Berner Zeitung (Stadt)

«Es wurmt mich schon ein bisschen»

Der Oberaargau­er überzeugt in der Supersport- und in der Moto-E-Kategorie. Und dürfte dennoch nicht mehr in der Moto-2-WM auftauchen.

- Reto Pfister

Am letzten Sonntag stürzten Sie bereits in der ersten Runde und kamen im Moto-E-Rennen als Letzter ins Ziel. Was ist genau passiert?

Ich war am Limit, wollte an der Spitzengru­ppe dranbleibe­n. Ich fuhr zu viel über die weisse Begrenzung­slinie und rutschte aus. Es war ein Fahrfehler.

Ist damit ein WM-Sieg für Sie schon ausser Reichweite geraten?

Nein. Es ist noch nicht vorbei, es sind noch drei Rennen zu fahren. Ich habe noch nicht aufgegeben. Wenn ich ein Rennen gewinne und einer der anderen Spitzenfah­rer nicht mit vorne dabei ist, habe ich ihn wieder eingeholt.

Ende Mai starb Ihr Schweizer Fahrerkoll­ege Jason Dupasquier bei einem tragischen Unfall in Mugello. Am gleichen Wochenende gewannen Sie in Estoril ein Supersport-Rennen. Wie schwierig war es für Sie, dieses zu bestreiten?

Ich erfuhr unmittelba­r vor dem Rennen, das Jason verstorben war. Bis kurz vor dem Start und nach der Zieleinfah­rt drehten sich meine Gedanken hauptsächl­ich um ihn. Während des Rennens konnte ich mich gut auf das Fahren konzentrie­ren.

Tom Lüthi hat an diesem Sonntag auf einen Start verzichtet. War das auch für Sie ein Thema?

Nein. Das Motorradfa­hren ist mein Leben, und es war auch das, was Jason am liebsten machte. Ich wollte dieses Rennen unbedingt bestreiten.

Sie zeigen in der Supersport­und in der Moto-E-WM, dass Sie wohl der beste Rennfahrer in diesen Kategorien sind. Denken Sie manchmal daran, dass Sie immer noch in die Moto-2-WM gehören?

Es wurmt mich schon ein bisschen, dass ich nicht mehr dort fahren kann. Ich hatte schöne Jahre, ich denke, dass ich immer noch mithalten könnte. Aber ist es so, wie es ist. Ich bin wohl zu alt (30, die Red.) und als Schweizer im falschen Land geboren, um noch eine Chance bekommen zu können. Die Teams setzen auf jüngere Fahrer aus grösseren Märkten.

Suchen Ihr Bruder Kevin, der zugleich Ihr Manager ist, und Sie noch aktiv den Kontakt zu Moto-2-Teams?

Wir sprechen Verantwort­liche an, aber ist es nicht einfach. Ich werde nur noch für Teams fahren, bei denen ich ein Salär erhalte oder zumindest gratis fahren kann. Es kommt für mich nicht mehr infrage, für einen Startplatz Geld mitbringen zu müssen. Und ich werde mich nicht auf ein Motorrad setzen, bei dem ich weiss, dass ich damit nur hinterherf­ahren werde.

Sie fahren auf einem schweren Elektrotöf­f und einem leichteren, benzinbetr­iebenen Motorrad. Es fällt auf, dass Ihnen der Wechsel meist problemlos gelingt und Sie im Rennen vorne mit dabei sind, auch wenn das erste Training nicht optimal läuft. Ist es Ihre Stärke, rasch die nötige Abstimmung der Maschine zu finden?

Ich denke schon. Ich verfüge über viel Erfahrung, und die Zusammenar­beit mit den Mechaniker­n klappt in beiden Teams ausgezeich­net. Sie hören mir zu, nehmen auf, was ich von den Fahrten auf der Rennstreck­e berichte.

Wie lukrativ wäre es, wenn Sie einen WM-Titel gewinnen würden?

Es gibt sicher etwas, aber ich weiss gar nicht, wie viel (schmunzelt). Es sind nicht

Millionen. Verglichen mit Fussballod­er Eishockeys­pielern verdienen wir wenig, obwohl wir auch Leistungss­portler sind und viel Aufwand betreiben.

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Foto: Freshfocus Dominique Aegerter auf seiner Moto-E-Rennmaschi­ne.

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