Aa­re­ta­ler fah­ren bald rot statt gelb

Post­au­to ver­liert sechs Bus­li­ni­en rund um Münsin­gen an Bern­mo­bil. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Ver­ga­be be­stä­tigt.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite -

Die Bus­rei­sen­den im Aa­re­tal müs­sen sich bald um­ge­wöh­nen. Ab Mit­te De­zem­ber 2019 wer­den sie nicht mehr von den gel­ben Post­au­tos her­um­ge­fah­ren, son­dern von ro­ten Bern­mo­bil-Bus­sen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat ei­ne Be­schwer­de von Post­au­to in al­len Punk­ten ab­ge­wie­sen. Das Bun­des­amt für Ver­kehr hat­te im No­vem­ber 2016 den Zu­schlag Bern­mo­bil und da­mit dem wirt­schaft­lich güns­tigs­ten An­ge­bot ge­ge­ben. Bern­mo­bil be­hält auch die Li­ni­en in Belp und im Gür­be­tal. In der Be­schwer­de warf Post­au­to ih­rer Kon­kur­ren­tin vor, sie ha­be bei ih­rer Of­fer­te nicht die Voll­kos­ten an­ge­ben. Bern­mo­bil pro­fi­tie­re in der Stadt Bern von ei­nem ge­schütz­ten Markt, wür­de den Be­trieb quer­sub­ven­tio­nie­ren und ha­be da­mit ei­nen Wett­be­werbs­vor­teil.

Post­au­to ak­zep­tiert das Ge­richts­ur­teil, es sei­en wich­ti­ge recht­li­che Fra­gen ge­klärt wor­den. Bern­mo­bil muss für die zu­sätz­li­chen Li­ni­en elf neue Bus­se be­schaf­fen.

Die ne­ga­ti­ven Nach­rich­ten für die Post­au­to Schweiz AG reis­sen nicht ab. Dies­mal kom­men die Bad News aus St. Gal­len. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat ei­ne Be­schwer­de von Post­au­to in al­len Punk­ten ab­ge­schmet­tert. Da­mit ge­hen sechs lo­ka­le und re­gio­na­le Bus­li­ni­en im Raum Münsin­gen/Aa­re­tal von Post­au­to an Bern­mo­bil über. Das Ge­richt hat das Ur­teil am Frei­tag pu­bli­ziert.

Heu­te tei­len sich die bei­den Trans­port­un­ter­neh­men die lo­ka­len und re­gio­na­len Li­ni­en in den Ge­bie­ten Belp/Gür­be­tal (Bern­mo­bil) und Münsin­gen/Aa­re­tal. Im De­zem­ber 2015 schrie­ben das Amt für öf­fent­li­chen Ver­kehr des Kan­tons Bern und das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV) die Li­ni­en für den Zei­t­raum 2017 bis 2027 neu aus – als ein ein­zi­ges Los.

Ein knap­pes Jahr spä­ter er­hielt Bern­mo­bil vom BAV den Zu­schlag. Aus­schlag­ge­bend für den Ent­scheid war der Preis. Bern­mo­bil und Post­au­to er­hiel­ten bei der Qua­li­tät zwar prak­tisch die glei­che Punkt­zahl. Doch das Stadt­ber­ner Un­ter­neh­men of­fe­rier­te deut­lich güns­ti­ger. Post­au­to focht die­sen Ver­ga­be­ent­scheid vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt an.

Schmun­zeln bei den Kos­ten

Die Kos­ten­rech­nung war ein Haupt­punkt in der Be­schwer­de von Post­au­to. Bei der Ar­gu­men­ta­ti­on kann man sich – mit Blick auf den Sub­ven­ti­ons­skan­dal – ein ge­wis­ses Schmun­zeln nicht ver­knei­fen. Denn Post­au­to warf Bern­mo­bil vor, bei der Of­fer­te nicht die Voll­kos­ten ver­rech­net zu ha­ben. Bern­mo­bil ope­rie­re aus ei­nem ge­schütz­ten Markt (Stadt Bern) und pro­fi­tie­re von staat­li- chen Sub­ven­tio­nen. Bei Post­au­to sei­en «aus der Staats­nä­he ab­ge­lei­te­te for­mel­le oder fak­ti­sche Sub­ven­tio­nen aus­ge­schlos­sen». Das sei beim en­gen fi­nan­zi­el­len Spiel­raum der An­bie­te­rin­nen ein Vor­teil. Das BAV hät­te des­halb den of­fe­rier­ten Preis von Bern­mo­bil ge­nau­er auf die­sen Punkt un­ter­su­chen müs­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­glich die ein­ge­ge­be­nen Zah­len mit­ein­an­der. Bei den Be­triebs­kos­ten für die zehn Jah­re rech­net Bern­mo­bil mit ei­nem Auf­wand von 16,1 Mil­lio­nen Fran­ken, Post­au­to mit ei­nem von 18,7 Mil­lio­nen. Ein drit­ter An­bie­ter lag da­zwi­schen. Bei den Er­trä­gen kal­ku­liert Bern­mo­bil mit 9,4 Mil­lio­nen und Post­au­to mit 8,6 Mil­lio­nen. Für die Rich­ter sind die Dif­fe­ren­zen ins­ge­samt zu ge­ring. Da­mit lie­ge kein aus­ser­ge­wöhn­lich tie­fes An­ge­bot vor, das nä­her hät­te über­prüft wer­den müs­sen.

Be­rech­nun­gen plau­si­bel

Post­au­to ver­mu­te­te zu­dem ei­ne un­zu­läs­si­ge Qu­er­sub­ven­ti­on bei der Fahr­zeug­be­schaf­fung, ei­ne Ver­let­zung des Ge­samt­ar­beits­ver­trags bei den Löh­nen, ein un­ge­nü­gen­des Be­triebs­kon­zept oder ei­ne un­rea­lis­ti­sche Er­trags­kal­ku­la­ti­on. Für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sind je­doch al­le Be­rech­nun­gen plau­si­bel. Ein Un­ter­an­ge­bot sei nicht er­wie­sen, wes­halb ei­ne ver­tief­te Prü­fung der Zah­len durch das BAV nicht er­for­der­lich sei. Die Of­fer­te von Bern­mo­bil weist für das Ge­richt da­mit das bes­te Preis-Leis­tungs­Ver­hält­nis auf. Das BAV ha­be die­ses An­ge­bot zu Recht als wirt­schaft­lich qua­li­fi­ziert und die­sem den Zu­schlag ge­ge­ben. Post­au­to nimmt den Ent­scheid des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur Kennt­nis. Die Be­schwer­de sei ein­ge­reicht wor­den, weil der Ver­ga­be­ent­scheid mit den vor­han­de­nen In­for­ma­tio­nen nicht nach­voll­zieh­bar ge­we­sen sei, er­klärt Spre­cher Urs Bloch. Post­au­to wird den Ent­scheid nicht ans Bun­des­ge­richt wei­ter­zie­hen.

Hans Ul­rich Schaad

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