te be­schie­den dem Bri­ten, dass er nie wie­der schwim­men und dem­nach Tri­ath­lon wür­de ma­chen kön­nen. Für Don kei­ne Op­ti­on: Er ent­schied sich für die ra­di­kals­te Heil­me­tho­de: Den «Halo», ei­nen ei­ser­nen «Hei­li­gen­schein», bei dem Schrau­ben im Schä­del den Na­cken fi­xier­ten, drei un­vor­stell­bar schmerz­haf­te Mo­na­te lang. Im Früh­ling lief Don be­reits wie­der ei­nen Ma­ra­thon, En­de Ju­li be­stritt er in Ham­burg den ers­ten Iron­man nach dem Un­fall. Der Ex­ploit ge­lang ihm als Ne­un­ter nicht ganz. Er hat­te Ha­waii schon ab­ge­schrie­ben, als er nach­rutsch­te.

Ge­win­nen wird Don nicht heu­te. Ge­won­nen hat er aber be­reits mit sei­ner Rück­kehr.

Emil Bi­schof­ber­ger

Fo­to: Ar­ne De­dert (Keysto­ne)

Mehr als bloss ei­ner un­ter vie­len: Se­bas­ti­an Ki­en­le.

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