Gut für das Herz, aber nicht für die Ver­fas­sung

Kom­men­tar Die Horn­ku­h­i­nitia­ti­ve droht ihr ge­wünsch­tes Ziel in der Um­set­zung zu ver­feh­len.

Berner Zeitung (Stadt) - - Schweiz - Sa­rah Fluck

Oben mit oder oh­ne? Es ist wahr­lich kei­ne Ent­schei­dung von staats­tra­gen­der Be­deu­tung, die der Sou­ve­rän am 25. No­vem­ber fäl­len muss. Doch die Horn­ku­h­i­nitia­ti­ve, die Sub­ven­tio­nen für horn­tra­gen­de Tie­re ver­langt, sorgt für Emo­tio­nen. Im Zen­trum der Dis­kus­si­on: die Fra­ge nach dem Tier­wohl.

Doch ist dies auch Kern der In­itia­ti­ve? Kaum. Wer wie die Initi­an­ten von «Ver­stüm­me­lung» spricht und mit «Tier­wür­de» ar­gu­men­tiert, soll­te sich kon­se­quen­ter­wei­se für ein Ent­hor­nungs­ver­bot stark­ma­chen. Statt­des­sen for­dern die Initi­an­ten ein­zig Sub­ven­tio­nen. Was den Ver­dacht nährt, dass die we­ni­gen Horn­tier­hal­ter ver­su­chen, et­was vom gros­sen Di­rekt­zah­lungs­ku­chen in der Land­wirt­schaft für sich ab­zu­schnei­den. Da­für spricht auch, dass die In­itia­ti­ve ihr ge­wünsch­tes Ziel in der Um­set­zung zu ver­feh­len droht. Das Bun­des­amt für Land­wirt­schaft för­dert der­zeit die Tier­hal­tung in Frei­lauf­stäl­len. Mit gu­tem Grund: Ei­ne sol­che ga­ran­tiert den Kü­hen und Zie­gen im Ge­gen­satz zur An­bin­de­hal­tung freie Be­we­gung. Mehr­heit­lich wer­den je­doch ge­ra­de Horn­tie­re an­ge­bun­den, da­mit die Ver­let­zungs­ge­fahr ver­rin­gert wird. Mög­li­che Sub­ven­tio­nen könn­ten hier ein An­reiz zu mehr horn­tra­gen­den Tie­ren und so­mit in­di­rekt zu ver­mehr­ter An­bin­de­hal­tung sein.

Das Initia­tiv­ko­mi­tee rund um den Bi­o­bau­ern Ar­min Ca­paul hat zwar be­tont, dass es die Sub­ven­ti­ons­be­trä­ge an ei­ne Frei­land­hal­tung der Tie­re kop­peln wol­le. Doch ga­ran­tie­ren kann es dies nicht, denn für die Um­set­zung der In­itia­ti­ve ist das Par­la­ment zu­stän­dig. Die Initi­an­ten neh­men da­mit zu­min­dest ei­nen Rück­schritt im Tier­schutz in Kauf. Auch ver­fas­sungs­recht­lich bleibt das An­lie­gen der Initi­an­ten frag­wür­dig. Zwar ist ver­ständ­lich, dass Ca­paul den Weg der Volks­in­itia­ti­ve ging, nach­dem er in Bun­des­bern bei al­len In­stan­zen ab­ge­blitzt war. In sei­ner De­tail­liert­heit (Zucht­zie­gen­bö­cke im Ver­fas­sungs­text!) ge­hört das An­lie­gen der Hör­nerbei­trä­ge trotz­dem auf Stu­fe Ge­setz oder Ver­ord­nung ge­re­gelt. Die Ver­fas­sung da­ge­gen be­stimmt die Ba­sis­nor­men ei­ner Ge­sell­schaft. Ein zu ho­her De­tail­lie­rungs­grad schränkt hier den Hand­lungs­spiel­raum ein.

Auch bei ei­nem Nein zur Volks­in­itia­ti­ve hat Sym­pa­thie­trä­ger Ar­min Ca­paul un­se­ren Fo­kus wie­der auf ei­ne öko­lo­gi­sche Land­wirt­schaft ge­rich­tet. Dan­ken kön­nen wir es ihm mit ei­ner Ein­kaufs­ta­sche vol­ler Horn­milch und Horn­kä­se, aber nicht mit ei­nem Ver­fas­sungs­ein­trag.

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