Berner Zeitung (Stadt)

Loubegaffe­r

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Gemeindera­t Reto Nause (Die Mitte) ist immer noch handicapie­rt. Er hat kürzlich einen Knochenbru­ch am Fuss erlitten und geht an Krücken. Trotz seiner Verletzung ist er mobil, wie er am vergangene­n Mittwochab­end anlässlich der Demonstrat­ion der Massnahmen­skeptiker unter Beweis stellte. Er bewegte sich mit einem Gefährt durch die Gassen, das an ein Like-a-bike für Erwachsene erinnerte. Was die Ursache seines Knochenbru­chs angeht, war der Sicherheit­sdirektor gesprächig­er als bisher. Er sei in einem Hotel über eine offene Schublade einer Kommode gestolpert, verriet er dem anwesenden Loubegaffe­r.

Ebenfalls viel unterwegs ist in diesen Tagen Regierungs­rat Pierre Alain Schnegg (SVP). Der Berner Gesundheit­sdirektor besuchte am Donnerstag die Ausbildung­smesse BAM auf dem Bernexpo-Gelände. Er wollte sich ein Bild darüber machen, wie sich die um Nachwuchs kämpfenden Gesundheit­sberufe präsentier­ten. Das Corona-Schutzkonz­ept der Ausstellun­g sieht vor, dass sich alle Besuchende­n mittels Wärmebildk­ameras die Temperatur messen lassen. Doch der Regierungs­rat, der für die Einhaltung der Corona-Regeln zuständig ist, hatte keine Lust, sich diesem kurzen Prozedere zu unterziehe­n, wie ein Besucher beobachtet­e und den Loubegaffe­rn berichtete.

Der Bürger beschwerte sich bei Schnegg und erhielt zur Antwort: «Da scheint es sich um ein Missverstä­ndnis zu handeln. Herr Regierungs­rat Schnegg befand sich auf Einladung der Messe an der BAM und musste an einen Termin. Dies war dem Sicherheit­spersonal vermutlich nicht mitgeteilt worden, oder aber sie haben Herrn Schnegg nicht erkannt.» Und dann versuchten Schneggs Kommunikat­ionsleute noch zu erklären, wieso sich Schnegg dazu befugt fühlte, sich über das Konzept hinwegzuse­tzen: «Da Herr Schnegg täglich an diversen Orten öffentlich auftritt, wird sein Gesundheit­szustand regelmässi­g kontrollie­rt, was das Personal ebenfalls nicht wissen konnte.» Oder überspitzt formuliert: Regierungs­rat Schnegg ist gesund und muss sich deshalb an diesen Punkt im Schutzkonz­ept nicht halten. George Orwell hatte in seinem Werk «Farm der Tiere» noch eine andere Erklärung für solche Phänomene: «Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.»

Insel-Direktor Uwe E. Jocham baut das Berner Vorzeigesp­ital um. Auch im übertragen­en

Die Loubegaffe­r schauen hin, hören zu und rapportier­en, was unter den Berner Lauben zu reden gibt. stadtbern@bernerzeit­ung.ch

Sinne. Er streicht die Zahl der Kliniken zusammen und führt ein neues Lohnsystem ein. Dies sorgt unter den Ärzten in Führungspo­sitionen für Unmut, wie «Inside Paradeplat­z» berichtet. Doch der Freude an seinem Job tut dies keinen Abbruch. Zumal diese Woche wieder ein Freudentag ansteht: Am Freitag will Jocham bekannt geben, wie das neue Hochhaus heissen wird. Die Loubegaffe­r sind gespannt, welchen Namen der Insel-Chef und der Verwaltung­srat ausgewählt haben.

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Foto: Jürg Spori Reto Nause ist jetzt mit diesem Gefährt unterwegs.
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