Päck­li-Au­to­ma­ten er­set­zen die Post­schal­ter

Kür­ze­re Öff­nungs­zei­ten und ein Päck­li-Au­to­mat: Die Post Läng­gas­se lässt die Kun­din­nen und Kun­den spü­ren, dass sie am Schal­ter nicht mehr will­kom­men sind.

Berner Zeitung (Stadt) - - Erste Seite - Es­t­her Die­ner-Mor­scher

Stadt Bern In den letz­ten 16 Jah­ren hat die Post die Hälf­te ih­rer Fi­lia­len in der Stadt Bern ge­schlos­sen. Auch bei der Post Läng­gas­se ist nicht si­cher, was nach 2020 pas­siert. Schon jetzt hat sie die Fi­lia­le ver­klei­nert und die Öff­nungs­zei­ten ver­kürzt. Neu sol­len die Kun­den ih­re Pa­ke­te sel­ber auf­ge­ben.

«Wis­sen Sie, dass Sie Ihr Pa­ket auch am Au­to­ma­ten auf­ge­ben kön­nen?»: So wer­den Päck­liKun­den am Schal­ter der um­ge­bau­ten Läng­gas­se-Post seit kur­zem emp­fan­gen. Als «mo­der­ni­sier­te Fi­lia­le» kün­de­te sie den Quar­tier­be­woh­nern und -be­woh­ne­rin­nen die Post kürz­lich in ei­nem Flug­blatt an.

Doch die­se muss­ten fest­stel­len: Mo­der­ni­siert heisst vor al­lem klei­ner. Denn die Post ist vom bis­he­ri­gen Schal­ter­raum nach hin­ten um­ge­zo­gen, wo einst die Post­fä­cher wa­ren. Weil es dort viel we­ni­ger Platz hat, gibt es neu nur noch drei statt vier Schal­ter.

Da­für hat die Post um die Ecke ei­nen Pa­ket­au­to­ma­ten mit über zwei­hun­dert Fä­chern in­stal­liert. Dort sol­len die Kun­den ih­re Pa­ke­te nun sel­ber auf­ge­ben. Das kann al­ler­dings teu­er wer­den, wie ein Test die­ser Zei­tung er­gab: Für ein lan­ges Pa­ket müs­sen Kun­din­nen am Au­to­ma­ten die XL-Ge­bühr zah­len. Das macht 22 Fran­ken. Das glei­che Pa­ket kos­tet am Schal­ter auf­ge­ge­ben nur 7 Fran­ken. Auch für Pa­ke­te, die höher als 17,5 Zen­ti­me­ter sind, ist der Pa­ket­au­to­mat teu­rer. Das Por­to kos­tet 11 statt 7 Fran­ken.

«Be­dürf­nis der Kun­den»

Gleich­zei­tig macht es die Post ih­ren Kun­din­nen al­ler­dings im­mer schwie­ri­ger, ein Pa­ket am Schal­ter auf­zu­ge­ben. Denn die neue Fi­lia­le hat nur noch 42 statt 47 St­un­den pro Wo­che of­fen. Ge­kürzt hat die Post vor al­lem am Mor­gen und am Mit­tag. Statt um 7.30 Uhr öff­net sie erst um 8 Uhr. Am Mit­tag ist sie erst ab 14 Uhr statt schon ei­ne Vier­tel­stun­de frü­her of­fen und am Sams­tag nur noch bis 11 statt bis 12 Uhr. Wie vie­le Kun­den von den kür­ze­ren Öff­nungs­zei­ten be­trof­fen sind, will die Post nicht mit­tei­len. Post­spre­che­rin An­toi­net­te Feh Wid­mer sagt nur: «Ten­den­zi­ell kom­men am Vor­mit­tag we­ni­ger Kun­din­nen und Kun­den und am Nach­mit­tag mehr, so passt sich die Post dem Be­dürf­nis der Kun­den an.»

Ei­ne klei­ne Um­fra­ge vor der Fi­lia­le zeigt al­ler­dings, dass nicht al­le das Be­dürf­nis ha­ben, erst nach 8 Uhr ih­re Post­ge­schäf­te zu er­le­di­gen. «Für mich war der frü­he Mor­gen die ein­zi­ge Mög­lich­keit, vor der Ar­beit noch schnell auf die Post zu ge­hen», sagt ein Kun­de, der un­ver­hofft vor ver­schlos­se­ner Tü­re stand. Man sei of­fen­bar am Schal­ter nicht mehr will­kom­men, klagt ei­ne an­de­re Kun­din. Sie be­fürch­tet, dass es die Läng­gas­se-Post nicht mehr lan­ge ge­ben wer­de.

Nur bis En­de 2020 ga­ran­tiert

Ga­ran­tiert ist de­ren Fort­be­stand vor­läu­fig nur bis En­de nächs­ten Jah­res. Feh Wid­mer von der Post sagt da­zu: «Grund­sätz­lich be­ste­hen heu­te kei­ne Plä­ne, das Netz nach 2020 sys­te­ma­tisch zu ve­rän­dern.» Doch sie fügt an: Weil sich das Ver­hal­ten der Kun­den än­de­re, sei es «nicht aus­zu­schlies­sen, dass es auch nach 2020 zu An­pas­sun­gen beim Fi­li­al­netz kommt».

Wäh­rend die Post ihr An­ge­bot in der Läng­gas­se schritt­wei­se re­du­ziert, baut der Gross­ver­tei­ler

Co­op sei­ne Prä­senz im Quar­tier aus: In den ehe­ma­li­gen Post­räu­men wird ei­ne Co­op-Fi­lia­le ge­baut. Sie wird Mit­te No­vem­ber er­öff­net, wie Ron­ny Aesch­ba­cher, Me­dien­spre­cher der Co­op-Ver­kaufs­re­gi­on Bern, sagt. Die neue Fi­lia­le ist 700 Qua­drat­me­ter gross und wird ne­ben Ar­ti­keln des täg­li­chen Be­darfs laut Aesch­ba­cher ei­nen «er­höh­ten An­teil an Fer­tig­pro­duk­ten» an­bie­ten. Die zwei an­de­ren Läng­gas­se-Fi­lia­len beim Mues­matt und an der Zäh­rin­ger­stras­se blei­ben be­ste­hen.

Co­op: Acht Post­agen­tu­ren

Un­ter Um­stän­den könn­te Co­op der­einst so­gar die Läng­gas­sePost über­neh­men. In der Ver­kaufs­re­gi­on Bern hat Co­op be­reits an acht Orten – et­wa in Wor­blau­fen – Post­agen­tu­ren in­te­griert. Ob sol­che Plä­ne für die Läng­gas­se be­reits exis­tie­ren, ha­ben die Post und Co­op we­der be­stä­tigt noch be­strit­ten.

Fo­to: Ra­pha­el Mo­ser

Fo­to: Ra­pha­el Mo­ser

«Mo­der­ni­siert» heisst vor al­lem klei­ner: Die Post in der Läng­gas­se nach dem Um­bau.

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