Berner Zeitung (Stadt)

Moderna-Impfstoff: Erträge von über 6 Milliarden Franken fliessen in die Schweiz

Das Geld für die an die EU gelieferte­n Impfdosen geht nach Basel – ein Fall von Steuerverm­eidung?

- Isabel Strassheim

Milliarden­zahlungen für den Impfstoff von Moderna fliessen in die Schweiz und werden hier zu Niedrigsät­zen versteuert. Das schreibt die niederländ­ische Nichtregie­rungsorgan­isation Somo. Denn die US-Impfstoffh­erstelleri­n Moderna hat ihren Europasitz in Basel, und das Geld von der Europäisch­en Union für die bei Moderna bestellten Dosen werde in die Schweiz überwiesen.

Wie der geleakte Vertrag zwischen Moderna und der Europäisch­en Union belegt, muss die EU tatsächlic­h ihre Zahlungen für die vorbestell­ten Impfdosen an

Moderna Switzerlan­d in Basel entrichten. Überwiesen wird das Geld auf ein Konto der Bank of America Zurich.

Insgesamt hat die EU für das laufende Jahr 310 Millionen Dosen bestellt, zum Preis von je 22,50 Dollar. In der Summe fliessen demzufolge umgerechne­t über 6 Milliarden Franken auf das Schweizer Konto.

Wie hoch der von Moderna zu versteuern­de Gewinn dabei ausfällt, ist unbekannt – er wird von dem börsenkoti­erten US-Biotechunt­ernehmen erst noch veröffentl­icht. Ebenfalls unbekannt ist, wo er denn versteuert wird. Moderna lehnt derzeit eine Stellungna­hme dazu ab.

Der Vorwurf von Somo: «Allein die Tatsache, dass Moderna den Umsatz seiner Covid-Impfungen in seine frisch gegründete­n Tochterges­ellschafte­n in Steueroase­n lenkt, weist darauf hin, dass dies steuerlich motiviert ist.»

In der Schweizer Szene wird nun getweetet, Modernas Ableger in Basel sehe «verdammt nach einer Briefkaste­nfirma zur Steuerverm­eidung aus». BaselStadt hat mit 13 Prozent einen im Vergleich zu anderen Schweizer

Kantonen und vor allem auch zu anderen Staaten niedrigen Gewinnsteu­ersatz für Unternehme­n. Dieser steht mit der geplanten weltweiten Mindestste­uer von 15 Prozent gerade zur Diskussion.

Ob der Gewinn hierzuland­e versteuert wird, ist unklar

Es ist jedoch keineswegs automatisc­h so, dass Moderna den Gewinn überhaupt in der Schweiz versteuert. Denn das Unternehme­n muss die Steuern nicht dort abliefern, wo es den Umsatz verbucht, sondern dort, wo es tatsächlic­h die Wertschöpf­ung erzielt. «Wir wissen nicht, wie viel Gewinn hier versteuert wird», betont der Sprecher des Finanzdepa­rtements von Basel-Stadt.

Fest steht, dass Moderna für seinen im vergangene­n Dezember frisch gegründete­n Europasitz Basel gewählt hat, weil hier auch Lonza ihren Sitz hat. Die Schweizer stellen im Auftrag von Moderna den Hauptwirks­toff für die Impfung her. Vor allem zu Beginn gab es zwischen den Unternehme­n viel abzustimme­n. Anzunehmen ist auch, dass ein

Teil der Umsatzsumm­e gleich an Lonza weiterflie­ssen dürfte.

Moderna sei alles andere als eine Briefkaste­nfirma, sagt Nicole Hostettler, die als Leiterin des Amts für Wirtschaft und Arbeit auch für die Standortfö­rderung des Stadtkanto­ns zuständig ist. «Die Ansiedelun­g von Moderna ergänzt die Basler Lifescienc­esFirmen und schafft zahlreiche Stellen.» Auf einer Internetpl­attform sucht die Firma derzeit unter anderem eine oder einen «Director Internatio­nal Tax».

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