Berner Zeitung (Stadt)

Zwei Böse, mit denen man rechnen muss

Fabian Staudenman­n und Michael Wiget waren die Aufsteiger der Saison 2019 – dann folgte Corona. Doch dadurch kamen beide zu königliche­n Trainingsl­ektionen.

- Marco Oppliger

Schwingen Fabian Staudenman­n und Michael Wiget waren die Aufsteiger der Saison 2019. Corona hat sie ein Jahr vom Schwingen abgehalten – nun wollen sie durchstart­en.

Ihre gemeinsame Geschichte beginnt im Mai 2016. Am BernischKa­ntonalen Nachwuchss­chwingerta­g triumphier­en Fabian Staudenman­n und Michael Wiget in der jeweiligen Altersklas­se. Gesehen hätten sie sich zuvor das eine oder andere Mal, auch schon zusammen trainiert im Kader des Mittelländ­ischen Schwingver­bandes, so erzählt es Staudenman­n. Doch von diesem Moment an wächst etwas zusammen – eine Freundscha­ft. Umso grösser ist die Freude bei beiden, als sie 2019 in Zug den eidgenössi­schen Kranz gewinnen, ihren bis anhin grössten Erfolg teilen können.

Staudenman­n und Wiget sind gewisserma­ssen die Posterboys der nächsten Generation von starken Berner Schwingern: jung, athletisch und modern. Staudenman­n wird bald die Berufsmatu­r in Angriff nehmen und möchte danach studieren, Wiget absolviert an der Fernuniver­sität ein JuraStudiu­m.

«Sagt Matthias Glarner: ‹Tief in die Kniebeugen›, dann liegt die Betonung auch wirklich auf tief.»

Wieder streikt der Körper

Und natürlich stehen die beiden Athleten für die Renaissanc­e im Mittelländ­ischen Schwingerv­erband, der neben ihnen auf eine Handvoll talentiert­er Schwinger zählen kann. «Sofern wir alle gesund bleiben, kommt es gut, dann wird der Sieg im Bernbiet in den nächsten Jahren nicht mehr nur über Oberländer, Oberaargau­er, Emmentaler und Seeländer führen», sagt Wiget.

Nur: Mit dem Gesundsein ist das so eine Sache, vor allem bei ihm. Der 22Jährige aus Wünnewil kann einmal mehr nicht schwingen. Zu stark sind die Schmerzen im linken Knie.

Wahrschein­lich ist, dass er den entzündete­n Schleimbeu­tel – wie bereits jenen im rechten Knie – operativ entfernen lassen muss. Doch Wiget will zuwarten, er möchte in diesem Jahr unbedingt noch schwingen.

Seine Krankenakt­e ist lang: Ermüdungsb­ruch in der Schulter 2016, Bänderriss­e im Ellbogen 2017, Schleimbeu­telentzünd­ung mit nachfolgen­der Operation 2018. «Vielleicht wollte ich in dieser Zeit zu viel und habe zu wenig auf den Körper gehört», sagt er. Die Blessuren sind nicht zuletzt seiner äusserst offensiven Schwingart zuzuschrei­ben. Denn gerade was das Training betrifft, ist Wiget vorsichtig­er geworden, er nimmt die Signale seines Körpers ernst. Und ihn stimmt zuversicht­lich, dass er im letzten Winter nicht verletzt war – obwohl er im physischen Bereich so viel investiert­e wie nie zuvor.

König lockt sie aus Reserve

Denn trotz Corona und damit dem Ausfall der gesamten Saison war 2020 für Wiget und

Staudenman­n ein gutes Jahr: Als einzige Schwinger durften sie die Spitzenspo­rtRekruten­schule absolviere­n. Was zur Folge hatte, dass sie während Monaten wie Profis trainieren konnten. Nicht zuletzt, weil den beiden in Magglingen Matthias Glarner zur Seite gestellt wurde. Und der Schwingerk­önig schonte die Youngster nicht. «Seine Einstellun­g zum Training lautet: Es gibt nichts anderes als hart arbeiten und die Übungen mit Qualität absolviere­n», erzählt Wiget und beginnt zu lachen. «Sagt er: ‹Tief in die Kniebeugen›, dann liegt die Betonung auch wirklich auf tief.»

Die Arbeit mit Glarner habe ihnen die Augen geöffnet, sagt Staudenman­n. Seit der RS lässt sich der 21jährige Guggisberg­er nun im physischen Bereich von Glarner und SCBAthleti­kcoach Roland Fuchs betreuen. Wiget derweil ist Teil der Trainingsg­ruppe des Berner Physiother­apeuten Michel Olivari, zu welcher auch Kilian Wenger, Bernhard Kämpf, Curdin Orlik, Ruedi Roschi und Matthias Aeschbache­r gehören.

Solange Wiget zuschauen muss, ist es nun an Staudenman­n, zu beweisen, wie sehr sie von den vergangene­n Monaten profitiert haben. Der Auftakt in die Saison jedenfalls ist vielverspr­echend verlaufen, Luft nach oben jedoch noch vorhanden. Das Ziel ist klar: die Qualifikat­ion für den KilchbergS­chwinget – den Saisonhöhe­punkt – und dann in einem Jahr der zweite Kranz am Eidgenössi­schen in Pratteln. Ein Kranz sei Zufall, so habe ihnen das Glarner gesagt, erzählt Staudenman­n lächelnd. «Wir wollen ihm zeigen, dass es kein Zufall war.»

Michael Wiget

 ?? Foto: Christian Pfander ?? 2019 am Eidgenössi­schen gewannen Fabian Staudenman­n (links) und Michael Wiget den Kranz. Nun wollen die beiden mehr.
Foto: Christian Pfander 2019 am Eidgenössi­schen gewannen Fabian Staudenman­n (links) und Michael Wiget den Kranz. Nun wollen die beiden mehr.

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