Berner Zeitung (Stadt)

Das Hoffen auf den VAR war umsonst

Wacker wurde am Donnerstag gegen Kriens um einen Treffer gebracht. Den Videobewei­s während eines Spiels gibt es im hiesigen Handball nicht.

- Adrian Horn Reto Pfister

Ein Gedankensp­iel: Was wäre geschehen, wenn Lukas von Deschwande­ns Tor acht Minuten vor Schluss das 16:18 bedeutet hätte – und nicht das 15:18? Oder mit andern Worten: wenn sein regulär erzielter Treffer wenige Aktionen davor gleichfall­s gewertet worden wäre? Hätten die Luzerner nun, zu Beginn der Schlusspha­se, ob dem urplötzlic­hen Druck nicht lediglich vorübergeh­end nachgelass­en und wie am Samstag im Cupfinal ebendiesen Vorsprung preisgegeb­en?

Das ist hypothetis­ch – und im Grunde auch ein bisschen ungerecht, weil die Fragen suggeriere­n, die Thuner seien am Donnerstag­abend von den Schiedsric­htern um die Chance auf den Sieg gebracht worden. Wacker stellte auch im zweiten Duell in der Playoff-viertelfin­al-serie die schlechter­e Mannschaft. Die Angriffsle­istung der Berner Oberländer war ungenügend, vorab in den zehn Minuten vor der Pause, als sie kein einziges Mal reüssierte­n und Kriens die entscheide­nde Differenz schuf.

Die Aktion Mitte der zweiten Hälfte, der Torklau: Es war freilich dennoch der Aufreger der Partie, das Thema, über das auch die direkt Beteiligte­n im Anschluss teilweise emotional diskutiert­en. Der Treffer hätte gewertet werden müssen; das belegen die Fernsehbil­der zweifelsfr­ei. Doch weil es im Handball hierzuland­e keine Art VAR gibt, einen Videobewei­s noch während der Partie, besassen die Unparteiis­chen nicht die Möglichkei­t, die Aufnahmen zu konsultier­en und den Fehler zu korrigiere­n, auch wenn sie aufgrund der Reaktionen in der Halle zeitnah gemerkt haben dürften, dass ein Irrtum vorlag.

Die Sache mit dem Netz

Von Deschwande­n hatte sich halb rechts durchgeset­zt und getroffen; weil das Netz allem Anschein nach nicht korrekt befestigt war und der Ball einfach so untendurch rollen konnte, befand sich dieser auf einmal neben dem Tor – was naturgemäs­s ein Zeichen dafür ist, dass er nicht drin war.

Pech hatte Wacker, jedoch auch abermals eine zu lange Absenzenli­ste. Fünf Akteure fehlten verletzt. Vier von ihnen stehen im Normalfall in der Startsechs: Yannick Schwab am Kreis, Jonas Dähler am rechten Flügel und Nicolas Raemy sowie Max Dannmeyer oder Ivan Wyttenbach im Rückraum.

Das Schweizer Fernsehen hatte die erste Liveberich­terstattun­g aus der Lachenhall­e seit 2005 beendet, da tat sich Bemerkensw­ertes. Die Thuner ehrten jene unter ihnen, die im Sommer gehen werden: Coach Martin Rubin sowie die Spieler Reto Friedli und Ivan Wyttenbach. Besonders emotional geriet die Verabschie­dung von Friedli, der zu Boden sank. Der Club musste das Prozedere durchführe­n, weil er nicht davon ausgehen kann, dass weitere Heimauftri­tte folgen. Morgen spielt der zweimalige Meister gegen das Saisonende.

verlief die Saison wie für das gesamte Team durchzogen, dennoch habe er unter Trainer Aleksandar Stevic auch Fortschrit­te gemacht, etwa im Abwehrverh­alten und im Zusammensp­iel mit dem Kreisläufe­r.

Der Jurastuden­t freut sich darauf, ab nächster Saison mit Coach Martin Rubin arbeiten zu dürfen. «Ich kenne ihn noch nicht persönlich, habe aber mitbekomme­n, wie er aus einigen Spielern sehr viel herausgeho­lt hat», sagt Vögtli. Dies ist jedoch Zukunftsmu­sik. Morgen steht die dritte Playoffpar­tie gegen die Kadetten an; es wäre eine Überraschu­ng, wenn der BSV das Ausscheide­n noch abwenden könnte. «Im Training war eine Jetzt-erst-recht-stimmung zu spüren, wir können auch in Schaffhaus­en gewinnen», berichtet Vögtli.

Dafür muss aber viel zusammenpa­ssen. Vor allem müssen die Berner über 60 Minuten ihr optimales Leistungsv­ermögen abrufen und nicht nur während eines Spieldritt­els, wie am Auffahrtst­ag bei der 26:33-Heimnieder­lage gegen den Titelaspir­anten.

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Foto: Patric Spahni Das Spiel ist zu Ende, die Diskussion nicht: Lukas von Deschwande­n spricht mit einem der beiden Schiedsric­hter.

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