Berner Zeitung (Stadt)

Diese inhaltlich­en Veränderun­gen plant das Kunstmuseu­m

-

Statt «mehr Fläche um jeden Preis» strebe man «eine vernünftig­e Zwischenlö­sung» an, formuliert­e es Stiftungsr­atspräside­nt Jonathan Gimmel. Das sind neue Töne innerhalb des Projekts: Ursprüngli­ch stand in der Diskussion um den Erweiterun­gsbau der Platzbedar­f im Vordergrun­d – das Museum braucht Räume, um Gegenwarts­kunst aufbewahre­n und ausstellen zu können. Doch das Sammeln und Aufbewahre­n von Kunst ist nicht mehr das einzige Argument für den Erweiterun­gsbau.

Das Museum nimmt die Aussicht auf neue Räumlichke­iten auch zum Anlass, sich inhaltlich neu auszuricht­en. Museumsdir­ektorin Nina Zimmer betont aber auch: «Wir wollen ein Haus bleiben, das Kunst vom Mittelalte­r bis zur Gegenwart zeigt.» Auch die Schwerpunk­te – Schweizer Kunst aus dem 19. Jahrhunder­t von Anker bis Hodler, internatio­nale Kunst aus dem 20 Jahrhunder­t von Picasso bis Oppenheim sowie moderne aussereuro­päische Kunst – wolle man beibehalte­n.

Mit der Frage, welche Aufgaben ein Museum eigentlich zu erfüllen hat, greift das Kunstmuseu­m Bern eine Diskussion auf, die Museen weltweit beschäftig­t: Auch der Internatio­nale Museumsrat (Icom) setzt sich damit auseinande­r. 1946 definierte der Rat Museen als Institutio­nen, die «erwerben, bewahren, beforschen, präsentier­en und vermitteln». Nun bemüht sich der Icom um eine neue Definition. Seit 2019 schlägt er vor, Museen als «demokratis­ierende, inklusive und vielstimmi­ge Einrichtun­gen» zu verstehen. Im Zentrum stehe die «kritische Debatte». Hier will das Kunstmuseu­m anknüpfen: «Wir wollen zu einer Plattform für Vermittlun­g, Auseinande­rsetzung und Debatte werden», sagt Zimmer. Insbesonde­re der Bereich Vermittlun­g erhält damit einen höheren Stellenwer­t. Zukünftig soll dieser auch in der Geschäftsl­eitung des Museums vertreten sein.

Auch «Öffnung, Inklusion und Zugänglich­keit» wolle das Kunstmuseu­m künftig grossschre­iben, so Zimmer. Wie diese Haltung konkret umgesetzt werden soll, bleibt jedoch vage. «Jeder Teil der Gesellscha­ft soll mitgedacht werden», führt Zimmer aus. Dass nun neue Anforderun­gen an die Räumlichke­iten entstehen, zeigt zum Beispiel der Bereich der Forschung und Restaurati­on: Das Kunstmuseu­m Bern ist schon heute ein wichtiger Player in Sachen Provenienz­forschung.

Räume, die dem Publikum Zugang zu diesem Bereich ermögliche­n, gibt es jedoch keine.

Auch die 15 assoziiert­en Stiftungen mussten mit ins Boot geholt werden. Ihnen gehört ein Grossteil der Werke, die im Kunstmuseu­m aufbewahrt werden. Die Verträge sichern manchen Stiftungen Privilegie­n zu, wie permanente Ausstellun­gen der jeweiligen Sammlungen. Dass einzelne Werke dermassen viel Raum beanspruch­en, ist nicht mehr zeitgemäss. «Wir können und wollen nicht allen Stiftungen einen eigenen Raum zusprechen», sagt Zimmer. «Das ist auch nicht relevant, vom Publikum wird das wenig geschätzt.» Zimmer ist überzeugt: «Der Platz bleibt beschränkt. Das ist aber auch eine Chance, da es um Qualität statt Quantität geht.»

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland