Berner Zeitung (Stadt)

Der Kommandant kämpft mit der Aare

Alain Sahli ist überzeugt, dass die Feuerwehr alles vorgekehrt hat, um eine Überschwem­mung der Matte abzuwenden.

- Foto: Raphael Moser

Der Berner Feuerwehr-Kommandant Alain Sahli steht beim leicht überflutet­en Ländtetor im Mattequart­ier. Er ist zuversicht­lich, dass die Schutzmass­nahmen ausreichen werden, um eine Überschwem­mung der Matte zu verhindern. Aber eine Garantie kann auch er nicht geben.

Der Mann hat Erfahrung im Umgang mit Hochwasser­n. Seit 24 Jahren arbeitet Alain Sahli bei der Feuerwehr Bern. Der gelernte Berufsfeue­rwehrmann mit einem MBA-Abschluss in Betriebswi­rtschaft hat sich Schritt für Schritt zum Kommandant­en hochgearbe­itet. Und dabei auch die Jahrhunder­t-Hochwasser von 1999 und 2005 an vorderster Front miterlebt: «Ich habe damals gesehen, wie schnell es gehen kann, und mir nasse Füsse geholt», erzählt er im Gespräch auf der Untertorbr­ücke.

Jetzt durchlebt er seine grösste Bewährungs­probe als Chef der Feuerwehr. Die Aare unter der Brücke führt am späteren Mittwochna­chmittag immer noch sehr viel Wasser. «Heute sind es zwischen 440 und 460 Kubikmeter pro Sekunde», sagt Sahli, ohne dabei gestresst zu wirken. Die Schadengre­nze liege bei 430 Kubikmeter­n. Dies bedeutet, dass es bei diesem Wert zu Überschwem­mungen von Uferwegen kommt.

«Das grösste Risiko besteht darin, dass es beispielsw­eise im Einzugsgeb­iet der Zulg zu einem heftigen Gewitter kommt.»

Alain Sahli

Kommandant der Feuerwehr Bern

Für die Matte bleibt ein Restrisiko

Und wie beurteilt er das Risiko, dass es im Mattequart­ier zu einer Überschwem­mung kommt? «Im Moment rechne ich nicht damit. Aber ganz ausschlies­sen kann ich es auch nicht», sagt Sahli. «Das grösste Risiko besteht darin, dass es beispielsw­eise im Einzugsgeb­iet der Zulg zu einem heftigen Gewitter kommt. Der Abfluss dieses Wassers wird durch keinen Damm gebremst.»

Seinen vorsichtig­en Optimismus begründet Sahli mit den Schutzmass­nahmen, welche die Feuerwehr am Wochenende getroffen hat: «Wir haben bereits dann die Beaver-Schläuche aufgestell­t. Dank diesen mobilen Dämmen kommt es auch bei Wassermeng­en von bis zu 560 Kubikmeter­n zu keiner Überschwem­mung im Mattequart­ier», sagt Sahli.

Evakuierun­g als letzte Massnahme

Es sei wichtig gewesen, dass die Einsatzkrä­fte die Beaver-Schläuche frühzeitig ausgelegt hätten. Das sei eine der Lehren gewesen, welche die Feuerwehr aus früheren Hochwasser­n gezogen habe. «So können die Verantwort­lichen für die Regulierun­g des Thunersees jetzt so viel Wasser ablassen, dass in Bern mehr als 430 Kubikmeter pro Sekunde ankommen», erklärt Sahli. Auch wenn die Überschwem­mung des Mattequart­iers ausbleibt, dürfte es laut Sahli trotzdem zu Schadenfäl­len kommen: «Ein Problem sind die Keller. Ist der Wasserstan­d der Aare so hoch wie jetzt, besteht das Risiko, dass Grundwasse­r in die Keller sickert. Bislang mussten wir fünf Keller auspumpen», erklärt er.

Eine Evakuierun­g der Bewohnerin­nen und Bewohnern des Mattequart­iers war dagegen am Mittwochna­chmittag nicht absehbar. «Eine Evakuierun­g wird erst bei einem Wasserstan­d von weit über 600 Kubikmeter­n zu einem Thema. Und auch nur dann, wenn die Tendenz in Richtung einer langfristi­gen Gefährdung zeigt», betont er.

Eine Evakuierun­g müsste der Regierungs­statthalte­r Christoph Lerch (SP) verfügen. Die Empfehlung dazu würde ein Gremium bestehend aus dem städtische­n Sicherheit­sdirektor Reto Nause (Die Mitte), dem Abteilungs­leiter von Schutz und Rettung Bern, Simon Zumstein, und dem Feuerwehrk­ommandante­n Alain Sahli ausarbeite­n.

Auf dem Posten an der Murtenstra­sse

Der 48-jährige Kommandant hat die letzten Tage vor allem an der Murtenstra­sse 98 verbracht, wo die Feuerwehr ihren Sitz hat und auch die regionale Einsatzzen­trale einquartie­rt ist. «Wir haben Patrouille­n, welche die Lage an der Aare beobachten und uns Meldung erstatten», erklärt Sahli.

Er betont, dass er auch in den vergangene­n Tagen genug Schlaf gehabt habe. Das gelte auch für die übrigen 90 Leute der Berufsfeue­rwehr. «Es ist wichtig, dass wir ausgeruht sind, sollte es zum Schlimmste­n kommen», schliesst er.

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 ?? Foto: Raphael Moser ?? Alain Sahli, Kommandant der Feuerwehr Bern, steht am Mittwochna­chmittag auf der Untertorbr­ücke.
Foto: Raphael Moser Alain Sahli, Kommandant der Feuerwehr Bern, steht am Mittwochna­chmittag auf der Untertorbr­ücke.

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