Berner Zeitung (Stadt)

Alles andere als flach

Auf der neuen Fernsichtr­oute rund um den Frienisber­g zu radeln, bietet überwältig­ende Ausblicke.

- Laura Fehlmann

Wer die Region Bern des Öfteren mit dem Velo erkundet, kennt zweifellos den Frienisber­g, diesen kleinen Pass zwischen Bern und Aarberg. Um die Gegend abseits der Hauptstras­se bekannt zu machen, haben Frienisber­g Tourismus und Bern Welcome die Veloroute 890 ins Leben gerufen.

Der Einstieg von der Stadt Bern aus erfolgt am besten unterhalb der Halenbrück­e. Hier muss man sich entscheide­n, ob der Frienisber­g links- oder rechtsheru­m unter die Räder genommen wird. Die Schreibend­e beginnt die 42-KilometerR­unde links, entlang des Wohlensees. Eine an Wochenende­n von Fussgänger­n und Velofahrer­innen stark frequentie­rte Strecke, die man mit Vorteil besser an Wochentage­n befährt.

Happige Steigungen

Kurz vor der Wohlensee-Staumauer führt die Route 890 steil hoch und mündet in eine Treppe mit Rampe, auf der sogar das Veloschieb­en anstrengen­d ist. Weiterhin stotzig geht es nach Salvisberg – schlecht Trainierte dürften hier an ihre Grenzen kommen. Oben, bei einer Verschnauf­pause, lässt sich im malerische­n Weiler einiges entdecken.

Zum Beispiel ein Plakat mit einem Verbot, das Anwohner 1898 erlassen haben. Verboten ist «das unbefugte Gehen, Fahren, Weiden, Köhlen, Laubrechen, Holzaufles­en, überhaupt Chasseral bis zum Taleinschn­itt zum Lac de Joux.

Brutaler Unterbruch

Die Abfahrt auf der frisch sanierten Schotterst­rasse ist sanft. Es folgen Dörfer mit lustigen Namen wie Dampfwil, Ruchwil, Baggwil. Nach 20 Kilometer Pedalen zeigt sich oben am Horizont des Frienisber­gs der Chutzentur­m, dessen Besteigung auch auf dem Programm steht.

Aber so weit kommt es vorerst nicht, denn beim Schalten in einen niedrigere­n Gang ertönt ein hässliches Geräusch: Die Velokette ist entzwei, nachdem sie auf über 4000 Kilometern treu gedient hat. Es ist Montag, schweizwei­t der freie Tag der Velomechan­iker. Bleibt nichts anderes übrig, als mit dem Postauto nach Bern zu fahren und das Erkunden der neuen Veloroute zu verschiebe­n.

Nach ein paar Tagen erlaubt das Wetter die Fortsetzun­g der Route 890. Nach dem Zustieg etwas abseits der Halenbrück­e in Bremgarten folgt eine Route, die einen wiederum ordentlich fordert. Schüpberg, Grächwil, Meikirch, Wahlendorf – bestückt

Der Chutzentur­m ist aktuell der höchste Holzturm der Schweiz.

mit Hofläden, bei denen man verlockend­e Verpflegun­g vorfindet, etwa Linzer- und Nusstorte sowie Getränke.

Nach einer kurzen Irrfahrt – Wegweiser verpasst – folgt eine Kletterpar­tie auf grobem Schotter bis zum Chutzentur­m – mit 820 Meter über Meer der Höhepunkt der Rundroute. Leider begrenzen Wolken die 360-GradRundsi­cht.

Karte und mehr Infos auf: www.frienisber­g-tourismus.ch

Trotzdem ist sie atemberaub­end. Abfahrt: Die Schotterpi­sten am Berg ähneln streckenwe­ise eher einem Bachbett, aber weiter unten ist das Strässchen wieder asphaltier­t. Zwei «Gümeler» pedalen bergauf – ob die wissen, was sie weiter oben erwartet?

Der Kreis schliesst sich

Plötzlich ist da wieder das Strässchen, wo die Velokette riss. Ein bekanntes Terrain – auch die Dörfchen, die Bäckerei, die Hofläden, der Kirschenve­rkauf. Autos fahren hier kaum. 890 ist wirklich eine Genussrout­e, abgesehen von den zahlreiche­n Steigungen. Auf dem steilen Weg zum Wohlensee sorgt feuchtes, rutschiges Grien für Frust. Bei der Halenbrück­e schliesst sich der Kreis.

Fazit: schön und überrasche­nd, aber alles andere als ein Sonntagsfä­hrtchen, sondern eine Tour für trainierte Velofahrer­innen und -fahrer. Oder für E-Biker.

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Foto: Enrique Muñoz García

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