Stadt über­nimmt neue Auf­ga­ben im Asyl­be­reich

Die Stadt kann Mit­te Jahr un­ter ge­re­gel­ten Be­din­gun­gen da­mit be­gin­nen, im Asyl­be­reich kan­to­na­le Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men. Viel Kri­tik rich­te­te sich in der De­bat­te ge­gen den Kan­ton.

Berner Zeitung (Stadt) - - Erste Seite - (hae)

Stadt Bern Nach dem gest­ri­gen Ja des Stadt­rats kann die Stadt kan­to­na­le Auf­ga­ben im Asyl­be­reich über­neh­men. Al­ler­dings wur­de die Vor­la­ge reih­um kri­ti­siert: Mit­te­rechts arg­wöhn­te, dass die Stadt mit ei­nem Dum­ping­an­ge­bot an­de­re Be­wer­ber aus­ge­boo­tet ha­be, die Lin­ke kri­ti­sier­te das neue Sys­tem des Kan­tons, weil es ei­ne Ver­schär­fung des Asyl­be­reichs dar­stel­le.

Zu­nächst für acht Jah­re über­nimmt die Stadt Bern im Asyl­be­reich kan­to­na­le Auf­ga­ben. Der Stadt­rat ge­neh­mig­te dies ges­tern am En­de deut­lich mit 54 Ja­ge­gen 20 Nein­Stim­men (1 Ent­hal­tung). Zu­vor war das Ge­schäft aber kri­ti­siert wor­den – von al­len Sei­ten, mit un­ter­schied­li­chen Ar­gu­men­ten. Es ging im Kern um ei­ne De­fi­zit­ga­ran­tie, die der Ge­mein­de­rat be­an­trag­te. Weil der Kan­ton im Be­reich In­te­gra­ti­on näm­lich 60 Pro­zent der ent­stan­de­nen Kos­ten nur bei ent­spre­chen­den Er­fol­gen punk­to Sprach­ und Er­werbs­in­te­gra­ti­on ver­gü­tet, ris­kiert die Stadt ein jähr­li­ches De­fi­zit von rund 400 000 Fran­ken.

Das wur­de nur schon des­halb kri­ti­siert, weil die Stadt al­so Leis­tun­gen vor­fi­nan­ziert, für die ei­gent­lich der Kan­ton auf­kom­men muss. Eben­falls be­män­gelt wur­de, dass die Stadt selbst beim «rea­lis­ti­schen» Sze­na­rio von ei­nem De­fi­zit aus­geht. Da­mit ha­be sie in der Aus­schrei­bung an­de­re Be­wer­ber «un­red­lich» aus­ge­boo­tet, hiess es et­wa von der FDP/JF­Frak­ti­on.

«Mis­si­on im­pos­si­ble»

Die Idee, sich all­fäl­li­ge Ver­lus­te schon im Vor­aus fi­nan­zie­ren zu las­sen, sei ei­ne «Car­te blan­che», so FDP/JF­Spre­che­rin Bar­ba­ra Frei­burg­haus. «Trans­pa­rent wä­re, nach Mi­nus­jah­ren ei­nen Nach­kre­dit zu be­an­tra­gen.» Ih­re Frak­ti­on be­an­trag­te des­halb, das Ge­schäft zu­rück­zu­wei­sen.

Zu­rück­wei­sen woll­te die GFL/ EVP nur, wenn ih­re bei­den An­trä­ge nicht durch­kom­men wür­den: kei­ne Be­nach­tei­li­gung bei der För­de­rung von Ge­flüch­te­ten mit ver­gleichs­wei­se we­nig Res­sour­cen, kla­re Kri­te­ri­en für Frei­wil­li­ge et­wa bei Sprach­kur­sen. Doch selbst dann er­folg­te ih­re Zu­stim­mung zäh­ne­knir­schend, mach­te GFL/EVP­Spre­che­rin Fran­ce­sca Chuk­wun­ye­re deut­lich. Die Er­folgs­vor­ga­ben des Kan­tons geis­sel­te sie als «Mis­si­on im­pos­si­bi­le».

Re­tou­chen an­brin­gen an ei­ner Vor­la­ge, die man auch da­nach noch skep­tisch be­trach­ten wür­de: Dies war auch die Po­si­ti­on der GLP/JGLP.

«Schlech­te Aus­gangs­la­ge»

Har­sche Kri­tik äus­ser­te auch die Rats­lin­ke – am Kan­ton. Weil auch sie die Ziel­vor­ga­ben des Kan­tons teil­wei­se als un­er­füll­bar er­ach­tet, be­straft das neue Sys­tem laut SP/Ju­so­Spre­che­rin No­ra Krum­men die­je­ni­gen, die sich um die In­te­gra­ti­on von Ge­flüch­te­ten be­mü­hen. «Die vor­lie­gen­de Lö­sung ist das Op­ti­mum, das die Stadt in ei­ner sehr schlech­ten Aus­gangs­la­ge her­aus­ho­len kann», so Krum­men.

So­zi­al­di­rek­to­rin Fran­zis­ka Teu­scher (GB) be­ton­te, dass der Ge­mein­de­rat ei­ne aus­ge­gli­che­ne Rech­nung an­stre­be und Steue­rungs­mög­lich­kei­ten ha­be, um dies zu er­rei­chen. Die Stadt rech­ne nur des­halb selbst im bes­ten Fall bloss mit ei­nem win­zi­gen Plus, weil sie so viel Geld wie mög­lich in die In­te­gra­ti­ons­för­de­rung ste­cken wol­le – und kei­nen Ge­winn an­stre­be, wie das ver­schie­dent­lich der pri­va­ten ORS vor­ge­wor­fen wur­de.

«Wir ha­ben Re­spekt vor der Auf­ga­be», sag­te sie und mein­te die Ar­beit mit ver­letz­li­chen Men­schen und das Ab­gel­tungs­sys­tem des Kan­tons. Dass die Ge­flüch­te­ten, um die sich die Stadt künf­tig küm­mern wird, nach ei­ner ge­wis­sen Zeit oh­ne­hin in Ob­hut der Ge­mein­den kom­men, sei aber ei­ne wei­te­re Mo­ti­va­ti­on, sich um die­se Men­schen zu küm­mern. Spä­tes­tens nach An­nah­me der Er­gän­zun­gen von GFL und GLP war klar, dass Teu­scher ei­nen Er­folg fei­ern wür­de.

Foto: Fran­zis­ka Ro­then­büh­ler

So­zi­al­di­rek­to­rin Fran­zis­ka Teu­scher im Stadt­rat, hier bei ei­ner De­bat­te im Vor­jahr.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.