FDP Genf trifft sich we­gen Mau­det zum Kri­sen­gip­fel

Die FDP-Prä­si­den­tin wirft der SP so­wie der SVP Blo­cka­de­po­li­tik vor.

Berner Zeitung (Stadt) - - Schweiz -

Die SP sei «im Mo­ment nur am Blo­ckie­ren und kon­ser­va­tiv un­ter­wegs», die SVP sei von je­her ei­ne kon­ser­va­ti­ve Par­tei, «die zu al­lem Nein sagt»: FDP-Prä­si­den­tin Pe­tra Gös­si hält dem im In­ter­view «li­be­ra­le Lö­sun­gen» ih­rer Par­tei ent­ge­gen, die zei­ge, «wie wir uns un­se­re Hei­mat vor­stel­len».

Zur Ren­ten­re­form stellt Gös­si klar, «dass wir kei­ne Ren­ten­kür­zun­gen wol­len», aber man kön­ne bei­spiels­wei­se «dar­über dis­ku­tie­ren, ob nicht nur die Frau­en ein Jahr län­ger als heu­te ar­bei­ten müs­sen, son­dern auch die Män­ner».

Den Ein­wand, die FDP ha­be sich mit der SVP zu­sam­men­ge­tan und den Fort­schritt beim Kli­ma­schutz tor­pe­diert, kon­tert Gös­si, die Lin­ke ha­be zwei Schrit­te vor­wärts­ge­hen wol­len, ob­schon der Kon­sens nur für ei­nen ge­reicht ha­be.

600 Gen­fer Frei­sin­ni­ge wer­den am Di­ens­tag­abend im Vor­le­sungs­saal der Uni­ver­si­tät Du­four er­war­tet. Wich­tigs­tes Trak­tan­dum: ei­ne Stel­lung­nah­me zur «Af­fä­re Mau­det». Pier­re Mau­det, best­ge­wähl­ter Re­gie­rungs­rat, hat mit Un­wahr­hei­ten rund um ei­ne be­zahl­te Lu­xus­rei­se nach Abu Dha­bi und we­gen mut­mass­li­cher Be­güns­ti­gun­gen durch pri­va­te Gön­ner die Par­tei ge­spal­ten. Die Staatsanwaltschaft er­mit­telt. Die Steu­er­be­hör­de durch­leuch­tet Mau­dets Steu­er­d­os­sier.

Nun kommt es zur Ver­trau­ens­ab­stim­mung. Na­tio­nal­rat Hu­gues Hilt­pold sagt: «Wir stel­len un­se­ren Mit­glie­dern ei­ne ein­fa­che Fra­ge: ‹Ver­trau­en Sie Pier­re Mau­det noch?›» Man kön­ne Ja oder Nein vo­tie­ren oder sich der Stim­me ent­hal­ten, so Hilt­pold. Der Vor­stand der FDP Schweiz und die Par­tei­lei­tung der FDP Genf ha­ben be­reits ge­for­dert, Mau­det sol­le als Staats­rat zu­rück­tre­ten. Vie­le Gen­fer Frei­sin­ni­ge be­ein­druckt das nicht. Sie hal­ten zu Mau­det und fin­den, Mau­det ha­be zwar Feh­ler ge­macht, sei pri­mär aber Op­fer ei­ner Hetz­jagd von Jour­na­lis­ten und der Jus­tiz. Auch des­halb sagt FDP-Na­tio­nal­rat Be­noît Ge­ne­cand: «Wenn ich jetzt sa­gen wür­de, was am Di­ens­tag ge­schieht, müss­te ich es aus ei­ner Kris­tall­ku­gel her­aus­le­sen.» Sein Ge­fühl sa­ge ihm aber, ei­ne Mehr­heit der Gen­fer Frei­sin­ni­gen fol­ge der Par­tei­lei­tung und ent­zie­he Mau­det das Ver­trau­en, so Ge­ne­cand. Selbst wenn dies pas­sie­ren wür­de, ent­schie­de Mau­det selbst über sei­nen Rück­tritt. Ei­ne Amts­ent­he­bung ist in der Gen­fer Ver­fas­sung nicht vor­ge­se­hen.

An der Ba­sis ist die Stim­mung dif­fus. Ma­rie-Fran­ce Asen­sio, Prä­si­den­tin der FDP-Sek­ti­on in Cologny, sagt: «Die FDP Cologny hat nur ei­nen Be­schluss ge­fasst, näm­lich den, dass sie kei­nen Be­schluss fasst.» Auch die Sek­ti­on von Cé­li­ne Zu­ber-Roy, frei­sin­ni­ge Gross­rä­tin aus Ca­rouge, po­si­tio­niert sich nicht. «Wir dis­ku­tie­ren der­zeit in­ten­siv über un­se­re Ge­mein­de­fi­nan­zen, aber nicht über Pier­re Mau­det», sagt sie.

Die FDP Genf ent­schei­det an ih­rer Ver­samm­lung auch über die Zu­kunft ih­res Prä­si­den­ten Alex­and­re de Sen­ar­clens. Die­ser sagt: «Spricht die Ba­sis Pier­re Mau­det das Ver­trau­en aus, ver­kün­de ich noch am sel­ben Abend mei­nen Rück­tritt.»

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