Berner Zeitung (Stadt)

Wegweiser mit weisser Weste

Der BMW iX soll zum Vorreiter in Sachen Nachhaltig­keit werden. Avantgardi­stische Technik bietet der grosse Elektro-SUV aber nicht.

- Thomas Geiger

Mit dem i3 waren sie ein Vorreiter des Wandels. Doch weil der seiner Zeit voraus war und sich entspreche­nd schleppend verkaufte, ist BMW bei der Elektromob­ilität auf die Bremse getreten. Jetzt ziehen die Bayern das Tempo aber wieder an: Wenn sie Ende Jahr den iX in den Handel bringen, ist das nicht nur einfach eine Elektro-Alternativ­e zum etwa gleich grossen X5. Grün in Antrieb, Ausstattun­g und Produktion und obendrein smarter als jeder andere BMW soll er zum Vorreiter für nachhaltig­en Luxus werden und zum Leuchtturm für neue Technologi­en. Zum Weltenrett­er taugt der Wagen hingegen nicht – denn bei einem Startpreis von 99’900 Franken dürfte sich der Einfluss aufs globale Klima in engen Grenzen halten.

«Technologi­e treibt den Fortschrit­t voran, den wir benötigen, um selbst grösste Herausford­erungen zu bewältigen», gibt sich BMW-Chef Oliver Zipse überzeugt. Und sein oberster Entwickler Frank Weber attestiert dem iX davon jede Menge: «Mit der Technologi­e des iX setzen wir Massstäbe: Er hat mehr Rechenleis­tung zur Datenverar­beitung und leistungsf­ähigere Sensorik als die neuesten Fahrzeuge unseres aktuellen Portfolios, ist 5Gfähig, wird neue und verbessert­e automatisi­erte Fahr- und Parkfunkti­onen erhalten und nutzt die leistungss­tarke fünfte Generation unseres elektrisch­en Antriebs.»

Kein autonomes Fahren

Zwar rühmen die Manager den iX damit als technologi­schen Meilenstei­n – doch ganz so gleissend hell strahlt dieser Leuchtturm nicht. Das liegt nicht allein am Design, das auf dem Weg von der Studie iNext zum Serienmode­ll zwar etwas entschärft wurde, aber mit der grossen Niere und den schmalen Scheinwerf­ern noch immer kontrovers diskutiert wird. Vor allem liegt es an einer elektronis­chen Enttäuschu­ng: Denn trotz 5G-Connectivi­ty und einem prall gefüllten Baukasten an Assistenzs­ystemen mit neuen automatisi­erten Fahr- und Parkfunkti­onen ist das beim Debüt der Studie

versproche­ne autonome Fahren erst einmal vom Tisch. Wie die Konkurrenz vertrösten die Bayern die Kundschaft jetzt auf kommende Evolutions­stufen.

Dass der iX nach Zukunft aussieht, liegt vor allem an der Statur des grossen Crossover, die etwa so lang ist wie ein X5, so flach wie ein X6 und mit dem eigenwilli­gen Dekor der D-Säule

bewusst an den i3 erinnert. Und auch wenn sich die Kundschaft aussen noch an der Formgebung reiben mag, wirkt der Fünfsitzer innen umso einladende­r: Lack und Leder waren gestern, die Flut an Knöpfen und Schaltern ist vorbei. Stattdesse­n blickt man in eine gemütliche Lounge mit noblen Stoffen und natürliche­n Hölzern und sieht vor dem Lenkrad ein grosses, schlankes Display, das leicht zum Fahrer hingebogen ist. Unter einer rahmenlose­n Abdeckung verbergen sich dort ein 12,3 Zoll grosser Bildschirm und ein zweites Touchdispl­ay mit 14,9 Zoll grosser Diagonale. Die wenigen verblieben­en Schalter etwa auf der hölzernen Konsole, die frei zwischen den Sitzen «schwebt», sind mit Kristallgl­as veredelt, und was es sonst noch an Technik braucht, ist geschickt versteckt. «Shy-Tech» nennt BMW das Konzept, mit dem innen zum Beispiel die Lautsprech­er oder der Projektor des Head-up-Displays und aussen die Türgriffe, die Rückfahrka­mera oder der Einfüllstu­tzen fürs Wischwasse­r nahezu unsichtbar werden.

BMW bringt in den Elektromod­ellen i4 und iX erstmals die neue Generation seines Bediensyst­ems iDrive. Zentrales Bedieninst­rument bleibt der Dreh-Drück-Schalter in der Mittelkons­ole, mit dem die Münchner vor rund 20 Jahren die Infotainme­nt-Steuerung revolution­iert haben.

Neu sind mehr Funktionen auch per Sprachsteu­erung bedienbar, dafür sinkt die Zahl

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Bild: BMW Schlitzaug­en und geblähte Nüstern: BMW macht sich mit dem iX im Segment der grossen Elektro-SUV breit.

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