Der Bun­des­rat will Chli­forst-Nord

BLS-Werk­stät­te Der Bund setzt auf den um­strit­te­nen Stand­ort.

Berner Zeitung (Stadt) - - Erste Seite - Ste­phan Kün­zi

Wei­chen­stel­lung für die neue BLS-Werk­stät­te: Der Bun­des­rat hat das Ge­biet Chli­forst-Nord als Stand­ort für das um­strit­te­ne Pro­jekt fest­ge­setzt. Gleich­zei­tig nimmt er Nie­der­bot­ti­gen aus dem Ren­nen. Die stadt­nä­he­re Al­ter­na­ti­ve taucht im Richt­plan gar nicht auf. Dass in Chli­forst-Nord tat­säch­lich ge­baut wird, ist da­mit nicht ge­sagt. Die BLS muss sich mit dem de­tail­lier­ten Pro­jekt spä­ter noch dem or­dent­li­chen Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren stel­len. Dann sind Ein­spra­chen mög­lich. Der Bau­ent­scheid des Bun­des­amts für Ver­kehr kann ans Bun­des­ver­wal­tungs- und ans Bun­des­ge­richt wei­ter­ge­zo­gen wer­den.

Der Kan­ton Bern hat kein Pro­blem da­mit, wenn für die BLSWerk­stät­te am um­strit­te­nen Stand­ort Chli­forst­Nord Wald ge­ro­det wer­den muss. Das schreibt der Bund im ak­tua­li­sier­ten Richt­plan, der im Grund­satz fest­legt, wo die Bah­nen ih­re In­fra­struk­tur­an­la­gen bau­en dür­fen und wo nicht.

Grund­sätz­lich, heisst es hier, sei­en Ro­dun­gen von Ge­set­zes we­gen ja ver­bo­ten. Ei­ne Aus­nah­me­be­wil­li­gung ge­be es nur dann, «wenn wich­ti­ge Grün­de be­ste­hen, die das In­ter­es­se an der Er­hal­tung des Wal­des über­wie­gen, und die An­la­ge auf die­sen Stand­ort an­ge­wie­sen ist». Und: «So be­ur­teilt das Amt für Wald des Kan­tons Bern die An­la­ge am Stand­ort Chli­forst­Nord mit ge­eig­ne­ten Er­satz­leis­tun­gen und Mass­nah­men aus recht­li­cher Sicht als rea­li­sier­bar.»

Noch hat sich das Ba­fu als Fach­stel­le des Bun­des nicht fest­ge­legt, ob es die­se Mei­nung teilt.

«Es ist sinn­voll, die An­la­ge in Nach­bar­schaft zur Schiess­an­la­ge und ab­seits grös­se­rer Sied­lun­gen zu er­rich­ten.» Fa­zit des Richt­plans

Laut ihm ist, so der Richt­plan wei­ter, «bei die­sem Stand­ort of­fen, ob die re­la­ti­ve Stand­ort­ge­bun­den­heit nach Wald­ge­setz ge­ge­ben ist». Trotz­dem ist der Bun­des­rat jetzt der Re­gie­rung ge­folgt und hat ei­nen Ent­scheid ge­fällt, der vie­len in Berns Wes­ten nicht ge­fal­len wird: Die BLS­Werk­stät­te kann am Stand­ort Chli­forst­Nord ge­baut wer­den.

Der weit stadt­nä­he­re Raum Nie­der­bot­ti­gen da­ge­gen, der zu­letzt wie­der als mög­li­che Al­ter­na­ti­ve ge­han­delt wor­den war, fällt aus­ser Rang und Trak­tan­den. Er wird im Richt­plan als mög­li­cher Stand­ort gar nicht erst ein­ge­tra­gen.

Vie­le ge­wich­ti­ge Ar­gu­men­te

Der Wald und die für den Neu­bau nö­ti­gen Ro­dun­gen stel­len den wohl gröss­ten Stol­per­stein auf dem Weg zum neu­en Werk­stät­ten­bau dar. Ent­spre­chend ge­wich­tig sind die wei­te­ren Ar­gu­men­te, die der Bund zu­guns­ten von Chli­forst­Nord und ge­gen Nie­der­bot­ti­gen in die Waag­scha­le wirft. Er schreibt, dass sich die An­la­ge in Chli­forst­Nord bes­ser in die Land­schaft ein­fü­ge als in Nie­der­bot­ti­gen. Dass in Chli­forst­Nord we­ni­ger Frucht­fol­ge­flä­che ver­baut wer­den müs­se als in Nie­der­bot­ti­gen. Dass in Chli­forst­Nord ein­ver­nehm­li­che Land­käu­fe in Aus­sicht stün­den, wäh­rend in Nie­der­bot­ti­gen Ent­eig­nun­gen droh­ten.

Und nicht zu­letzt, dass in Chli­forst­Nord zwar ein in­tak­ter, aber nur lo­kal wich­ti­ger Na­tur­raum be­ein­träch­tigt wer­de. Dass die na­he Schiess­an­la­ge aber «be­reits ei­ne Vor­be­las­tung» dar­stel­le, die den Scha­den re­la­ti­vie­re, kurz: «Aus raum­pla­ne­ri­scher Sicht ist es sinn­voll, die An­la­ge in Nach­bar­schaft zur Schiess­an­la­ge und ab­seits grös­se­rer Sied­lun­gen zu er­rich­ten.»

Und nun das Sie­ger­pro­jekt

Der geg­ne­ri­sche Ver­ein Chli­forst zeigt sich ent­täuscht. Er geis­selt die Stand­ort­wahl als «po­li­tisch ge­prägt und nicht sach­lich be­legt». Die BLS da­ge­gen re­agiert er­freut: Der Ent­scheid schaf­fe «die raum­pla­ne­ri­schen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne ef­fi­zi­en­te In­stand­hal­tung der Zü­ge und stärkt das Rück­grat der S­Bahn».

Die BLS will nun zü­gig wei­ter­ma­chen. Weil die Pla­nungs­ar­bei­ten be­reits seit län­ge­rem lau­fen, will sie schon An­fang 2019 ein Sie­ger­pro­jekt für den Werk­stät­ten­bau vor­stel­len. An­schlies­send geht es an die De­tails – «un­ter Ein­be­zug der Di­rekt­be­trof­fe­nen».

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