Bil­der für die gan­ze Welt

Ti­no Zur­brügg rückt die bes­ten Ski­renn­fah­rer ins rech­te Licht. Als Ka­me­ra­mann für das Schwei­zer Fernsehen fängt der 41-jäh­ri­ge Ober­län­der die gros­sen Emo­tio­nen ein.

Berner Zeitung (Stadt) - - Region - Jürg Spiel­mann

Ei­gent­lich soll­ten Ti­no Zur­brügg und sei­ne Kol­le­gen von der SRGPro­duk­ti­ons­fir­ma TPC per Sänf­te an das Chue­nis­bär­g­li ge­tra­gen wer­den. Schliess­lich sind sie es, die Jahr für Jahr da­für sor­gen, dass präch­ti­ge Be­wegt­bil­der um die (Ski-)Welt ge­hen – und in die gu­ten Schwei­zer Stu­ben.

Welt­cup­prä­si­dent Pe­ter Wil­len nennt und kennt den Wert der Fern­seh­bil­der, er spricht von ei­ner «un­be­zahl­ba­ren Wer­bung für die Re­gi­on». In­ter­na­tio­nal be­trägt der TV-Wer­be­wert gut 100 St­un­den, na­tio­nal wird 16 St­un­den vom le­gen­därs­ten al­ler Rie­sen­sla­lom­hän­ge der Welt be­rich­tet. An den Ren­nen be­trägt der Markt­an­teil um die 60 Pro­zent. 2018 ver­folg­ten über 560 000 Zu­schau­er den zwei­ten Sla­lom­lauf auf SRF live.

Kei­ner ist nä­her dran

Da­bei sa­hen sie, was ihnen Ti­no Zur­brügg (41) ser­vier­te. Es ist das Ge­sche­hen aus dem Ziel­schlauch. Den Fah­rern – ob sie ju­beln oder ha­dern – ganz nah. «Mein Ziel an der Hand­ka­me­ra ist es, für die Zu­schau­er die schöns­ten Emo­tio­nen ein­zu­fan­gen», meint der Wim­mi­ser, der mit sei­ner Fa­mi­lie in Thun lebt. Seit neun Jah­ren be­reits steht er an den Ober­län­der Welt­cup­ren­nen als Ka­me­ra­mann für das Schwei­zer Fernsehen im Ein­satz. Seit de­ren fünf im Ziel­be­reich. «Ich ver­su­che mög­lichst har­mo­ni­sche Bil­der zu ma­chen – von den Fah­rern und der Stim­mung und dem Trei­ben im Aus­lauf und auf der Tri­bü­ne.» So rich­te er et­wa den Fo­kus auf Mar­cel Hir­schers Freun­din, wenn de­ren Herz­bu­be über die Pis­te flit­ze. «Ich muss dann recht­zei­tig ab­schwen­ken und ihn bei der Ziel­ein­fahrt ab­ho­len», sagt er.

Der ge­lern­te Wer­be­fo­to­graf, der in Thun als Selbst­stän­di­ger­wer­ben­der ein Stu­dio hat, kam 2007 zur SRG-Toch­ter TPC. Dort mach­te er ei­nen Sta­ge, heu­te ar­bei­tet er zu 50 Pro­zent als Ka­me­ra­mann. Spe­zi­el­le Er­leb­nis­se sei­en Olym­pi­schen Spie­le, wenn die SRG oft­mals das Welt­si­gnal, sprich die Ski­ren­nen für die gan­ze Welt, pro­du­zie­ren durf­te. «Es ist spe­zi­ell, wenn es an der Ka­me­ra rot leuch­tet und du weisst: Ti­no Zur­brügg ar­bei­tet als Ka­me­ra­mann im Chue­nis­bär­g­li-Ziel­raum.

Dei­ne Bil­der ge­hen jetzt um die gan­ze Welt.»

Pan­ne in Vancouver

Ti­no Zur­brügg er­leb­te an den Spie­len in Vancouver sei­ne gröss­te Schreck­se­kun­de. «Kurz vor dem Sla­lom war mei­ne Ka­me­ra plötz­lich schwarz. Auch ein her­bei­ge­eil­ter Tech­ni­ker konn­te nichts aus­rich­ten. Se­kun­den vor Renn­start dann ge­schah das

«Mein Ziel an der Ka­me­ra ist es, für die Zu­schau­er die schöns­ten Emo­tio­nen ein­zu­fan­gen.»

Ka­me­ra­mann TPC Wun­der: Auf ein­mal mel­de­te sie sich zu­rück.» Drei bis vier Fahr­se­kun­den hät­ten in der Di­rekt­über­tra­gung ge­fehlt.

Zur­brügg wird nach dem ver­schnei­ten Sonn­tag («Da be­nö­tigt man viel Pa­pier fürs Put­zen der Lin­se») mit dem TPC-Team nach Wen­gen wei­ter­zie­hen. Ob­wohl auch dort der Wert der Bil­der be­kannt ist, er­folgt der Ein­zug nicht per Sänf­te. We­ni­ger Zu­schau­er

Mit 34 000 Be­su­chern ver­zeich­nen die Ren­nen in Adelboden ei­nen deut­li­chen Rück­gang. Letz­tes Jahr wa­ren 41000 Zu­schau­er ge­kom­men; 40 000 wa­ren es im Jahr 2017. Auch bei frü­he­ren Aus­tra­gun­gen pen­del­te sich die An­zahl der Zu­schau­er – so­fern bei­de Dis­zi­pli­nen aus­ge­tra­gen wer­den konn­ten – bei cir­ca 40 000 ein. Auf den ers­ten Blick er­scheint der dies­jäh­ri­ge Ein­bruch bru­tal. Be­son­ders der sams­täg­li­che Rie­sen­sla­lom mit 23 000 Be­su­chern muss zu­schau­er­mäs­sig als Ent­täu­schung ge­wer­tet wer­den.

OK-Prä­si­dent Pe­ter Wil­len nennt ver­schie­de­ne Grün­de, die da­zu ge­führt ha­ben kön­nen. «Das Wet­ter war nicht ide­al. Es war zwar klar, dass wir die Ren­nen durch­füh­ren kön­nen, aber auch, dass es Neu­schnee ge­ben wird.» Wil­len ver­mu­tet, dass die Stras­sen­ver­hält­nis­se ei­ni­ge po­ten­zi­el­le Zu­schau­er vom Be­such ab­ge­hal­ten ha­ben. «Aber auch das Sport­li­che schwingt si­cher mit», so Wil­len. «Die Schwei­zer Ath­le­ten konn­ten zu­letzt in Adelboden nicht zu­schla­gen.» Den­noch: Von ei­nem Rück­gang in die­sem Aus­mass sei das OK über­rascht wor­den, gibt Wil­len zu. «Wir wer­den über die Bücher ge­hen.» Wil­len ver­mu­tet auch, dass sich der An­lass in Adelboden et­was tot­ge­lau­fen hat. «An­de­re An­läs­se schla­fen nicht – ge­wis­se Ent­wick­lun­gen zu­letzt sind nicht un­be­dingt für uns ge­lau­fen.» In­wie­fern sich der Zu­schau­er­schwund auf die Fi­nan­zen nie­der­schlägt, kön­ne noch nicht kom­men­tiert wer­den. Hier ge­be es wei­te­re Fak­to­ren zu be­rück­sich­ti­gen. «Bei­spiels­wei­se hat­ten wir heu­er zu­sätz­li­che Spon­so­ring­ein­nah­men.»

Or­ga­ni­sa­to­risch sei­en die Ren­nen 2019 als Er­folg zu wer­ten; es ha­be kei­ne nen­nens­wer­ten Zwi­schen­fäl­le ge­ge­ben. Die Nach­richt des tra­gi­schen Un­falls in Schwe­den je­doch, der jun­ge Adel­bod­ner das Le­ben kos­te­te, ha­be im Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee star­ke Be­trof­fen­heit aus­ge­löst. «Wir ha­ben uns ent­schie­den, per Durch­sa­ge zu in­for­mie­ren und das Par­ty­pro­gramm zu stop­pen.» Das Pu­bli­kum ha­be mit Ver­ständ­nis re­agiert.

Ti­no Zur­brügg,

Fo­to: Jürg Spiel­mann

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