Gur­litt-Schau un­ter den Er­war­tun­gen

AUS­STEL­LUNG Mit bis­her 25 000 Ein­trit­ten konn­te die zwei­te Gur­litt-Aus­stel­lung des Kunst­mu­se­ums Bern deut­lich we­ni­ger In­ter­es­sier­te an­lo­cken als die ers­te.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Ste­fa­nie Christ

Lock­te die ers­te Aus­stel­lung mit Wer­ken aus der Gur­lit­tSamm­lung noch rund 90 000 Be­su­cher an, woll­ten sich Teil zwei nur ge­ra­de 25 000 Be­su­cher an­se­hen.

«Be­stan­des­auf­nah­me Gur­litt. Der NS-Kun­st­raub und die Fol­gen» heisst die zwei­te Aus­stel­lung des Kunst­mu­se­ums Bern, die Wer­ke aus der Samm­lung Cor­ne­li­us Gur­litts der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich macht. Mit dem Stichwort Kun­st­raub ist ei­ner Kun­st­in­sti­tu­ti­on in der Re- gel die Auf­merk­sam­keit si­cher. Den­noch ver­zeich­ne­te die Schau mit Ge­mäl­den von Clau­de Mo­net, Je­an-Bap­tis­te Camille Co­rot, Gus­ta­ve Cour­bet, Edouard Ma­net oder Pier­re-Au­gus­te Re­noir deut­lich we­ni­ger Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher als der Vor­gän­ger «‹Entar­te­te Kunst› – Be­schlag­nahmt und ver­kauft», der von No­vem­ber bis März 90 000 In­ter­es­sier­te aus der Re­gi­on und dem Aus­land an­lo­cken konn­te. Das Mu­se­um führ­te auf­grund des re­gen In­ter­es­ses im Herbst 2017 so­gar ein On­li­ne­ti­cket­por­tal ein, und lan­ge War­te­schlan­gen vor der Kas­se ge­hör­ten zum all­täg­li­chen Bild.

Kei­ne Er­klä­rung im Mu­se­um

Sind die Kun­st­in­ter­es­sier­ten, die seit der Ent­de­ckung des Kon­vo­luts von Cor­ne­li­us’ Va­ter und Na­zi-Kunst­händ­ler Hil­de­brand Gur­litt im Jahr 2013 mit ei­ner Fül­le an Nach­rich­ten be­dient wer­den, nun lang­sam Gur­litt­mü­de? Oder gibt es ei­nen an­de­ren Grund, war­um das Pu­bli­kum we­nig In­ter­es­se an je­nen Wer­ken zeigt, die gro­be Lü­cken in ih­rer Her­kunfts­ge­schich­te auf­wei­sen und bei de­nen zum Teil ver­mu­tet wird, zum Teil aber auch be­legt ist, dass sie von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs ge­raubt wur­den? Wur­de zu stark die His­to­rie be­leuch­tet und dem äs­the­ti­schen Aus­stel­lungs­er­leb­nis zu we­nig Tri­but ge­zollt?

Im Mu­se­um selbst kann man sich die un­ter­schied­li­chen Be­su­cher­bi­lan­zen nicht er­klä­ren: «Wir wa­ren selbst über­rascht, dass das In­ter­es­se an den bei­den Aus­stel­lungs­tei­len so un­ter- schied­lich war», sagt Thomas Sora­perra, kauf­män­ni­scher Di­rek­tor, auf An­fra­ge.

Im­mer­hin: Das Me­dien­echo fiel sehr wohl­wol­lend aus. Die Aus­stel­lung, die noch bis zum kom­men­den Sonn­tag, 15. Ju­li, läuft, stellt nicht nur Meis­ter­wer­ke aus dem Über­ra­schungs­fund vor, den das Mu­se­um 2014 nach dem Tod von Cor­ne­li­us Gur­litt ge­erbt hat, son­dern be­leuch­tet auch die Rol­le der Schweiz wäh­rend des Drit­ten Reichs.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.