Rot-Grün kann wie­der auf die Mehr­heit im Re­gie­rungs­rat hof­fen

Stän­de­rats­wah­len Weil Beatrice Si­mon (BDP) im Herbst Stän­de­rä­tin wer­den will, könn­te ei­ne Er­satz­wahl für den Re­gie­rungs­rat nö­tig wer­den. Dort tritt wohl auch die SP an. Vi­el­leicht mit Na­tio­nal­rat Mat­thi­as Ae­bi­scher.

Berner Zeitung (Stadt) - - Erste Seite - Phil­ip­pe Mül­ler und Ste­fan von Ber­gen

Werner Lu­gin­bühl, der am­tie­ren­de Ber­ner Stän­de­rat von der BDP, über­rasch­te ges­tern al­le. Der 61-Jäh­ri­ge tritt im Herbst nicht mehr zur Wie­der­wahl an. Um das na­tio­na­le Pres­ti­ge­amt zu be­hal­ten, schickt die mit Nach­wuchs nicht ge­seg­ne­te Klein­par­tei BDP nun ei­nes ih­rer bes­ten Pfer­de ins Ren­nen: Re­gie­rungs­rä­tin Beatrice Si­mon. Soll­te die po­pu­lä­re Fi­nanz­di­rek­to­rin ge­wählt wer­den, wo­zu sie gu­te Chan­cen hat, wird 2020 ei­ne Er­satz­wahl für den Re­gie­rungs­rat fäl­lig. Die BDP ver­sucht auch ih­ren Re­gie­rungs­sitz zu ver­tei­di­gen, wo­mög­lich mit Na­tio­nal­rat Lo­renz Hess. Sie könn­te al­ler­dings Kon­kur­renz aus dem rot-grü­nen La­ger er­hal­ten. Ge­gen­über die­ser Zei­tung be­stä­tigt näm­lich Mir­jam Ve­glio, die kan­to­na­le Co-Prä­si­den­tin der SP, dass ei­ne Er­satz­wahl «ei­ne in­ter­es­san­te Aus­gangs­la­ge wä­re, um die 2016 an die Bür­ger­li­chen ver­lo­re­ne Mehr­heit in der Kan­tons­re­gie­rung zu­rück­zu­ho­len». Für ei­ne rot-grü­ne Kampf­kan­di­da­tur steht noch nie­mand be­reit. Ein Name aber taucht jetzt schon auf: Mat­thi­as Ae­bi­scher. Der frü­he­re Fern­seh­mann er­ziel­te bei den na­tio­na­len Wah­len 2015 das bes­te Er­geb­nis al­ler Ber­ner SPLeu­te. Und weil in der lin­ken Re­gie­rungs­min­der­heit mit Evi Al­le­mann (SP) und Chris­ti­ne Häs­ler (Grü­ne) schon zwei Frau­en Ein­sitz neh­men, aber mit Christoph Am­mann (SP) nur ein Mann, wür­de Ae­bi­scher dies­mal auch nicht durch die Ge­schlech­ter­fra­ge aus­ge­bremst. Werner Salz­mann, der SVP-Kan­to­nal­prä­si­dent, be­kennt, dass «die noch jun­ge bür­ger­li­che Mehr­heit bei ei­ner Er­satz­wahl ge­fähr­det sein könn­te». Ob er sel­ber am Mon­tag­abend an der De­le­gier­ten­ver­samm­lung der SVP als Stän­de­rats­kan­di­dat der Volks­par­tei be­reit­steht, der ge­gen Beatrice Si­mon ins Ren­nen geht, woll­te er ges­tern nicht be­stä­ti­gen.

Der Ent­scheid von BDP-Re­gie­rungs­rä­tin Beatrice Si­mon, für den Stän­de­rat zu kan­di­die­ren, löst in der Ber­ner Par­tei­en­land­schaft ei­ne Welle der Auf­re­gung aus. In den Par­tei­prä­si­di­en kommt schon das Ka­rus­sell der Spe­ku­la­ti­on in Gang, was ein Aus­tritt Si­mons für die Zu­sam­men­set­zung der Kan­tons­re­gie­rung be­deu­ten könn­te.

Rot-Grün mit Ae­bi­scher?

Werner Salz­mann, Par­tei­prä­si­dent der kan­to­na­len SVP, äus­sert im Hin­blick auf ei­ne all­fäl­li­ge Er­satz­wahl für den Re­gie­rungs­rat schon mal ei­ne Be­fürch­tung. «Die noch jun­ge bür­ger­li­che Mehr­heit in der Kan­tons­re­gie­rung könn­te ge­fähr­det sein», sagt er und spielt dar­auf an, dass das rot-grü­ne La­ger ei­ne Kampf­kan­di­da­tur lan­cie­ren könn­te. Salz­manns Be­fürch­tung ist nicht aus der Luft ge­grif­fen. «Ei­ne Er­satz­wahl wä­re ei­ne in­ter­es­san­te Aus­gangs­la­ge, wir wür­den si­cher prü­fen, ob die Chan­ce be­steht, die Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Re­gie­rungs­rat wie­der zu dre­hen», be­stä­tigt Gross­rä­tin Mir­jam Ve­glio, Co-Prä­si­den­tin der kan­to­nal­ber­ni­schen SP. Die 2016 ver­lo­re­ne rot-grü­ne Mehr­heit wie­der zu er­obern, sei ein dau­er­haf­ter An­spruch, sagt Ve­glio.

Wer könn­te auf ei­nem Wahl­ti­cket des rot-grü­nen La­gers für ei­ne Er­satz­wahl für den Re­gie­rungs­rat ste­hen? Ei­ne Per­son scheint ge­setzt: der Stadt­ber­ner SP-Na­tio­nal­rat Mat­thi­as Ae­bi­scher. Mir­jam Ve­glio be­stä­tigt, dass Ae­bi­schers Name «auf ei­ner Kan­di­da­ten­lis­te ste­hen könn­te». Er wur­de schon bei der Re­gie­rungs­wahl 2018 ins Spiel ge­bracht, trat dann aber nicht an und liess dem Bis­he­ri­gen Christoph Am­mann und Evi Al­le­mann den Vor­tritt.

Im Fal­le ei­ner Er­satz­wahl könn­ten Ae­bi­schers Chan­cen nun aber gut ste­hen. Bei den Na­tio­nal­rats­wah­len 2015 war der po­pu­lä­re frü­he­re Fern­seh­mann im Kan­ton Bern noch vor den Frau­en die best­ge­wähl­te Per­son der SP. Was zu­dem für ihn spricht: Da der­zeit das rot-grü­ne La­ger in der Kan­tons­re­gie­rung mit Evi Al­le­mann und Chris­ti­ne Häs­ler schon zwei Frau­en, aber mit Christoph Am­mann nur ei­nen Mann stellt, wä­re auch in der lin­ken Gen­derGeo­me­trie ei­ne Män­ner­kan­di­da­tur mög­lich. Ae­bi­scher sel­ber will sich auf An­fra­ge die­ser Zei­tung zu sol­chen Plan­spie­len nicht äus­sern.

Zwar geht BDP-Kan­to­nal­prä­si­dent Jan Gnä­gi da­von aus, dass die bür­ger­li­chen Part­ner­par­tei­en SVP und FDP den Re­gie­rungs­sitz der BDP nicht an­grei­fen wer­den. Denk­bar ist aber, dass die SVP aus Furcht vor ei­nem bür­ger­li­chen Sitz­ver­lust ver­su­chen könn­te, den­noch an­zu­tre­ten und sich so wo­mög­lich ei­nen drit­ten Re­gie­rungs­sitz zu ho­len. «Eins nach dem an­dern, das be­spre­chen wir dann, wenn es so weit ist», sagt SVP-Prä­si­dent Werner Salz­mann zu die­ser An­nah­me. Und auch FDP-Kan­to­nal­prä­si­dent Pier­re-Yves Gri­vel will sich noch nicht äus­sern. «Für mich ist der Sitz­ver­teil­schlüs­sel 2 SVP, 1 FDP, 1 BDP der rich­ti­ge für die Kan­tons­re­gie­rung», sagt er.

Die SVP hält sich be­deckt

Si­cher ist, dass die SVP als gröss­te Par­tei des Kan­tons der BDP den bis­her von Werner Lu­gin­bühl ge­hal­te­nen Stän­de­rats­sitz ab­ja­gen möch­te. An ih­rer De­le­gier­ten­ver­samm­lung vom kom­men­den Mon­tag­abend in Belp wird die SVP ei­ne Kan­di­da­tin oder ei­nen Kan­di­da­ten no­mi­nie­ren. Zur Per­son will sich Kan­to­nal­prä­si­dent Werner Salz­mann noch nicht äus­sern. Er sagt auch nichts da­zu, ob ihn sel­ber das Amt lo­cken wür­de. «Der Par­tei­vor­stand wird am spä­te­ren Mon­tag­nach­mit­tag ei­ne Aus­le­ge­ord­nung ma­chen und zu­han­den der De­le­gier­ten­ver­samm­lung ent­schei­den, wel­che Kan­di­da­tur am aus­sichts­reichs­ten ist», sagt Salz­mann. Er be­stä­tigt aber, dass es ein Wahl­ziel sei­ner Par­tei sei, den bür­ger­li­chen Ber­ner Stän­de­rats­sitz zu­rück­zu­ho­len.

Vor­ge­spurt ist, dass die Per­son aus dem Kreis der Ber­ner SVP-Na­tio­nal­rä­tin­nen und -rä­te re­kru­tiert wird. Da Adri­an Am­stutz sei­nen Rück­zug an­ge­kün­digt hat, kom­men noch fol­gen­de acht Personen für ei­ne SVP-Stän­de­rats­kan­di­da­tur in­fra­ge: die aus­ge­bil­de­te Po­li­zis­tin Andrea Geiss­büh­ler aus Bä­ris­wil und die Burg­dor­fer Ki­ta-Lei­te­rin Nad­ja Pie­ren so­wie Agro­nom Werner Salz­mann aus Mül­chi, Land­wirt Andre­as Ae­bi aus Al­chen­storf, der Gstaa­der Berg­bau­er Erich von Sie­ben­thal, der na­tio­na­le SVP-Prä­si­dent Al­bert Rös­ti aus Ue­ten­dorf, Ju­rist Man­fred Büh­ler aus dem Ber­ner Ju­ra und der Stadt­ber­ner Mehr­fach­par­la­men­ta­ri­er Erich Hess.

Von ih­rer na­tio­na­len Be­kannt­heit her ha­ben wohl Salz­mann und Rös­ti die bes­ten Chan­cen. Auch Rös­ti will sich nicht äus­sern. Al­ler­dings hat er 2015 schon ein­mal er­folg­los für den Stän­de­rat kan­di­diert. Über­dies dürf­te er als na­tio­na­ler Par­tei­prä­si­dent durch den Bun­des­wahl­kampf ab­sor­biert sein.

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Werner Salz­mann (SVP) be­fürch­tet ei­ne Kampf­kan­di­da­tur.

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Mat­thi­as Ae­bi­scher (SP) scheint als Kan­di­dat ge­setzt.

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