Letz­te Run­de fürs «Lü­cke­bües­ser­li»

Mu­ri Heu­te be­ginnt fürs «Lü­cke­bües­ser­li» die letz­te Sai­son. Da­nach zie­hen die Be­hör­den dem Beiz­li den Ste­cker.

Berner Zeitung (Stadt) - - Region - Chris­toph Al­brecht

Ein Schwatz bei knis­tern­dem Feu­er, da­zu ein Glüh­wein, ei­ne war­me Sup­pe oder ein Würst­chen vom Grill: Das al­les konn­te man in den letz­ten Jah­ren je­weils in den Win­ter­mo­na­ten täg­lich am Aa­re­u­fer in Mu­ri ha­ben. Mög­lich mach­te es das «Lü­cke­bües­ser­li». 2012 rief ei­ne Hand­voll Frei­wil­li­ger das Win­ter­beiz­li ins Le­ben, um auf dem Ufer­ab­schnitt ei­ne gas­tro­no­mi­sche Ver­sor­gungs­lü­cke zu schlies­sen. Die­se hat­te dort ge­klafft, weil das Fäh­ri­b­eiz­li in der kal­ten Jah­res­zeit je­weils ge­schlos­sen blieb.

Das win­ter­li­che Pro­vi­so­ri­um auf dem Wehr­li­au-Park­platz ent­wi­ckel­te sich bei den vie­len Aa­re­spa­zier­gän­gern und Hün­de­lern schnell zur be­lieb­ten Adres­se. Bald ein­mal er­gänz­ten die Be­trei­ber die klei­ne Bu­vet­te mit ei­nem Zelt, spä­ter gar mit ei­nem Holz­häus­chen – bis es dem Re­gie­rungs­statt­hal­ter zu bunt wur­de und er den Hob­by­bei­zern letz­ten Herbst die Be­wil­li­gung ent­zog. «Der Rah­men wur­de ge­sprengt», lau­te­te die Be­grün­dung. Die Ge­mein­de Mu­ri sprang in die Bre­sche und bot den Be­trei­bern kos­ten­los ei­nen Al­ter­na­tiv­stand­ort im Mu­ri­bad an.

Ge­mein­de winkt ab

Dort ist das «Lü­cke­bües­ser­li» auch die­sen Win­ter wie­der sta­tio­niert – al­ler­dings zum letz­ten Mal. Wie die «Lo­kal­nach­rich­ten» be­rich­ten, zie­hen die Be­hör­den dem Beiz­li da­nach de­fi­ni­tiv den Ste­cker. Der Grund: Der Gastro­be­trieb lässt sich nicht mit der Schutz­zo­ne ver­ein­ba­ren, die auf die­sem Ufer­ab­schnitt mit sei­nem Au­en­gebiet von na­tio­na­ler Be­deu­tung gilt.

Zwar gibt es an die­sem Stand­ort im Som­mer auch das Ba­di­re­stau­rant. Es wird aber pro­fes­sio­nell ge­führt, ist sai­so­nal be­schränkt und so­mit le­gi­tim. Ei­ne ganz­jäh­ri­ge Nut­zung wür­de laut Ge­mein­de hin­ge­gen ei­ne Abän­de­rung des Ufer­schutz­plans Aa­re er­for­dern, was wie­der­um Kos­ten von 10 000 Fran­ken ver­ur­sa­chen wür­de – Geld, das die Ge­mein­de nicht auf­brin­gen will, zu­mal all­fäl­li­ge Ein­spra­chen gar ei­ne Volks­ab­stim­mung nö­tig ma­chen wür­den. «Auf­grund des be­schränk­ten Nut­zer­krei­ses kann ein Ver­fah­ren zu fi­nan­zi­el­len Las­ten der Ge­mein­de nicht un­ter­stützt wer­den.»

Letz­ter Hoff­nungs­schim­mer

Bei den Be­trei­bern, die heu­te in die neue und dem­nach auch letz­te Sai­son star­ten, herrscht we­gen des be­vor­ste­hen­den En­des Tris­tesse. «Ich bin ent­täuscht von der ri­go­ro­sen Ge­set­zes­aus­le­gung», sagt Doris Schö­ni vom Ver­ein «Lü­cke­bües­ser­li». Sie hält die Vor­schrif­ten für un­ver­hält­nis­mäs­sig. «Pri­va­te Initia­ti­ven wer­den so lei­der im­mer schwe­rer um­setz­bar.» Ihr tue es vor al­lem für ih­re Gäs­te leid, zu de­nen auch Men­schen ge­hör­ten, die ein­sam durch das Le­ben gin­gen. «Für vie­le von ih­nen wa­ren wir in den dunk­len Win­ter­mo­na­ten je­weils ei­ne Art Hei­mat.»

Ganz auf­ge­ge­ben hat die 78-Jäh­ri­ge noch nicht. «Ich will mit ei­ner Un­ter­schrif­ten­samm­lung be­wei­sen, wie be­liebt das An­ge­bot ist.» Und vi­el­leicht kön­ne man so­gar die 10 000 Fran­ken für das Plan­än­de­rungs­ver­fah­ren ir­gend­wie zu­sam­men­brin­gen. «Ich weiss aber schon», sagt Schö­ni, «dass das ziem­lich un­wahr­schein­lich ist.» Und so dürf­te das pro­vi­so­ri­sche Beiz­li im kom­men­den Fe­bru­ar nach acht Win­tern ver­schwin­den – und sich am Aa­re­u­fer wie­der ei­ne Lü­cke auf­tun.

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