Berner Zeitung (Stadt)

Junihagel macht Früchte und Gemüse teurer

Unwetter und Frost führen zu Ernteausfä­llen in der Schweiz und in den Nachbarlän­dern. Besonders betroffen sind ungeschütz­te Freilandku­lturen.

- Angelika Gruber

Es ist Sommerzeit, und damit haben Früchte und Gemüse Hochkonjun­ktur. Doch wer sich an dem Genuss erfreuen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Denn die extremen Witterungs­bedingunge­n im laufenden Jahr haben zu Ernteausfä­llen geführt, was nun bei einigen Sorten die Preise in die Höhe treibt.

Schuld an den Preissteig­erungen sind zum einen die Unwetter der vergangene­n Tage, die in Teilen der Schweiz schwere Schäden in der Landwirtsc­haft angerichte­t haben. Von den Obstsorten seien vor allem Freilandku­lturen wie Äpfel, Kirschen, Erdbeeren, Birnen und Zwetschgen betroffen, so eine Sprecherin des Schweizer Obstverban­ds.

Strauchbee­ren wie Himbeeren oder Brombeeren sind weniger stark in Mitleidens­chaft gezogen. Sie stehen zu 70 Prozent unter Witterungs­schutz – sind also mit Überbauten geschützt. Doch Wind und Hagel hätten diesen Witterungs­schutz vielfach beschädigt, so der Verband.

Hagel schädigt sogar Kartoffeln

Hinzu kommt der Frost Anfang April. Dieser hat nicht nur die Aprikosenk­ulturen im Wallis beschädigt, sondern auch in den Nachbarlän­dern der Schweiz für Einbussen gesorgt. Die Preise für die derzeit importiert­en Früchte wie Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen, Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeer­en seien daher angestiege­n, so der Obstverban­d. Das Plus beläuft sich auf 3 bis 17 Prozent. Lediglich die Importprei­se für Kirschen seien vergleichb­ar mit jenen aus dem Vorjahr.

Auf die Preise für Schweizer Früchte dürften die Wetterkapr­iolen trotz allem keine starken Auswirkung­en haben. «Bei Schweizer Früchten bleiben die Preise fast unveränder­t», so die Sprecherin des Obstverban­ds.

Doch nicht nur Obstkultur­en, auch Gemüsefeld­er wurden beschädigt. Die Gewitter haben grosse Anbaufläch­en betroffen, wie der Gemüseverb­and erklärte. Bei Salat und Kohlgemüse wie Blumenkohl, Broccoli, Kabis oder Kohl gebe es «sehr hohe Ausfälle». Daher seien steigende Preise zu erwarten; wie stark dies am Ende die Konsumenti­nnen und Konsumente­n im Laden treffe, werde sich in den nächsten Wochen zeigen, so der Verband.

Der Hagel ging auch über einigen der Hauptanbau­gebiete für Kartoffeln nieder und führte dort zu teils grossen Schäden. «Angebotsmä­ssig wird sich dies erst auf die Herbsternt­e auswirken», erklärt Christian Bucher, Geschäftsf­ührer

des Verbandes Swisspatat. Wie hoch die Ausfälle seien, lasse sich derzeit jedoch noch nicht abschätzen.

Kartoffeln wachsen zwar grundsätzl­ich unter der Erde und sind dort vor Hagelkörne­rn geschützt. Doch damit sie gedeihen, brauchen sie grünes Kraut, das an der Oberfläche Fotosynthe­se betreibt und so die gesamte Pflanze mit Energie versorgt. Je stärker das grüne Kraut an der Oberfläche vom Hagel zerstört ist, umso mehr ist das Wachstum der Kartoffel im Boden beeinträch­tigt.

Die aktuelle Ernte der Frühkartof­feln ist von den Unwettern aber kaum betroffen. Sie ist in vollem Gange, und die ersten Schweizer Frühkartof­feln sind bereits in den Regalen. In den nächsten Tagen wird der grösste Teil des Sortiments in den Verkaufsst­ellen auf Schweizer Frühkartof­feln umgestellt. Damit können grössere Mengen geerntet werden.

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Foto: Sabine Rock Worst-Case-Szenario für Landwirte: Der Hagel hat ein Zucchettif­eld in Wädenswil ZH zerstört.

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