Bank Va­li­ant ver­sucht sich in Zü­rich

Nach der Ro­man­die und der Ost­schweiz stösst die Bank Va­li­ant in den gröss­ten Wirt­schafts­raum der Schweiz vor. Der neue Chef Ewald Bur­ge­ner er­klärt, wie er in ei­nem ge­sät­tig­ten Markt Er­folg ha­ben will.

Berner Zeitung (Stadt) - - Erste Seite - Ju­li­an Wit­schi

Neue Stra­te­gie Der neue Chef von Va­li­ant will die Ex­pan­si­on der Bank be­schleu­ni­gen. Ewald Bur­ge­ner kün­dig­te ges­tern an, in den nächs­ten fünf Jah­ren vom Gen­fer­see bis an den Bo­den­see vier­zehn Fi­lia­len zu er­öff­nen und 170 neue Stel­len zu schaf­fen. Nach der Ro­man­die und der Ost­schweiz nimmt er auch Zü­rich ins Vi­sier. Bur­ge­ner glaubt, ein Re­zept für die Ex­pan­si­on auf dem hart um­kämpf­ten Ban­ken­platz ge­fun­den zu ha­ben. Va­li­ant will haupt­säch­lich aus ei­ge­ner Kraft wach­sen und höchs­tens ver­ein­zelt an­de­re Ban­ken schlu­cken. Das ist auch ei­ne Leh­re aus der Ver­gan­gen­heit, als Va­li­ant mit ei­ner ag­gres­si­ven Über­nah­me­stra­te­gie in der Ära von Kurt Streit in die Kri­se ge­schlit­tert war.

Über Men­schen aus dem Wal­li­ser Saas­tal sagt man, sie sei­en sehr spar­sam. Ewald Bur­ge­ner gibt nun aber viel Geld aus: Der in Saas-Ba­len auf­ge­wach­se­ne neue Chef von Va­li­ant will die Ex­pan­si­on der Bank be­schleu­ni­gen. 50 Mil­lio­nen Fran­ken wer­de Va­li­ant in den nächs­ten fünf Jah­ren in­ves­tie­ren, sagt Bur­ge­ner zur neu­en Stra­te­gie. Die­se prä­sen­tier­te er ges­tern nach 100 Ta­gen auf dem neu­en Pos­ten zu­sam­men mit Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Jürg Bu­cher. Bur­ge­ner war zu­vor Fi­nanz­chef und lös­te Mar­kus Gy­gax ab, der in den Ver­wal­tungs­rat wech­sel­te und nächs­tes Jahr das Prä­si­di­um von Bu­cher über­neh­men soll.

Wäh­rend vie­le an­de­re Ban­ken Fi­lia­len schlies­sen und On­li­ne­an­bie­ter ins Fi­nanz­ge­schäft drän­gen, sieht die Va­li­ant-Füh­rung im An­griff die bes­te Ver­tei­di­gung. 14 neue Ge­schäfts­stel­len sind ge­plant, die Hälf­te da­von im Raum Zü­rich, wo Va­li­ant noch nicht prä­sent ist. Da­bei ist der gröss­te Wirt­schafts­raum der Schweiz be­son­ders um­kämpft un­ter den Ban­ken.

Mehr Kun­den­be­ra­ter

Va­li­ant zielt aber we­der auf die Stadt Zü­rich, noch auf die glo­bal tä­ti­gen Gross­ban­ken oder Su­per­rei­che. Son­dern auf Pri­vat­kun­den und KMU in den boo­men­den re­gio­na­len Zen­tren. Mit die­ser Stra­te­gie ha­be Va­li­ant be­reits in der West­schweiz Er­folg, sagt Bur­ge­ner. Dort star­te­te sie die Ex­pan­si­on 2016. Statt in Genf oder Lau­sanne er­öff­ne­te Va­li­ant Fi­lia­len in Nyon, Mor­ges und Ve­vey. Statt am Schal­ter wer­den die Kun­den am Bild­schirm von ei­nem Mit­ar­bei­ter emp­fan­gen. Für Ein- und Aus­zah­lun­gen hat es Au­to­ma­ten. Man kann sich aber auch per­sön­lich vor Ort be­ra­ten las­sen.

170 neue Stel­len will Bur­ge­ner in den nächs­ten fünf Jah­ren schaf­fen, dar­un­ter 140 in der Kun­den­be­ra­tung. Heu­te be­schäf­tigt die Bank über 1000 Mit­ar­bei­ten­de, dar­un­ter 80 Aus­zu­bil­den­de. Auch der Kan­ton Bern soll pro­fi­tie­ren von zu­sätz­li­chen Stel­len im Back­of­fice und vom neu­en Kun­den­cen­ter in Biel. Das bis­he­ri­ge Netz mit 92 Fi­lia­len wer­de nicht aus­ge­dünnt, be­kräf­tigt Bur­ge­ner, auch wenn er ein­zel­ne An­pas­sun­gen nicht aus­schliesst.

Das Zu­sam­men­spiel zwi­schen per­sön­li­cher Be­ra­tung vor Ort und di­gi­ta­len Di­enst­leis­tun­gen be­wäh­re sich. Des­halb glaubt Bur­ge­ner, dass Va­li­ant auch in neu­en Re­gio­nen als Al­ter­na­ti­ve will­kom­men ist. Er will, dass Va­li­ant über ih­re Stamm­ge­bie­te Bern, Aar­gau und In­ner­schweiz hin­aus künf­tig vom Gen­fer- bis zum Bo­den­see prä­sent ist. Die Ex­pan­si­on in die Ost­schweiz folgt wie an­ge­kün­digt noch in die­sem Herbst mit Fi­lia­len in St. Gal­len und Wil.

In­ves­tie­ren müs­sen wird Va­li­ant auch in die Di­gi­ta­li­sie­rung. Bank­ge­schäf­te via In­ter­net oder am Smart­pho­ne sol­len so ein­fach wie mög­lich sein. Preis­bre­cher wird die Bank nicht sein. Aber sie of­fe­riert ih­ren Kun­den in der Ost­schweiz ver­suchs­wei­se auch Hy­po­the­ken an­de­rer An­bie­ter (wir be­rich­te­ten). An der Vor­sicht bei der Kre­dit­ver­ga­be will Bur­ge­ner den­noch fest­hal­ten. Er ist stolz dar­auf, dass Va­li­ant die Mar­gen trotz der re­kord­tie­fen Zin­sen im Ver­gleich zu an­de­ren Ban­ken hoch hal­ten konn­te.

«Wir sind fit und kön­nen nun bei der Ex­pan­si­on ein hö­he­res Tem­po ge­hen.» Ewald Bur­ge­ner Chef von Va­li­ant

Lang­fris­tig mehr Ge­winn

Am Sams­tag will der 53-Jäh­ri­ge die Angestellt­en an ei­nem Mit­ar­bei­ter­tag auf die neue Stra­te­gie ein­schwö­ren: «Wir ha­ben be­wie­sen, dass wir fit sind, und kön­nen bei der Ex­pan­si­on nun ein hö­he­res Tem­po ge­hen.» Die ers­ten 100 Ta­ge als Chef ha­be er in­ten­siv an der Stra­te­gie ge­ar­bei­tet, zu­sam­men mit dem Ver­wal­tungs­rat und Mit­ar­bei­ten­den, die über 200 Vor­schlä­ge für neue Er­trags­mög­lich­kei­ten ein­ge­bracht hät­ten.

Bur­ge­ner kennt die Bank bes­tens. Seit 2013 war er Fi­nanz­chef. Da­vor hat­te er nach ei­nem Stu­di­um der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten in Bern für die Schwei­ze­ri­sche Bank­ge­sell­schaft (heu­te UBS), die Re­vi­si­ons­ge­sell­schaft Ernst & Young und die Re­gio­nal­ban­ken Hol­ding RBA ge­ar­bei­tet. Er räumt ein, dass we­gen der Kos­ten für die Wachs­tums­stra­te­gie der Ge­winn der Bank kurz­fris­tig un­ter Druck ge­ra­ten könn­te. Lang­fris­tig zeigt sich Bur­ge­ner aber über­zeugt, dass es sich be­zahlt ma­chen wird, nicht nur auf die Spar­brem­se zu tre­ten.

Fo­to: zvg

Ewald Bur­ge­ner (53) prä­sen­tiert die neue Stra­te­gie.

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