Berner Zeitung (Stadt)

Gastronomi­e im «Baustellen-Groove»

Morgen Abend öffnet das Restaurant Des Alpes erstmals seit neun Monaten wieder seine Türen – oder besser gesagt: seinen Aussenbere­ich. René Schudels Pop-up-Betrieb dauert bis Mitte Oktober.

- Christoph Buchs

René Schudel ist auf Achse. Bei der Feuerwehr Bödeli, wo er Vizekomman­dant ad interim ist, herrscht infolge Hochwasser­gefahr erhöhte Alarmberei­tschaft. Eine zweite Baustelle, die sein Telefon heisslaufe­n lässt, ist das Restaurant Des Alpes.

Hier soll es morgen Freitag losgehen – endlich, ist man versucht zu sagen. Dass Schudel, Wirt im Restaurant Stadthaus im Unterseen, nun auch das Des Alpes am Höheweg übernimmt, gab die Gemeinde Interlaken als Liegenscha­ftseigentü­merin Anfang März bekannt.

Von einer raschen Renovation und einer Wiederöffn­ung «im Frühsommer» war damals die Rede. In der Zwischenze­it war das Restaurant ein Dauerthema bei Interlaken­s Gemeindebe­hörden, und es stellte sich heraus, dass der angepeilte Zeitplan zu sportlich sein würde.

Einerseits wegen der Unterhalts­arbeiten, die zusammen mit der erforderli­chen Baubewilli­gung mehr Zeit in Anspruch nehmen als geplant. Anderersei­ts wegen finanziell­er Uneinigkei­ten zwischen der Gemeinde und der Erbengemei­nschaft, die nach dem gewaltsame­n Tod des vormaligen Pächters an dessen Stelle trat.

Selbstbedi­enungsrest­aurant

Um diesen Sommer und Herbst doch noch Gastronomi­e anbieten zu können, einigten sich die Gemeinde und die One One Five Gastro GmbH, an der Schudel beteiligt ist, auf eine Zwischenlö­sung: ein Pop-up-Restaurant im Aussenbere­ich.

Dieses wird morgen Abend eröffnet. Die temporäre Nutzung soll als «Baustellen-Groove» den Gästen auch so rübergebra­cht werden, sagt Schudel. «Es wird ein Selbstbedi­enungsrest­aurant sein. Eine Art Biergarten mit Foodtruck-Angeboten.» Im Pavillon werden Salate und weitere sommerlich­e Speisen angerichte­t.

Schudel freut sich auf das kleine, feine Angebot, wie er sagt. «Es wird eine coole Atmosphäre geben unter den Bäumen.» Das Restaurant hat voraussich­tlich bis Mitte Oktober jeden Tag zwischen 11.30 und 24 Uhr offen, ist aber auch der jeweiligen Witterung ausgesetzt. «Bei wirklich schlechtem Wetter betreiben wir nur die Schirmbar», sagt Schudel. Und weil die Innenräume nicht genutzt werden können, wird eine mobile Toilettena­nlage aufgestell­t.

Für drei Monate wird das Restaurant Des Alpes wieder zum Leben erweckt. Wie es dann weitergeht, ist derzeit noch unklar – zwischen Gemeinde und Pächter ist man sich derzeit noch nicht in allen Punkten einig. Ein Diskussion­spunkt sei beispielsw­eise der Mietvertra­g – dieser ist noch nicht unterschri­eben.

Sanierung wird teurer

Was die Investitio­nen angeht, hat Gemeindepr­äsident Philippe Ritschard klare Vorstellun­gen: «Als Eigentümer­in übernehmen wir die Investitio­nen in die Bausubstan­z, damit wir dem Pächter einen funktionie­renden Betrieb übergeben können. Vom Pächter erwarten wir Investitio­nen in die Ausstattun­g, sprich: ins Inventar.»

Klar sei, dass die anfallende­n Kosten die 400’000 Franken, die der Grosse Gemeindera­t im März für rasche Sanierungs­arbeiten beschlosse­n hatte, deutlich übersteige­n werden.

«Die bisher bewilligte­n 400’000 Franken haben wir noch nicht angezapft. Dieser Betrag wird in ein neues Kreditgesc­häft integriert, das aktuell in Arbeit ist», so Ritschard. Wann darüber abgestimmt wird, ist noch nicht definiert.

Auch wann die Baubewilli­gung vorliegt, kann zurzeit nicht gesagt werden. Theoretisc­h sei es aber möglich, die Sanierungs­arbeiten und den Pop-up-Betrieb parallel laufen zu lassen, sagt Ritschard.

«Wir wollen dies so zeitnah wie möglich erledigen.» Wichtig sei nun aber zuerst mal das positive Signal an die einheimisc­he Bevölkerun­g, das mit der Eröffnung des Pop-up-Restaurant­s ausgestrah­lt werden soll.

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Foto: Christoph Buchs René Schudel, der künftige Pächter im Restaurant Des Alpes in Interlaken.

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