Be­such aus Pe­king

Berner Zeitung (Stadt) - - Sport - Mar­co Opp­li­ger

Wie auf Schie­nen: An Mar­cel Hir­scher gibt es im Mo­ment kein Vor­bei­kom­men. Fe­de­rer ge­gen Na­dal, Sen­na ge­gen Prost, Ali ge­gen Fo­re­man. Pa­cken­de Du­el­le ge­hö­ren zum Ein­zel­sport, sie sind qua­si das Salz in der Sup­pe. Ski al­pin stellt da kei­ne Aus­nah­me dar, man den­ke nur an Klam­mer ge­gen Rus­si. Je­de Ge­ne­ra­ti­on hat ih­re Aus­nah­me­kön­ner, die am meis­ten In­ter­es­se ge­ne­rie­ren, das Ge­sche­hen fest im Griff ha­ben. Im ak­tu­ells­ten Fall heis­sen sie Hen­rik Kristof­fer­sen und Mar­cel Hir­scher. An den bei­den führt in den tech­ni­schen Dis­zi­pli­nen kein Weg vor­bei. Wo­bei die Hier­ar­chie klar ge­re­gelt ist: Hir­scher ist der Do­mi­na­tor, Kristof­fer­sen sein ärgs­ter Her­aus­for­de­rer.

In Adel­bo­den lässt sich der Ös­ter­rei­cher die Sie­ge 8 und 9 no­tie­ren, es han­delt sich um ei­nen neu­en Re­kord. Kei­nem an­de­ren Fah­rer ist es je ge­lun­gen, so oft am sel­ben Ort zu ge­win­nen.

Dem Nor­we­ger der­weil bleibt mit den Rän­gen 2 und 3 ein­mal mehr das Nach­se­hen.

Ein Glücks­ge­fühl, viel Frust

Hir­schers Do­mi­nanz ist aus­ser­ge­wöhn­lich. Vier von fünf Rie­sen­sla­loms und vier von fünf Sla­loms hat er in die­ser Sai­son ge­won­nen, da­zu auch im Par­al­lel­rie­sen­sla­lom von Al­ta Ba­dia re­üs­siert. Der 29-Jäh­ri­ge aus Salz­burg fährt in ei­ner ei­ge­nen Li­ga, das kann für die Kon­kur­renz sehr zer­mür­bend sein. Ge­ra­de wenn man wie Kristof­fer­sen meist der­je­ni­ge ist, der sich di­rekt hin­ter dem Platz­hirsch ein­reiht. In den letz­ten bei­den Win­tern schaff­te es der 24-Jäh­ri­ge ein ein­zi­ges Mal, sei­nen Dau­er­ri­va­len zu dü­pie­ren.

Als er am Sams­tag nach dem Rie­sen­sla­lom­klas­si­ker am Chue­nis­bär­g­li zur Me­di­en­kon­fe­renz an­zu­tre­ten hat­te, gab er sich äus­serst zu­ge­knöpft. Freu­de über

den Po­dest­platz? Fehl­an­zei­ge! Dem Jour­na­lis­ten der Schwei­ze­ri­schen De­pe­schen­agen­tur, der es schliess­lich wag­te, ihm ei­ne Fra­ge zu stel­len, raun­te er an­ge­säu­ert zu: «Es wi­dert mich an, im­mer auf Mar­cel und mei­ne zwei­ten Plät­ze an­ge­spro­chen zu wer­den. Ich ha­be 50 Po­dest­plät­ze und 16 Sie­ge.»

Wie ei­ne Ma­schi­ne

24 St­un­den spä­ter ist Kristof­fer­sens Lau­ne un­gleich bes­ser. Zwar wie­der­holt sich das Pro­ze­de­re, ihm bleibt im Sla­lom hin­ter Hir­scher und dem über­ra­schen­den Clé­ment No­ël «nur» Rang 3. Doch er re­agiert dar­auf er­staun­lich ge­las­sen: «Die Ge­schwin­dig­keit ist da, aber mit sol­chen Feh­lern kannst du Mar­cel im Mo­ment nicht be­zwin­gen.»

Wie recht er hat. Nach dem ers­ten Lauf be­leg­te Hir­scher Rang 3, mit 39 Hun­derts­teln Rück­stand auf den Füh­ren­den Ei­ne De­le­ga­ti­on der Win­ter­spie­le 2022 in Pe­king weil­te in Adel­bo­den. Die dick ein­ge­pack­ten Män­ner spra­chen mit die­sem und je­nem, mit dem Ziel, Er­fah­run­gen zu sam­meln. 2020 sol­len im Reich der Mit­te Welt­cup­ren­nen statt­fin­den, «noch aber wis­sen wir nicht, was da­für zu tun ist», meint ei­ner der Ab­ge­sand­ten. Ei­nen Lands­mann kön­nen die Chi­ne­sen nicht an­feu­ern, wenn­gleich Fah­rer aus 20 Län­dern am Start wa­ren – auch aus Spa­ni­en und Bo­li­vi­en.

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