Opu­lenz im Kur­saal

Klas­sik Kris­tóf Bará­ti gibt in Be­glei­tung des Ber­ner Sym­pho­nie­or­ches­ters Nic­coló Pa­ga­ni­nis ers­tes Vio­lin­kon­zert.

Berner Zeitung (Stadt) - - Region - Mar­ti­na Hun­zi­ker

Das ist kei­ne leich­te Kost, was das Ber­ner Sym­pho­nie­or­ches­ter un­ter der Lei­tung von Ma­rio Venz­ago im Kur­saal auf­führt – hier wird rich­tig dick auf­ge­tra­gen. Da­bei be­ginnt al­les ganz un­prä­ten­ti­ös. Hec­tor Ber­li­oz’ er­öff­nen­der «Car­na­val ro­main» (1844) ist süf­fi­ge Mu­sik. Hö­he­punk­te oder dy­na­mi­sche Aus­brü­che sucht man in die­sem zehn­mi­nü­ti­gen Werk ver­ge­bens, Venz­ago ge­lingt es aber ganz im Sin­ne ei­ner Ou­ver­tü­re, mit dem Sym­pho­nie­or­ches­ter ei­ne de­zen­te und zu­gleich ver­heis­sungs­vol­le Span­nung auf­zu­bau­en.

Deut­lich we­ni­ger Be­schei­den­heit ver­spricht das dar­auf fol­gen­de Vio­lin­kon­zert von Nic­coló Pa­ga­ni­ni. Der «Teu­fels­gei­ger», wie Pa­ga­ni­ni von Zeit­ge­nos­sen ge­nannt wur­de, war so et­was wie ein Pop­star sei­ner Zeit. Für sei­ne Kon­zer­te be­zahl­ten die Leu­te über­ris­se­ne Ein­tritts­prei­se; Ohn­mäch­ti­ge wäh­rend der Auf­trit­te wa­ren kei­ne Sel­ten­heit. Pa­ga­ni­nis Vir­tuo­sen­tum über­stieg al­les bis­her Da­ge­we­se­ne, wes­halb er sich für sei­ne Shows be­son­ders ef­fekt­vol­le und vir­tuo­se Wer­ke auf den Leib schrieb.

Kris­tóf Bará­ti heisst der­je­ni­ge, der sich der Her­aus­for­de­rung von Pa­ga­ni­nis ers­tem Vio­lin­kon­zert an­nimmt. Wäh­rend Venz­ago das Sym­pho­nie­or­ches­ter durch die ein­lei­ten­den Tak­te führt, baut sich der un­ga­ri­sche Vio­li­nist da­ne­ben auf: Raus mit der Brust, hoch mit dem Kinn, der Blick schweift fast ein we­nig ge­bie­te­risch über das Orches­ter. Sei­ne Stra­di­va­ri hängt da­bei läs­sig in der ei­nen Hand, wäh­rend er die an­de­re mal lo­cker aus­schüt­telt, mal fürs ges­ti­sche Be­glei­ten von Venz­agos Di­ri­gat braucht. Man be­ginnt sich zu fra­gen: Wird das ei­ne Show wie sei­ner­zeit von Pa­ga­ni­ni selbst?

Als Bará­ti den Bo­gen an sei­ner «Lady Harms­worth» an­setzt, kommt es an­ders als er­war­tet. Ab­so­lut un­thea­tra­lisch geigt sich Bará­ti durch Pa­ga­ni­nis Ef­fekt­werk. Er ent­lockt sei­nem In­stru­ment fi­li­grans­te Fla­geo­let­te, saf­ti­ge Klän­ge der tie­fen Sai­ten, ka­pri­ziö­se Läu­fe und Spie­le­rei­en, im­mer mal wie­der et­was Dreck – aber auch sehr viel Schmalz. Wer braucht da schon ei­ne Show?

Das Orches­ter be­glei­tet den So­lis­ten mit vor­neh­mer Zu­rück­hal­tung. Lei­der lockt auch die ab­schlies­sen­de Sin­fo­nie, Ro­bert Schu­manns Vier­te, es nicht mehr aus die­ser Rol­le her­aus. Fein­füh­lig lässt Venz­ago das Orches­ter von Pia­ni an- und wie­der ab­schwel­len, kom­pakt folgt ihm der Klang­kör­per durch ago­gi­sche Gestal­tun­gen. Den­noch er­mü­det das Ohr an der schie­ren Mas­se der kurz­at­mi­gen me­lo­di­schen Ide­en. Und am Schluss bleibt ein Ein­druck von Üp­pig­keit.

Wei­te­res Kon­zert: 9. 12., 17 Uhr, Kur­saal Bern.

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