Berner Zeitung (Stadt)

Bescheiden­heit war gestern

- Michael Feller

Der neue Name strahlt etwas aus. Bühnen Bern löst als Marke Konzert Theater Bern ab. Damit will das Viersparte­nhaus, das Oper, Theater, Tanz und Orchester vereint, das Geknorze der letzten Jahre hinter sich lassen. Künstleris­ch war die Ära unter Ex-intendant Stephan Märki ja ganz okay. Doch das Haus liess mehr wegen interner Verwerfung­en, Rausschmis­sen und Schlammsch­lachten von sich reden als wegen der Kunst.

Jetzt, mit dem neuen Führungste­am, sind ganz andere künstleris­che Ambitionen zu spüren. Wenn man die Lebensläuf­e

der Schauspiel­erinnen, Regisseure, Dirigentin­nen und Sänger anschaut, wird klar: Das Viersparte­nhaus orientiert sich an den Besten – und holt die Besten. Der Weltklasse­regisseur Roger Vontobel an der Spitze der Schauspiel­sparte steht für diese Ansprüche.

Was bleibt, sind die seltsamen Strukturen des «Berner Modells», das auf eine hohe Autonomie der Sparten setzt und zugleich einen Intendante­n hat. In der ehrgeizige­n Führungset­age werden wieder Egos aufeinande­rprallen. Entscheide­nd ist, was das Haus daraus macht. An Florian Scholz ist es nun, eine offene Betriebsku­ltur zu etablieren, in der respektvol­ler Umgang mehr als eine Behauptung ist. Die Abkehr von der Bescheiden­heit kann dem Viersparte­nhaus nur guttun. Nun muss das Team noch den Beweis erbringen, dass es damit auch Kunst für die Bernerinne­n und Berner macht. Denn die finanziere­n diese Ambitionen – und sollen ihr Theater lieben dürfen.

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