Die süs­se Ver­su­chung lock­te

Bei der Pla­nung der Event­hal­le spie­len die Ak­teu­re nicht mit of­fe­nen Kar­ten.

Berner Zeitung (Stadt) - - Erste Seite -

Kirch­dorf Jetzt ist klar, war­um Eric von Graf­fen­ried ab En­de Ja­nu­ar kei­ne Zeit mehr fürs Prä­si­di­um der fu­sio­nier­ten Ge­mein­de Kirch­dorf ha­ben wird: Er hat die für ih­re Moh­ren­kö­ni­ge be­kann­te Cho­co­lat Am­mann AG in Heim­berg ge­kauft.

In der Ber­ner Fest­hal­le ha­ben Rock­stars wie die Rol­ling Sto­nes ih­re Fans zur Ek­s­ta­se ge­bracht. Das ist lan­ge her. Heu­te ist die Hal­le ver­al­tet. Ein Neu­bau ist über­fäl­lig. Doch die Ver­ant­wort­li­chen las­sen der­zeit gros­se Zwei­fel auf­kom­men, ob sie Meis­ter ih­res Fachs wie die Rol­ling Sto­nes sind. Die Bern­ex­po-Spit­ze um die Prä­si­den­tin Fran­zis­ka von Weis­sen­fluh und CEO Jen­ni­fer Somm hat sich für ein in­trans­pa­ren­tes Vor­ge­hen ent­schie­den, das Miss­trau­en weckt. Das ist bei ei­nem Pro­jekt, das die Steu­er­zah­ler mit ge­gen 30 Mil­lio­nen Fran­ken un­ter­stüt­zen sol­len, ei­ne ge­fähr­li­che Stra­te­gie.

Doch der Rei­he nach: Ur­sprüng­lich woll­te die Mes­se­be­trei­be­rin Bern­ex­po ei­ne Event­hal­le mit 9000 Plät­zen als Er­satz für die Fest­hal­le bau­en. Bald wur­de klar, dass es da­zu auch die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung von Stadt und Kan­ton Bern braucht. Bern­ex­po er­wirt­schaf­tet im hart um­kämpf­ten Mes­se­ge­schäft nicht ge­nü­gend Geld, um den Bau ei­ner rund 80 Mil­lio­nen teu­ren Hal­le fi­nan­zie­ren zu kön­nen. In der Fol­ge stel­len der Ge­mein­de­rat der Stadt Bern und der Re­gie­rungs­rat des Kan­tons Bern in Aus­sicht, den je­wei­li­gen Par­la­men­ten ei­nen Bei­trag von bis zu 15 Mil­lio­nen Fran­ken zu be­an­tra­gen. Auch die Bur­ger­ge­mein­de gab be­kannt, dass sie das Pro­jekt in ähn­li­cher Hö­he un­ter­stüt­zen will.

Ir­gend­wann vor der Pu­bli­ka­ti­on der Un­ter­la­gen für den Ar­chi­tek­tur­wett­be­werb vom Fe­bru­ar 2017 kam Bern­ex­po zum Schluss, dass ei­ne Event­hal­le mit 9000 Plät­zen al­lein nicht aus­reicht, son­dern dass es zu­sätz­lich ein Kon­gress­zen­trum mit 1200 Plät­zen braucht. Man hielt es we­der bei Bern­ex­po noch bei der Stadt oder dem Kan­ton für nö­tig, die Öf­fent­lich­keit ex­pli­zit auf die­sen Teil des Pro­jek­tes auf­merk­sam zu ma­chen.

Der Kon­kur­renz je­doch ist das Kon­gress­zen­trum nicht ent­gan­gen. Der Kur­saal, der ei­nen Saal mit 1500 Plät­zen be­treibt, liess im Ver­lau­fe die­ses Jah­res sei­ne gu­ten Dräh­te in die Bur­ger­ge­mein­de spie­len. Es ge­lang ihm, die­se da­von zu über­zeu­gen, das Pro­jekt noch­mals zu­rück an die Ab­sen­de­rin zu schi­cken. All­zu schwie­rig dürf­te das nicht ge­we­sen sein, denn die Bur­ger­ge­mein­de in­ves­tiert der­zeit 77 Mil­lio­nen Fran­ken in den Um­bau des Ca­si­nos. Da sich die­ses künf­tig stär­ker im Kon­gress­ge­schäft po­si­tio­nie­ren will, wä­re das Kon­gress­zen­trum von Bern­ex­po eben­falls ei­ne di­rek­te Kon­kur­renz für das Ca­si­no.

An­fang Ok­to­ber hät­ten die Mes­se­be­trei­be­rin, die Stadt und der Kan­ton ei­ne wei­te­re Ge­le­gen­heit ge­habt, um of­fen zu in­for­mie­ren. Bern­ex­po ent­schied sich da­mals, die De­tail­pla­nung zu sis­tie­ren, um die Grös­se der Hal­le und den In­ves­to­ren­kreis zu über­prü­fen. Doch die Mes­se­be­trei­be­rin ver­zich­te­te auf ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on des Ent­scheids.

Nach­dem die­se Zei­tung den Marsch­halt pu­blik ge­macht hat­te, führ­te Bern­ex­po das schwie­ri­ge Um­feld im Mes­se­und Event­ge­schäft als Be­grün­dung an. Doch den Haupt­grund – näm­lich die Be­den­ken der Bur­ger­ge­mein­de we­gen der Kon­kur­ren­zie­rung durch das Kon­gress­zen­trum – ver­schwieg Bern­ex­po. Mit der in­trans­pa­ren­ten In­for­ma­ti­ons­po­li­tik schürt Bern­ex­po Arg­wohn. Auch der Ber­ner Stadt­prä­si­dent Alec von Graf­fen­ried (GFL) und der kan­to­na­le Volks­wirt­schafts­di­rek­tor Chris­toph Am­mann (SP) ha­ben es ver­säumt, Trans­pa­renz zu schaf­fen und von Bern­ex­po ei­ne of­fe­ne In­for­ma­ti­ons­po­li­tik zu ver­lan­gen. Sie neh­men so das Ri­si­ko in Kauf, dass das Ge­schäft in den je­wei­li­gen Par­la­men­ten oder beim Volk ab­stürzt.

Die Ver­ant­wort­li­chen ge­fähr­den mit ih­rem Vor­ge­hen ein Pro­jekt, das für Bern ei­ne gros­se Chan­ce dar­stellt. Denn Bern braucht ei­ne mo­der­ne Event­hal­le. Da­mit wie­der so le­gen­dä­re Kon­zer­te statt­fin­den kön­nen wie das­je­ni­ge der Rol­ling Sto­nes.

Ste­fan Schny­der, Lei­ter Res­sort Stadt Bern

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.