Berner Zeitung (Stadt)

Vier Minihäuser gegen eine Betonwüste

Verena und Alfred Ramseier wollen in der Hofstatt hinter dem Restaurant Löwen in Grünenmatt kleine Holzhäuser aufstellen lassen. Aus mehreren Gründen.

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Es ist kein grosses Bauprojekt, das Verena und Alfred Ramseier hinter dem Gasthof Löwen in Grünenmatt realisiere­n wollen. Es ist schon gar kein Vorhaben, mit dem sie viel Geld verdienen werden. Wenn sie Rendite aus der Bauparzell­e ziehen möchten, müssten sie Wohnraum ganz anderer Dimensione­n ins Auge fassen.

Gemäss der Baupublika­tion im Anzeiger will das Ehepaar auf der grünen Matte vier Minihäuser bauen lassen. Verena Ramseier präzisiert: «Wir lassen zuerst nur eines aufstellen, zum Probewohne­n.» Damit wollen die Grundbesit­zer einem jungen Holzbautec­hniker die Chance geben, in der Praxis zu testen, was er im Studium entworfen hat.

«Entspricht einem Trend»

Geplant sind Holzhäuser mit einem Grundriss von 12 auf 4 Meter, auf der schmalen Seite kommt zudem ein einen Meter breiter Abstellpla­tz hinzu. Das Prinzip sei mit fahrbaren Tinyhäuser­n vergleichb­ar, mit dem Unterschie­d, dass die Häuser in Grünenmatt fest im Boden verankert würden. «Gedacht sind sie für Einzelpers­onen, die auf minimalem Raum wohnen wollen», sagt Verena Ramseier und ist überzeugt: «Das entspricht einem Trend.»

Es entspricht aber vor allem auch den Vorstellun­gen, wie das Ehepaar Ramseier die freie Baulandpar­zelle zwischen dem Geschäftss­itz seiner Sanitär- und Heizungsin­stallation­sfirma und dem Löwen nutzen möchte. So könne die Hofstatt mit den alten Bäumen, die nun nach und nach ersetzt würden, erhalten bleiben, sagt sie und fügt an: «Wir wollen hier nicht alles verteeren lassen.» Eine Wohnüberba­uung mit am Ende gar «grossen Steinwüste­n rund ums Haus» wäre ihr definitiv ein Dorn im Auge.

Bauen, aber nicht überbauen

Zudem ist dem Paar nicht entgangen, dass die Gemeinden unter Druck stehen, nicht überbautes Bauland wieder der Landwirtsc­haftszone

zuzuführen. Das allerdings fänden Verena und Alfred Ramseier bei einer Parzelle mitten im Dorf auch wieder nicht sinnvoll. Also beschlosse­n sie, allfällige­n Rückzonung­sgedanken mit einem bescheiden­en Bauprojekt den Riegel zu schieben – «und gleichzeit­ig einem jungen Berufsmann eine Chance zu geben».

Neben den Häusern gibt es keine Autoabstel­lplätze. Lediglich über Fusswege sollen die Flachdachw­ürfel aus Holz erschlosse­n werden. Der Parkplatz hinter dem Löwen, der ebenfalls dem Ehepaar Ramseier gehört, biete genügend Abstellmög­lichkeiten. In den kleinen Logis werde alles eingericht­et, was zum Wohnen nötig sei, auch

Susanne Graf

Nasszellen, sagt Verena Ramseier. «Das Interesse an den Minihäuser­n ist da», stellt sie fest. Sie kenne Leute, die eventuell ihren Camper am See durch einen solchen Holzkubus ersetzen werden – je nach den Erfahrunge­n, die sie beim Probewohne­n im Prototyp machen werden.

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Foto: Raphael Moser Bäume sollen auf der Matte hinter dem Gasthof Löwen weiterhin Platz haben.

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