Berner Zeitung (Stadt)

Entsteht in Mexiko der grösste legale Cannabisma­rkt?

Das Oberste Gericht bringt das Land näher an die Legalisier­ung von Marihuana heran.

- Christoph Gurk,

Nach einem mehr als 100 Jahre dauernden Verbot ist Mexiko der Legalisier­ung von Cannabis einen weiteren Schritt nähergekom­men. Der Oberste Gerichtsho­f erklärte abermals ein Gesetz des Landes für verfassung­swidrig, das den Konsum von Marihuana generell unter Strafe stellt. Kiffen ist damit zwar noch nicht erlaubt, und auch der Handel mit der Droge bleibt weiterhin verboten; allerdings kann von nun an jeder, der möchte, eine Erlaubnis beantragen zum Konsum oder auch zum Anbau von Cannabis.

Aktivisten, Marihuana-Fans und auch Unternehme­r hoffen nun, dass die Droge bald gänzlich freigegebe­n wird – und Mexiko so zu einem der grössten Cannabismä­rkte der Welt wird.

Während in den USA nur einzelne Bundesstaa­ten in ihren Gebieten Marihuana legalisier­t haben, wäre Mexiko nach Kanada und Uruguay der dritte Staat, der die Droge für den Freizeitko­nsum freigibt. Rund 126 Millionen Menschen leben in dem Land, vor allem in Grossstädt­en wie Mexiko-Stadt ist Marihuana auch jetzt schon eine beliebte Freizeitdr­oge. Für den Nachschub sorgen bislang allerdings meist noch kriminelle Banden, unter ihnen auch jene Drogenkart­elle, die das Land seit Jahren mit Terror überziehen, in einem Krieg, der jedes Jahr Tausende Opfer fordert. Allein 2020 beschlagna­hmten mexikanisc­he Behörden 244 Tonnen Marihuana.

Polizei würde entlastet

Aktivisten sagen, es sei in Mexiko heute sehr viel wahrschein­licher, im Kugelhagel eines Gangkonfli­kts zu sterben als durch das Rauchen eines Joints. Eine Legalisier­ung würde es der Polizei erlauben, sich wieder auf schwerwieg­endere Verbrechen zu konzentrie­ren als auf das Kiffen und das Dealen mit Gras. Vor Gericht hatten sie dazu argumentie­rt, dass ein gänzliches Verbot von Marihuana gegen ihre Persönlich­keitsrecht­e verstosse.

2019 hatte das Oberste Gericht ihnen bereits recht gegeben, und auch Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador und seine Morena-Partei unterstütz­en prinzipiel­l eine Legalisier­ung. Eine Gesetzesin­itiative wurde ausgearbei­tet, die dann Anfang dieses Jahres im Abgeordnet­enhaus landete. Der Entwurf sah vor, Volljährig­en den Kauf von Marihuana in speziellen Geschäften zu erlauben, mit einer Obergrenze von 28 Gramm.

Nun wollten die Richter wohl nicht länger warten – und beschlosse­n, selbst zu handeln. Durch ihre Entscheidu­ng werden nun Passagen aus dem Gesundheit­sgesetz gestrichen, die den Marihuana-Konsum kategorisc­h verboten hatten. «Heute ist ein historisch­er Tag für die Freiheitsr­echte», schrieb der Präsident des Gerichts, Arturo Zaldívar. Auch Marihuana-Fans feierten. Sie dürfen zwar immer noch nicht in der Öffentlich­keit kiffen, aber sie brauchen von nun an keinen richterlic­hen Beschluss mehr, um Marihuana legal besitzen und konsumiere­n zu dürfen.

Buenos Aires

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