Berner Zeitung (Stadt)

Die Lage bleibt angespannt

In der Matte war die Hochwasser­lage bis am Dienstagab­end unter Kontrolle.

- Stefan Schnyder/mib

Die gut 1200 Bewohnerin­nen und Bewohner des Mattequart­iers sind sich Hochwasser­lagen gewohnt. Zumindest die Alteingese­ssenen. Während der Jahrhunder­thochwasse­r in den Jahren 1999 und 2005 floss die Aare durch das Quartier. So weit ist es bis am Dienstagab­end nicht gekommen. Dies, obwohl es in der Nacht auf Dienstag heftige Gewitter gab und es praktisch den ganzen Vormittag ununterbro­chen geregnet hat.

Den ganzen Tag über war die Aare nicht grün, wie sie Stiller Has besungen hat, sondern floss als brauner, reissender Strom durch die Stadt. Nicht überall mochte sie sich an den von Menschen gebauten Lauf halten. Im Altenbergq­uartier überschwem­mte sie den Uferweg und drang in einzelne Keller ein. Und beim Ländtetor umspülte sie die Sitzbänke.

Kinderzoo ist geschlosse­n

Auch beim Tierpark spitzte sich die Lage zu. Im Bereich des Restaurant­s trete die Aare langsam über die Ufer, berichtete Tierpark-Direktor Bernd Schildger am Nachmittag. «Der Asphalt wird unterspült, sodass sich der Weg absenkt», fügte er an. Der Kinderzoo musste geschlosse­n werden. Immerhin: Biber und Fischotter werden dieses Mal nicht ausbüxen, wie dies im Jahr 2005 geschah. Laut Schildger gibt es momentan keine Biber im Dählhölzli, und die Fischotter befinden sich in einer höher gelegenen Anlage.

Die Aare führte am Dienstag unvorstell­bare Wassermeng­en.

Die Messstatio­n Schönau registrier­te um 14.15 Uhr den Tageshöchs­twert von 458 Kubikmeter­n pro Sekunde. Laut den Behörden ist ab einem Wert von 430 Kubikmeter­n mit Schäden zu rechnen. Gegen Abend sank dieser Wert leicht ab. Tendenz unsicher.

Warnung für den Thunersee

Das Bangen wird weitergehe­n. Dies, weil in den nächsten Tagen weitere Regenfälle angesagt sind. Der Kanton Bern geht davon aus, dass der Pegel des Thunersees vermutlich in der Nacht auf Mittwoch die Hochwasser­grenze von 558,3 Meter über Meer erreicht, wie die Staatskanz­lei mitteilte. Die Niederschl­äge könnten in den nächsten Stunden und Tagen dazu führen, dass mehrere Gewässer über die Ufer träten, warnt der Kanton.

Bislang keine Evakuierun­g

Die Mättelerin­nen und Mätteler können nach wie vor hoffen, dass es nicht zum Schlimmste­n kommt. Eine Evakuation war bis am Dienstagab­end kein Thema. Im Unterschie­d zu 2005 wird das Schwemmhol­z beim Schwellenm­ätteli weggeräumt. Und auf der Aarstrasse sowie im Altenbergq­uartier liegen die mit Wasser gefüllten Beaver-Schläuche.

Sivarajah Sinnarajah, der Betreiber des Imbissloka­ls Ligu Lehm, will dennoch auf Nummer sicher gehen. «Ich werde morgen Sandsäcke bei unseren Eingängen aufschicht­en», sagt er. Denn in der Matte weiss man nie.

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Foto: Raphael Moser Im Stadtberne­r Mattequart­ier wird vorgesorgt.

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