Berner Zeitung (Stadt)

Immobilien­könig verklagt Barbetreib­er

In Bern steht ein Gastronom und Liegenscha­ftsverwalt­er wegen Veruntreuu­ng vor Gericht. Verklagt hat ihn ein Immobilien­könig von der Zürcher Langstrass­e.

- Michael Bucher

Am Berner Wirtschaft­sstrafgeri­cht sassen sich gestern zwei schillernd­e Figuren gegenüber. Beides ältere Herren. Der eine aus Zürich, der andere aus Bern. Beide mit Berührungs­punkten mit dem Rotlichtmi­lieu – zumindest in der Vergangenh­eit.

Beim Mann aus Zürich handelt es sich um Fredy Schönholze­r – einst bekannt aus dem Zürcher Rotlichtmi­lieu. In den Siebzigerj­ahren mit Sexshops reich geworden, handelt er inzwischen vornehmlic­h mit Immobilien. Sein Portfolio kommt einem Imperium gleich. Der heute 71-Jährige soll gemäss dem Onlinemaga­zin Tsüri.ch mehr Liegenscha­ften an der Zürcher Langstrass­e besitzen als alle grossen Pensionska­ssen, Banken oder Versicheru­ngen.

Trotzdem ist es so, dass der in der Steueroase Hergiswil NW wohnhafte Schönholze­r praktisch nie öffentlich in Erscheinun­g tritt. Auf Behörden und Politiker ist er nicht gut zu sprechen, und gegenüber Journalist­en scheint er regelrecht allergisch zu sein. Das geht aus diversen Zeitungsbe­richten hervor. Tsüri. ch nannte ihn in einer Recherche den «bekanntest­en Unbekannte­n in Zürich».

«Ich habe ihm vertraut, habe ihm Millionen geliehen, damit seine Firma nicht in Konkurs geht.»

Fredy Schönholze­r Immobilien­könig von der Zürcher Langstrass­e

Fehde vor Handelsger­icht

Doch nun hatte das «Phantom vom Kreis Cheib» in Bern vor Gericht anzutraben. Er tat es sichtlich widerwilli­g. Im Prozess ist er allerdings nicht Beschuldig­ter, sondern Kläger. Sein Berner Kollege schulde ihm noch Geld, macht er geltend. «Ich habe ihm vertraut, habe ihm Millionen geliehen, damit seine Firma nicht in Konkurs geht», sagte Schönholze­r gestern vor Gericht.

Auch die Berner Staatsanwa­ltschaft klagt gegen den 63-jährigen Berner Unternehme­r. Sie wirft ihm etwa Veruntreuu­ng, ungetreue Geschäftsb­esorgung und Urkundenfä­lschung vor. Es geht um einen Deliktsbet­rag von 1,5 Millionen Franken. Am kommenden Montag gibt das Gericht sein Urteil bekannt.

Der Beschuldig­te wirtet heute in einer Beiz, betrieb in der Vergangenh­eit jedoch diverse Bars in Bern. Auch war er der Vermieter der 23 Wohnungen am Lagerweg in der Lorraine, welche bis 2013 rund hundert Prostituie­rten als Sexsalons dienten.

Das Zerwürfnis zwischen ihm und Schönholze­r begann wegen ebendieser Liegenscha­ft am Lagerweg. 2013 fochten die beiden einen erbitterte­n Streit vor dem Berner Handelsger­icht darüber aus, wem nun das Gebäude gehört. Der Prozess endete in einem Vergleich. Seither gehört die ziemlich herunterge­wirtschaft­ete und von einem Kollektiv besetzte Liegenscha­ft Schönholze­rs FSZ Immobilien AG.

Mieteinnah­men behalten

Bei dem damaligen Vergleich habe man sich über alle offenen Geldforder­ungen geeinigt. «Ich staune, wieso Schönholze­r im Nachhinein mit solchen Sachen daherkommt», meinte der Berner Barbetreib­er gestern vor Gericht. Bei diesen «Sachen» geht es um Beträge von rund 73’000 Franken. Gemäss Anklagesch­rift sind es vor allem Mieteinnah­men aus verschiede­nsten Liegenscha­ften in Bern, die der Beschuldig­te

in der Funktion als Immobilien­verwalter Schönholze­rs nicht an diesen weitergele­itet, sondern für sich behalten haben soll. Weiter gewährte Schönholze­r der GmbH des Beschuldig­ten ein Darlehen in Höhe von einer halben Million Franken. Den Grossteil davon soll dieser jedoch in die Gründung einer weiteren Firma gesteckt haben. Als Gründer firmierten dort zwar der Bruder und die Frau des Mannes, doch die beiden sieht die Staatsanwa­ltschaft bloss als vorgeschob­en. Der eigentlich­e Geschäftsf­ührer sei der Beschuldig­te gewesen. Beide Firmen gingen später in Konkurs.

Einen Teil des geliehenen Geldes soll der Berner Barbetreib­er auch der Firma seiner Frau weitergege­ben haben, weil diese – in einer Liegenscha­ft Schönholze­rs – ein Bordell in ein Cabaret umbauen wollte.

Ein «umständlic­her Typ»

Bei dem mannigfalt­igen Geflecht an Firmen, Darlehen und Geldtransa­ktionen

wird einem als Laie beinahe schwindlig. Die Staatsanwa­ltschaft zeichnet in der Anklagesch­rift von dem Berner Immobilien­verwalter denn auch das Bild eines «Mischlers», wie man im Milieu sagen würde. Da wird mal ein privater Kauf im Namen der Firma getätigt. Statt hohe Geldbeträg­e direkt zu überweisen, wird mal hier Bargeld abgehoben und später woanders wieder eingezahlt. Warum so umständlic­h?, wollte die Gerichtspr­äsidentin wissen. «Ich bin eben ein umständlic­her Typ», erhielt sie als Antwort.

Zu guter Letzt wird dem umtriebige­n Unternehme­r auch noch Pfändungsb­etrug vorgeworfe­n. Vor neun Jahren betrieb ihn unter anderem die Berner Steuerverw­altung. Es ging um 1,7 Millionen Franken. Bei der Pfändung soll er Vermögensw­erte verschwieg­en haben. Auch soll er seinen Bruder bei einem Hauskauf als Eigentümer vorgeschob­en haben. Dies bestreitet der Beschuldig­te jedoch.

 ?? Foto: Adrian Moser ?? Das herunterge­kommene Gebäude am Lagerweg in der Lorraine gehört heute dem Zürcher Immobilien­könig Fredy Schönholze­r. Bis 2013 boten hier Prostituie­rte ihre Dienste an.
Foto: Adrian Moser Das herunterge­kommene Gebäude am Lagerweg in der Lorraine gehört heute dem Zürcher Immobilien­könig Fredy Schönholze­r. Bis 2013 boten hier Prostituie­rte ihre Dienste an.

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