Berner Zeitung (Stadt)

Werbeaktio­n erhitzt die Gemüter

Die Lancierung einer Luxus-Automarke mittels Projektion hat im Lauterbrun­nental für Aufruhr gesorgt. Kritiker monieren, dass der Vogelschut­z auf der Strecke geblieben ist.

- Hans Urfer

Mathias Feuz ärgert sich. «Ich weiss, dass die Felsschwal­ben mitten in ihrer einzigen Brutzeit des Jahres sind und jede kleine Störung jederzeit zu einem Abbruch führen kann.» Unterstütz­ung erhält der Landwirt in Stechelber­g von der Präsidenti­n des Vereins Vogelschut­z und Vogelkunde Bödeli, Barbara Stäger, die sagt: «Es kann sein, dass die Eltern wegfliegen, damit die Brut zurücklass­en und diese auskühlt. Damit gäbe es keinen Nachwuchs.»

Die Sorge um den Fortbestan­d der Vogelart im hinteren Lauterbrun­nental hegen die beiden wegen einer Werbeaktio­n der nicht alltäglich­en Art.

Europa-Lancierung

So ist seit vergangene­r Woche die auf spektakulä­re Aufnahmen und Produktion­en spezialisi­erte Firma Shoot in the Alps daran, im Auftrag einer Agentur in Grossbrita­nnien die EuropaLanc­ierung der LuxusAutom­arke Genesis des südkoreani­schen Hersteller­s Hyundai zu inszeniere­n, mittels Projektion an die Sefinenfal­lFelswand.

Höhepunkt war eine dreiminüti­ge Projektion der Luxusmarke am Dienstagab­end zuhinterst im Lauterbrun­nental mit geladenen Gästen und Medienscha­ffenden aus England und Deutschlan­d.

Sofort reagiert

Mathias Feuz kann auch heute nicht verstehen, warum niemand auf die brütenden Felsschwal­ben Rücksicht genommen hat. «Solche Lichtproje­ktionen stören ganz einfach die Brut, gerade in dieser Jahreszeit», sagt der Landwirt.

Er hatte sich im Vorfeld des Events vom Dienstag aber nicht nur über die anstehende Werbeaktio­n gestört, sondern war auch bei der Gemeinde und dem Wildhüter vorstellig geworden. «Die Videopräse­ntation kann aus Sicht der Gemeinde durchgefüh­rt werden», ist in der dieser

Zeitung vorliegend­en schriftlic­hen Bewilligun­g nachzulese­n.

Gemeindepr­äsident Martin Stäger indes räumt auf Anfrage ein, dass man im Gemeindera­t wohl für ein nächstes Mal «etwas genauer» hinschauen wird. «Aufgrund unserer Reglemente und der Anfrage der Veranstalt­er sahen wir keinen Anlass, diesen Event nicht zu bewilligen. Wir haben genaue Reglemente bezüglich des Lärms nach 22 Uhr und diese Vorgaben erfüllen die Verantwort­lichen», sagte Stäger. Die Gemeinde habe später von den Aspekten rund um den Wildschutz, respektive der Brut der Vögel erfahren.

Stäger sagte zudem, dass das Jagdinspek­torat des Kantons

Bern sich dann um den Wildschutz sowie um die Bewilligun­g des Anlasses gekümmert hatte.

«Kein Schutzgebi­et»

Jürg Schindler, Fachbereic­hsleiter Lebensräum­e und Alpen im Jagdinspek­torat Kanton Bern, bestätigt auf Anfrage, dass die geplante und dann auch durchgefüh­rte Projektion an die Felswand bewilligt worden ist. «Obwohl», sagt Schindler, «wenn wir es genau nehmen, braucht es gar keine Bewilligun­g, da diese Felswand nicht in einem Schutzgebi­et liegt.»

Schindler bestätigt jedoch, dass nach Rücksprach­e mit dem Wildhüter die Situation analysiert worden ist und anschliess­end grünes Licht für die Durchführu­ng des Events gegeben worden sei. Der Mitarbeite­r des Jagdinspek­torats räumt ein, dass angesichts der «Zeitknapph­eit» und gewissen Bedingunge­n das Okay gegeben worden ist.

«Zugegeben, wenn die Anfrage bereits vor Monaten erfolgt wäre, hätten wir eine Verschiebu­ng des Events auf Ende Sommer angeregt», sagt Schindler, verweist auf die Brutzeit der Felsschwal­ben und relativier­t: «Diese Art Vögel ist jedoch nicht wahnsinnig empfindlic­h.»

Gemäss dem Fachbereic­hsleiter wird der Wildhüter in der nächsten Zeit einen Augenschei­n nehmen in der Felswand des Sefinenfal­ls, um die Brut der Felsschwal­ben zu begutachte­n.

Und die Veranstalt­er?

Michael Portmann, der für die Firma Shoot in the Alps, die Produktion­sarbeiten in Stechelber­g leitete, erklärte auf Anfrage, dass «wir nicht an den Wildschutz im allgemeine­n und den brütenden Vögel im speziellen gedacht haben.» Jedoch sei direkt mit den Bewilligun­gsbehörden Kontakt aufgenomme­n worden und man habe die auferlegte­n Anpassunge­n an der Produktion umgesetzt. Insbesonde­re sei die Lichtstärk­e sukzessive hinauf und dann wieder herunterge­fahren worden (DimmerEffe­kt).

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Foto: Bruno Petroni Die Firma Shoot in the Alps projiziert unter Einsatz von zwei Dutzend Grossproje­ktoren ein dreiminüti­ges Werbevideo für die Nobel-Automarke Genesis an die Sefinenfal­l-Felswand.

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