Ge­mein­den kön­nen un­ter­schied­lich be­steu­ern

Auch in Ge­mein­den kön­nen Fir­men und Pri­va­te un­ter­schied­li­che Steu­er­an­la­gen ha­ben.

Berner Zeitung (Stadt) - - Erste Seite - (sar)

In der De­bat­te zum Steu­er­ge­setz folgt der Grosse Rat den Vor­schlä­gen der Re­gie­rung. Ges­tern be­schloss er un­ter an­de­rem ei­ne Ent­kop­pe­lung der Steu­er­an­la­gen für Ge­mein­den und ei­ne tie­fe­re Ka­pi­tal­steu­er. Ins­ge­samt setz­te die bür­ger­li­che Mehr­heit im Rat ih­re An­lie­gen durch. Die Lin­ken und Tei­le der EVP lehn­ten des­halb das Ge­setz in ers­ter Le­sung ab. Es ist ih­nen zu un­ter­neh­mer­freund­lich. Für die Bür­ger­li­chen je­doch ist es bloss ein ers­ter Schritt zu wei­te­ren Mass­nah­men. Un­ter an­de­rem sind in den Bud­get­de­bat­ten im nächs­ten und im über­nächs­ten Win­ter Steu­er­sen­kun­gen für Pri­vat­per­so­nen und Fir­men an­ge­dacht. Die zwei­te Le­sung fin­det nächs­ten Früh­ling statt. Bis dann wird sich die Fi­nanz­kom­mis­si­on un­ter an­de­rem mit tem­po­rä­ren Steu­er­er­leich­te­run­gen für Un­ter­neh­men so­wie der Neu­be­wer­tung der Lie­gen­schaf­ten be­fas­sen.

Ein Re­fe­ren­dum kün­dig­te SPCo-Prä­si­dent und Gross­rat Ue­li Eg­ger (Hü­ni­bach) zwar nicht ex­pli­zit an. Doch er mach­te deut­lich, dass sei­ne Par­tei nicht zu­frie­den ist mit dem Steu­er­ge­setz, das der Grosse Rat ges­tern nach lan­ger De­bat­te in ers­ter Le­sung ab­ge­seg­net hat­te. Fast den gan­zen Don­ners­tag und den gest­ri­gen Nach­mit­tag be­fass­te sich das Par­la­ment mit der Vor­la­ge. Da­rin geht es pri­mär dar­um, wie der Kan­ton Bern die Steu­er­re­form des Bun­des um­set­zen will.

«Wir hät­ten uns nach dem an der Ur­ne er­folg­rei­chen Re­fe­ren­dum zur letz­ten Steu­er­ge­setz­re­vi­si­on ein deut­lich so­zia­le­res Ge­setz ge­wünscht», sag­te Eg­ger. Das nun aus­ge­han­del­te Ge­setz sei «sehr un­ter­neh­mer­freund­lich». Na­ta­lie Im­bo­den (Bern), Co-Prä­si­den­tin der Grü­nen, fin­det das Ge­setz «für den Kan­ton Bern nicht ver­dau­lich». Die Lin­ken stör­ten sich dar­an, dass die bür­ger­li­che Mehr­heit nicht auf ih­re An­trä­ge ein­ging.

Tie­fe­re Ka­pi­tal­steu­er

Ges­tern hat der Rat Fol­gen­des be­schlos­sen: Die Ka­pi­tal­steu­er soll von heu­te 0,3 auf 0,05 Pro­mil­le ge­senkt wer­den. Das bringt dem Kan­ton knapp 7 Mil­lio­nen Fran­ken we­ni­ger Ein­nah­men. Für Im­bo­den kommt dies ei­ner «Qua­si-Ab­schaf­fung» gleich. Wei­ter dür­fen die Ge­mein­den eben­so wie der Kan­ton Fir­men und Pri­vat­per­so­nen un­ter­schied­lich hoch be­steu­ern, mit ei­ner ma­xi­ma­len Ab­wei­chung von 20 Pro­zent. Die Lin­ken woll­ten die­se Ab­wei­chung nur für hö­he­re Steu­er­an­la­gen für Fir­men er­lau­ben, doch die bür­ger­li­che Mehr­heit ge­neh­mig­te dies in bei­de Rich­tun­gen.

Nicht um­strit­ten wa­ren die Ab­zü­ge für For­schung und Ent­wick­lung so­wie Er­mäs­si­gun­gen für Pa­ten­te, die Fir­men für den Weg­fall eid­ge­nös­si­scher Steu­er­pri­vi­le­gi­en ent­schä­di­gen sol­len. Doch die Lin­ken und die EVP woll­ten, dass die höchst­mög­li­chen ge­samt­haf­ten Ab­zü­ge auf 50 Pro­zent be­schränkt wer­den, nicht auf 70 Pro­zent. Auch hier bot der Rest des Par­la­ments kei­ne Hand. Zu­dem hat der Grosse Rat das letz­te Wort, wenn es dar­um geht, in der zwei­ten Le­sung des Ge­set­zes ei­nen Ziel­wert für die Hö­he der amt­li­chen Neu­be­wer­tung der Lie­gen­schaf­ten fest­zu­le­gen. Be­reits letz­te Wo­che ent­schied der Rat, den Ab­zug für die Dritt­be­treu­ung von Kin­dern auf 16 000 Fran­ken zu er­hö­hen (wir be­rich­te­ten).

«Ein ers­ter Schritt»

Die bür­ger­li­che Sei­te fin­det in­des nicht, dass das Ge­setz ans Ma­xi­mum geht. Viel­mehr sei dies bloss ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, dem zwin­gend wei­te­re fol­gen müss­ten, sag­ten meh­re­re Bür­ger­li­che. Dies vor al­lem in An­be­tracht der im in­ter­kan­to­na­len Ver­gleich re­kord­ho­hen Ge­winn­steu­ern für Fir­men und der ho­hen Ein­kom­mens­steu­ern für Pri­vat­per­so­nen. Dies­be­züg­lich will die Re­gie­rung erst bei den nächs­ten Bud­get­de­bat­ten tä­tig wer­den. Das Steu­er­ge­setz geht im Früh­ling in die zwei­te Le­sung.

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