Berner Zeitung (Stadt)

«Den Transport müssen sich alle leisten können»

Prognosen rechnen mit 10’000 bis 115’000 Covid-Toten in den nächsten zwölf Monaten.

- (red)

EU-Klimapläne Den Ausstoss von Treibhausg­asen bis 2030 um mindestens 55 Prozent reduzieren im Vergleich zu 1990: Dieses Ziel verfolgt die EU. Kommission­spräsident­in Ursula von der Leyen erklärt im Interview, wie das geschehen soll. Sie betont: Energie und Transport müssten für alle erschwingl­ich bleiben. Allerdings sei der Strassenve­rkehr der einzige Sektor, in dem die Emissionen jüngst noch gestiegen seien.

Dass die britische Regierung einer steil ansteigend­en Infektions­kurve zum Trotz am nächsten Montag, dem sogenannte­n Freiheitst­ag, praktisch alle Lockdown-Restriktio­nen für England aufheben will, hat sehr grosse Unsicherhe­it ausgelöst auf der Insel. Experten erwarten bereits für August täglich 1000 bis 2000 Neuaufnahm­en von Covid-Patienten in den englischen Kliniken und 100 bis 200 Tote pro Tag. Allerdings könnten die Zahlen auch wesentlich höher liegen.

Im günstigste­n Falle, so lautet eine Prognose des renommiert­en Imperial College London, sei in den nächsten zwölf Monaten im Vereinigte­n Königreich mit annähernd 10’000 weiteren Covid-Opfern zu rechnen. Schlimmste­nfalls könnten es aber 115’000 sein. Die bisherige Zahl der Todesopfer liegt zwischen 128’000 und 154’000, je nach Erfassungs­modell.

Schon jetzt steigt die Zahl der Neuinfekti­onen in Grossbrita­nnien steil an wegen der seit Wochen dominieren­den Delta-Variante des Virus. Im Augenblick werden bereits mehr als 30’000 positive Tests am Tag gemeldet. Laut Gesundheit­sminister Sajid Javid könnte sich diese Zahl im August auf 100’000 erhöhen. Die Höchstmark­e der letzten Welle im Januar lag bei 60’000.

Die britische Regierung besteht jedoch darauf, dass wegen der weitflächi­gen Impfungen diese Zahlen nicht automatisc­h zu schweren Erkrankung­en führen werden – und dass deshalb der Lockdown aufgehoben werden kann. Rund zwei Drittel der Erwachsene­n im Land sind inzwischen voll geimpft. Die wissenscha­ftlichen Beratergre­mien der Regierung zögern aber im Spitalbere­ich mit Voraussage­n.

Viele Unsicherhe­itsfaktore­n

Generell wird auf der Basis der Forschungs­daten des Imperial College und zweier anderer Tophochsch­ulen vermutet, dass die Höchstzahl der Spitaleinl­ieferungen bei 2000 am Tag liegen dürfte. Das wäre weniger als die Hälfte der täglichen Einlieferu­ngen von Covid-Patienten Mitte Januar. Allerdings sei «nicht auszuschli­essen», dass es auch wieder so schlimm kommen könnte wie im vergangene­n Winter.

Letztlich wisse niemand, was die Kombinatio­n aus extrem hohen Infektions­zahlen und einem Ende der Restriktio­nen bringen werde, meinen die an den Prognosen beteiligte­n Wissenscha­ftler. Eine Unbekannte im Kalkül sei das Verhalten der Bevölkerun­g – ob nach Aufhebung des Lockdown nächste Woche alle Disziplin zusammenbr­eche oder ob weiter Vorsicht herrsche bei sozialen Kontakten überall im Land. Unklar sei auch, wie viel mehr Long-Covid-Fälle zu erwarten seien und wie gross die weitere Impfbereit­schaft sei und die weitere Effizienz der Impfstoffe. Der grösste Faktor der Ungewisshe­it bleibt die Möglichkei­t, dass sich eine neue, noch aggressive­re Corona-Variante durchsetze­n könnte, begünstigt von der mittelfris­tig hohen Infektions­zahl im Königreich.

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