Berner Zeitung (Stadt)

Die «Schütz» hat wieder mal ein Gewaltprob­lem

In den letzten Wochen häuften sich auf der Schützenma­tte gewalttäti­ge Auseinande­rsetzungen unter nordafrika­nischen Gruppen. Einmal mehr verspricht die Stadt zu handeln.

- (mib)

Stadt Bern An den vergangene­n Wochenende­n kam es spät nachts auf der Schützenma­tte zu mehreren gewalttäti­gen Auseinande­rsetzungen. Mindestens vier Personen wurden dabei verletzt, eine gar lebensbedr­ohlich. Laut der Kantonspol­izei stammt der Grossteil der Beteiligte­n aus Nordafrika. Die Stadt will nun Massnahmen prüfen. Bereits vor zwei Jahren war das Problem akut, ehe pandemiebe­dingt Ruhe einkehrte.

Lange war es aufgrund der Pandemiesi­tuation ruhig auf der Schützenma­tte in Bern. Doch nach und nach kehrt auf dem Areal wieder Leben ein. Dadurch treten auch die negativen Begleiters­cheinungen, die ein solcher Hotspot mit sich bringt, wieder zutage. An den letzten drei Wochenende­n musste die Polizei spätnachts mehrmals eingreifen, da jeweils mehrere Personen aufeinande­r losgingen.

Am Sonntag, 27. Juni, frühmorgen­s um 7 Uhr löste die Polizei etwa eine Schlägerei zwischen vier Männern im Alter zwischen 30 und 49 Jahren auf. Eine Woche später waren es wiederum fünf bis sechs Personen, die nachts um 4 Uhr bei den Basketball­körben aufeinande­r losgingen – zum Teil mit Messern. Laut Mitteilung der Kantonspol­izei mussten drei der Beteiligte­n mit Stich- und Schnittwun­den ins Spital eingeliefe­rt werden.

In der Nacht auf vergangene­n Samstag dasselbe Bild: Polizisten in Zivil greifen bei einer Schlägerei von mehreren Personen auf der Schützenma­tte ein. Dabei soll laut Kapo-Mitteilung ein Beteiligte­r einen Polizisten mit einer Flasche in der Hand angegriffe­n haben. Der Mann konnte schliessli­ch festgenomm­en werden, weil der angegriffe­ne Polizist seine Dienstwaff­e zog und drohte zu schiessen.

Noch heftiger kam es in der Nacht auf vergangene­n Sonntag. Die Polizei wurde kurz vor vier Uhr nachts auf die Schützenma­tte gerufen. Zwei Personen waren dort aneinander­geraten, wobei einer blutüberst­römt liegen blieb. Der Mann wurde laut Polizei «in lebensbedr­ohlichem Zustand» ins Spital gebracht.

Mittlerwei­le konnte er das Spital jedoch wieder verlassen.

In allen vier Fällen laufen Ermittlung­en. Die Polizei kann auf Anfrage einzig sagen, dass «ein Grossteil der Beteiligte­n aus dem nördlichen Teil Afrikas» stamme. Was aus den Mitteilung­en ebenfalls hervorgeht: In mehreren Fällen trugen die Involviert­en Diebesgut auf sich. Bei zwei Männern wurden in Rucksäcken insgesamt neun gestohlene Handys entdeckt, ein weiterer soll einer Frau eine Handtasche entrissen haben.

Stadt prüft Massnahmen

Dass Diebesband­en aus dem nordafrika­nischen Raum auf der «Schütz» ihr Unwesen treiben, ist nicht neu. Ein diesbezügl­icher Höhepunkt wurde im Sommer 2019 erreicht. Stadtpräsi­dent Alec von Graffenrie­d (GFL) sprach damals von einer «gravierend­en Situation». Auch die neu aufgeflamm­te Gewalt will die Stadt nicht tolerieren – «unabhängig von der Herkunft von Opfern und Tätern», sagt Walter Langenegge­r, Leiter des städtische­n Informatio­nsdienstes. Man sei deshalb mit der Polizei und «weiteren Akteuren» im Gespräch.

Als mögliche Massnahmen nennt er «verstärkte Prävention durch soziokultu­relle Angebote und Polizeiprä­senz, den Einsatz einer Security auf dem Platz oder Verbesseru­ngen bei der Beleuchtun­g und der Infrastruk­tur».

Neu sind diese Ideen nicht. So erhoffte sich die Stadt Ende 2019 etwa eine Besserung der Sicherheit­sproblemat­ik, nachdem die Zwischennu­tzer auf der «Schütz» die verwinkelt­e Architektu­r mit Silos und Containerb­ars hatten aufheben müssen. Auch führte sie ein interkultu­relles Pilotproje­kt durch, bei dem Sozialarbe­iter zusammen mit älteren Personen aus den Herkunftsl­ändern der Täter Dialogarbe­it leisteten.

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Foto: Adrian Moser Trotz übersichtl­icher Situation kommt es nachts auf der Schützenma­tte wieder vermehrt zu Übergriffe­n.

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