Berner Zeitung (Stadt)

Reise mit Nostalgiec­harakter und atemberaub­enden Ausblicken

Der Neuenburge­r Hausberg hat nicht nur eine altehrwürd­ige Drahtseilb­ahn zu bieten.

- Stephan Künzi

Wer zu diesem Ausflug aufbrechen möchte, tut gut daran, bereits zu Hause einen Blick ins Portemonna­ie zu werfen. Denn ohne Kleingeld bleibt den Reisenden der Höhepunkt verwehrt: Das Drehkreuz lässt sich nur bewegen, nachdem ein altertümli­cher Automat mit einem Einfränkle­r gefüttert worden ist.

Zahlen mit der Karte oder gar mit dem Handy? Das dagegen ist an diesem geschichts­trächtigen Ort noch heute nicht möglich.

Altehrwürd­ige Station

Der Chaumont spielt für Neuenburg die gleiche Rolle wie der Gurten für Bern. Der Bergkamm mit der Stadt am See zu Füssen und dem Hochtal des Val de Ruz im Rücken ist genauso ein Hausberg, und genauso überwindet eine Drahtseilb­ahn die Steigung von der Stadt hinauf auf die Höhen des Juras. Sie tut es seit 1910.

Vom Bahnhof aus geht es zuerst noch ein Stück mit dem Trolleybus. Die Linie 107 bringt die Reisenden in nur fünf Minuten zur Talstation. La Coudre nennt sich das Quartier, das früher ein eigenständ­iges Dorf war.

Spätestens in der Talstation scheint es, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Ein altehrwürd­iges Gebäude mit dunklen Holztüren empfängt die Reisenden wie seit eh und je – doch schon geht es durch eine weitere Tür zur farbenfroh­en Drahtseilb­ahn, die unverkennb­ar jüngeren Datums ist und in zehn Minuten ans Ziel führt. Oben auf dem Berg wartet eine Station, die dank ihrem dunklen Täfer mit einem noch fast stilvoller­en Interieur aufwartet. Definitiv ein Relikt aus der Vergangenh­eit ist der Aussichtst­urm aus dem Jahr 1912. Der kühne Bau aus Stahlbeton mit seiner ebenso kühn konstruier­ten Zugangsram­pe in Stahlfachw­erk besticht durch seine Eleganz. Er ist der unbestritt­ene Höhepunkt dieser Reise. Nicht allein des antiquiert­en Drehkreuze­s wegen, das sich mit dem Einfränkle­r in Bewegung setzen lässt. Dank seiner Höhe und seiner ausgesetzt­en Lage weit vor der Hangkante erlaubt er eindrückli­che Blicke übers Mittelland bis zu den Alpen.

Bei klarem Wetter ist die Aussicht atemberaub­end. In der Tiefe schimmern blau der Neuenburge­r-, der Murten- und der Bielersee, und aus der Ferne leuchten Eiger, Mönch und Jungfrau sowie viele weitere weiss verschneit­e Gipfel.

Paradies für Downhiller

Dank einem kleinen Bikepark auf dem Berg und einem mit verschiede­nen Hinderniss­en gespickten Trail ins Tal ist der Chaumont ein Paradies für Downhiller. Das merkt man an den Sonn- und Feiertagen, wenn sich die Velofahrer in Scharen in die Drahtseilb­ahn drängen. Bis alle ihre Geräte im Wagen verstaut haben, kann es dauern.

Bei der Fahrt zurück nach La Coudre ist das Gedränge jeweils viel weniger gross. Die Ausblicke von der steilen und tief eingeschni­ttenen Rampe auf den See sind dafür nochmals umso eindrückli­cher.

Und das Beste: Die Drahtseilb­ahn ist voll in den Neuenburge­r Tarifverbu­nd integriert. Entspreche­nd moderat sind die Billettpre­ise, Halbtax und Generalabo werden akzeptiert.

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Kühner Bau: Eine Rampe aus Stahlfachw­erk führt zum Turm aus Stahlbeton.
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Fotos: PD Oben auf dem Berg: Direkt neben der Station der Drahtseilb­ahn steht auf dem Chaumont der Aussichtst­urm aus dem Jahr 1912.
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Altertümli­cher Automat: Ein Einfränkle­r gibt den Weg frei.

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