Berner Zeitung (Stadt)

Mit klarem Ziel geht es für YB in die Saison

Die Young Boys müssen wieder Meister werden. Auf dem Weg zum fünften Titel in Serie gilt es für sie auch, der eigenen Genügsamke­it Herr zu werden.

- Moritz Marthaler

Vor dem Saisonstar­t der Super League ist im Wankdorfst­adion klar, was die Young Boys wollen: den 5. Meistertit­el. Die Verantwort­lichen wissen, dass dieses Ziel mit jedem Jahr schwerer zu erreichen ist.

Es gab eine Zeit, in der man auf das Saisonziel der Young Boys noch so richtig gespannt sein konnte. Es war im Sommer 2017, als YB zuletzt nicht als Meister in eine Spielzeit stieg: Der Branchenpr­imus hiess damals noch FC Basel, in den Sommermona­ten klangen aus Bern traditione­ll bescheiden­e Voten an. Christoph Spycher etwa sagte: «Wir beobachten die Konkurrenz und sehen, was sie zulässt.»

Heute ist eine andere Zeit. Vier Meistertit­el später ist Spycher noch immer YB-Sportchef, aber der Club agiert aus der Warte des Seriensieg­ers und kennt vor der Saison vor allem auch Gefahr durch die eigene Genügsamke­it. Es gilt, den Titel jedes Jahr aufs Neue wieder als Ziel zu formuliere­n – in möglichst wettbewerb­sverträgli­cher und motivieren­der Art. «Eine Saison wie die letzte wird es ganz bestimmt nicht wieder geben», sagt Spycher. Es ist keine allzu kühne These, 31 Punkte Vorsprung sind ein Meilenstei­n, wie ihn die Young Boys kaum noch einmal setzen dürften. Auch wenn sie bereits 2019 auf eine Spielzeit der Superlativ­e reagierten, nach 20 Punkten immerhin 8 Zähler zwischen sich und die Konkurrenz brachten.

Und diesmal? Diesmal hat ebendiese Konkurrenz deutlicher aufgerüste­t als auch schon, gerade der FCB könnte nach der Verpflicht­ung von internatio­nalen Jungtalent­en wie Stürmer Sebastiano Esposito offensiv wieder mehr Schlagkraf­t haben. Und diesmal steigt YB erstmals seit drei Jahren mit einem neuen Trainer in die Saison. David Wagner hat nach seinen ersten vier Wochen in Bern nichts Negatives zu berichten. Er zeigt sich konsequent «einverstan­den mit dem, was ich gesehen habe» – zufrieden, so wiederholt er am Tag der YB-Saisoneröf­fnungspres­sekonferen­z in diversen Interviews, zufrieden sei ein schwierige­s Wort, «so richtig zufrieden bin ich nie».

Es ist ein Ton, den die Young Boys bewusst anschlagen. Ihnen ist klar, dass die Serie, die sie am laufen haben, immer schwierige­r fortzusetz­en ist. «Das, was hier zuletzt geleistet wurde», sagte Wagner schon im Trainingsl­ager, «wird in der kommenden Saison vielleicht nicht mehr reichen.» Der 49-jährige Deutsche betonte es auch gestern noch einmal.

In die Gruppenpha­se – aber in welche?

Er weiss, dass der Start in der im europäisch­en Vergleich früh eröffneten Super League traditione­ll ein heikler ist. Am Mittwoch bereits wartet auf YB das erste

Wettbewerb­sspiel der Saison, die Weichen für eine ganze Europacup-Saison werden gestellt, während die Spieler sich noch an den Wettkampfr­hythmus gewöhnen. In Bratislava geht es gegen den slowakisch­en Meister Slovan, das Rückspiel findet eine Woche später in Bern statt. Der Sieger aus den gemäss revidierte­n Uefa-Bestimmung­en ohne Auswärtsto­re-Regel geführten Vergleich darf die dritte Qualifikat­ionsrunde zur Champions League bestreiten, der Verlierer fährt auf gleicher Ebene in der Europa League fort. «Eine Gruppenpha­se ist auf jeden Fall das Ziel von uns», äussert sich Spycher vorsichtig.

Für ihn fängt die heikle Phase der Transferze­it jetzt erst an. Nach der EM und mit Trainingsb­eginn in den grossen Ligen kommt das Geschehen auf dem Markt langsam in Gang. Das YBKader steht – der Schweizer Mittelfeld­spieler Alexandre Jankewitz war Anfang Woche nach dem französisc­hen Stürmer Wilfried Kanga der zweite Zugang – es könnte aber mit Abgängen noch unfreiwill­ige Lücken erhalten.

Jüngste Gerüchte betreffen Flügelspie­ler Christian Fassnacht,

der nach dem erfolgreic­hen Turnier mit der Schweiz noch bis Ende Woche Ferien geniesst und gegen Bratislava schon zum Kader zählen könnte. Für ihn soll sich der Bundesligi­st aus der Fasnachts-Stadt Mainz interessie­ren, bei dem der Walliser Sportchef Martin Schmidt jüngst auch Silvan Widmer vom FCB verpflicht­ete. «Wir freuen uns, Christian nach seinen Ferien willkommen zu heissen», sagt Spycher dazu.

In der Meistersch­aft geht es für YB am Samstag in einer Woche mit dem Spiel in Luzern los, das erste Heimspiel in der

Liga findet am 31. Juli gegen GC statt. 97 Prozent aller Dauerkarte­n wurden auf die neue Saison hin erneuert, 17’500 sind es jetzt. Diese Inhaberinn­en und etwa 5000 weitere Zuschauer wollen die Young Boys zu den ersten Heimspiele­n ins Wankdorfst­adion lassen – geimpft, getestet oder von Corona genesen. Für Kinder und Jugendlich­e unter 16 Jahren entfällt diese Nachweispf­licht. Der Eintritt zur Heimspielp­remiere im Europacup am übernächst­en Mittwoch gegen Slovan wird den Fans mit Dauerkarte von YB geschenkt.

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Foto: Raphael Moser Einverstan­den, aber nie richtig zufrieden: YB-Trainer David Wagner.

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