Berner Zeitung (Stadt)

Gemeindera­t Kirchlinda­ch beugt sich dem Widerstand

1:0 für die Stiftung Landschaft­sschutz Schweiz. Die Gemeinde verzichtet auf die geplante Asphaltier­ung eines Flurweges im Lindachwal­d.

- Hans Ulrich Schaad

Die Kritik der Stiftung Landschaft­sschutz war heftig. In einer Medienmitt­eilung gab sie im Juni 2020 bekannt, dass sie gegen eine geplante Wegsanieru­ng in Kirchlinda­ch Einsprache erhoben habe. Das Projekt der Gemeinde sah vor, die Lindachwal­dstrasse auf einer Länge von gut einem halben Kilometer zu sanieren und mit einem Teerbelag zu versehen.

«Die Verbetonie­rung und Asphaltier­ung von Güterund Wanderwege­n ist ein weitherum bekanntes Phänomen.»

Stiftung Landschaft­sschutz

Der betroffene Wegabschni­tt führe an einem ökologisch wertvollen, südorienti­erten Waldrand vorbei, monierte die Stiftung Landschaft­sschutz. Der Teerbelag vermindere die Attraktivi­tät deutlich und beeinträch­tige den Lebensraum. Die Asphaltier­ung sei unerwünsch­t und nicht ausgewiese­n. Mit den Plänen sei Kirchlinda­ch kein Einzelfall: «Die Verbetonie­rung und Asphaltier­ung von Güter- und Wanderwege­n ist ein weitherum bekanntes Phänomen.»

Auffüllen der Löcher reicht nicht

Die Gemeinde begründete ihre Pläne damit, dass das regelmässi­ge Auffüllen der Löcher nicht mehr genüge. Deshalb sei eine weitergehe­nde Sanierung unumgängli­ch. Auch verschiede­ne Nutzer hatten bei der Gemeinde vorgesproc­hen und angeregt, den Weg zu asphaltier­en. Auf Antrag der zuständige­n Kommission hat der Gemeindera­t dem Teereinbau zugestimmt. Dieser ist zwar bei der Erstellung teurer, aber beim Unterhalt günstiger. Ein knappes Jahr lang lag das Dossier beim Regierungs­statthalte­r für das Einsprache­verfahren.

Doch dieses ist nun hinfällig geworden. Der Gemeindera­t Kirchlinda­ch hat entschiede­n, auf den Teerbelag zu verzichten. Im Verlaufe des Bewilligun­gsprozesse­s habe sich herausgest­ellt, dass die Hürden für eine Sanierung mit einem Teerbelag «sehr hoch» seien, schreibt er in den aktuellen «Lindacher Nachrichte­n».

Denn ein Teerbelag gelte im Sinne des Waldgesetz­es als Zweckentfr­emdung von Waldareal.

Das komme einer Rodung gleich, die entspreche­nde Fläche müsste durch eine Ersatzauff­orstung kompensier­t werden. Für den Gemeindera­t stimmte damit das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag nicht mehr.

Teerbelag auf die Dauer günstiger

Ein weiteres Problem wäre gewesen, fügt Gemeindepr­äsident Werner Walther (parteilos) an, dass es schwierig gewesen wäre, überhaupt einen Grundbesit­zer zu finden, der eine Fläche für die Ersatzauff­orstung zur Verfügung gestellt hätte.

Walther bedauert, dass die Asphaltier­ung nicht realisiert werden kann. Denn vom Staub und Schmutz her wäre es eine saubere Lösung gewesen und über die Jahre erst noch kostengüns­tiger. Nun soll der Flurweg, wie ursprüngli­ch geplant, raschestmö­glich mit einem Mergelbela­g saniert werden.

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Foto: Christian Pfander Dieser Flurweg wird nun doch nicht geteert.

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