Hans Rie­ders Su­che nach dem Glück

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region -

In der BZ vom Di­ens­tag, 14. Ju­li 1998, war zu le­sen: «Ein Land­wirt auf dor­ni­gem Acker: Er will bau­ern und fin­det kei­nen Hof».

Die Re­de war von Hans Rie­der, da­mals 39 Jah­re alt, aus­ge­bil­de­ter Werk­zeug­ma­schi­nist so­wie ge­lern­ter Bau­er mit Kurs als land­wirt­schaft­li­cher Be­triebs­lei­ter. Er und sein Va­ter – die Mut­ter war be­reits ver­stor­ben – hat­ten im April 1998 den Hof Ober Alt­ösch in Trub ver­las­sen müs­sen, weil er ver­kauft wor­den war. Hans Rie­der hät­te ihn ger­ne sel­ber über­nom­men, konn­te beim Kauf­preis al­ler­dings nicht mit­hal­ten. Zur Zeit, als sei­ne Ge­schich­te in der BZ stand, hat­te Rie­der schon ei­ni­ges un­ter­nom­men, um ei­nen ei­ge­nen Be­trieb zu fin­den. Un­ter an­de­rem hat­te er In­se­ra­te ge­schal­tet, in de­nen er «drin­gend» ein land­wirt­schaft­li­ches Heim­we­sen zur Pacht such­te. An­ge­bo­te er­war­te er «sehn­lichst», schrieb er. Doch es half nichts, für Hans Rie­der schien es kei­ne Zu­kunft als Bau­er zu ge­ben. Im Ju­li 1998 wa­ren sei­ne Tie­re – vier Kü­he und zwei Käl­ber – bei ehe­ma­li­gen Nach­barn un­ter­ge­stellt, er sel­ber war bei ei­nem Bau­ern in Trub­scha­chen tä­tig. Doch das war nicht, was Rie­der woll­te. Er woll­te sein ei­ge­ner Herr sein, sei­nen ei­ge­nen land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb füh­ren. Denn, so sag­te er da­mals: «Ich hat­te schon als Schul­bub das Bau­ern im Kopf.»

Und heu­te? Heu­te trifft man Hans Rie­der in der Stif­tung Le­bens­art Bär­au, wo er in ei­nem 60-Pro­zent-Pen­sum mit Men­schen mit au­tis­ti­scher Ver­an­la­gung ar­bei­tet. «Noch 6 Jah­re muss ich durch­hal­ten», sagt Rie­der am Te­le­fon und lacht. Der Hu­mor ist ihm nicht ab­han­den­ge­kom­men, ob­wohl sein gros­ser Le­benstraum nicht in Er­fül­lung ging. Trotz al­ler Be­mü­hun­gen hat­te Hans Rie­der kei­ne Zu­kunft als haupt­be­ruf­li­cher Bau­er. Im Ge­gen­teil: Als er 1998 als Zwi­schen­lö­sung in Gohl da­heim war, be­kam er es mit dem Ge­wäs­ser­schutz- und dem Tier­schutz­amt zu tun. Das ei­ne war mit sei­nem Mist­stock nicht zu­frie­den, das an­de­re mit der Hal­tung sei­ner Tie­re. Hans Rie­der gibt es oh­ne Um­schwei­fe zu: «Mein Vieh stand den gan­zen Som­mer über im Stall, das war nicht gut, aber es ging nicht an­ders.» Auf Ge­heiss des Am­tes muss­te er sei­nen klei­nen Tier­be­stand wei­ter kür­zen, es blie­ben ihm noch zwei Kü­he. Mit dem Mist­stock war aber al­les in Ord­nung.

Na­tür­lich konn­te Hans Rie­der von sei­nem klei­nen Vieh­be­stand nicht le­ben, und so ar­bei­te­te er gut 10 Jah­re lang auf der Stär­enegg in Trub­scha­chen mit Ju­gend­li­chen und jun­gen Er­wach­se­nen, die im schu­li­schen wie auch im so­zia­len Be­reich Schwie­rig­kei­ten hat­ten. In die­ser Zeit durch­lief er den Lehr­gang «Be­treu­ung im länd­li­chen Raum», der vom In­f­o­ra­ma an­ge­bo­ten wird. «Ich ha­be die­se Ar­beit ger­ne ge­macht», er­zählt Hans Rie­der. Die di­rek­te Aus­ein­an­der­set­zung mit den jun­gen Men­schen ha­be ihm ge­fal­len. Nach Un­stim­mig­kei­ten mit den Vor­ge­setz­ten kün­dig­te er dann aber trotz­dem. In der da­ma­li­gen Heim­stät­te Bär­au, heu­te Stif­tung Le­bens­art ge­nannt, fand er nach ei­ner kur­zen Zeit der Ar­beits­lo­sig­keit sei­ne mo­men­ta­ne Stel­le. Ei­ne, die ihn auch an sich sel­ber ar­bei­ten liess. «Ich ha­be ge­lernt, mich zu­rück­zu­neh­men, ge­dul­dig zu sein.» Denn, so Rie­der, wenn man bei au­tis­ti­schen Men­schen mit Druck et­was er­rei­chen wol­le, ge­he gar nichts mehr.

Und die Land­wirt­schaft?

Die hat Hans Rie­der nie auf­ge­ge­ben. In all den Jah­ren be­trieb er im­mer ei­nen klei­nen Hof im Ne­ben­er­werb, auch wenn ihn das, zu­sam­men mit der Ar­beit aus­wärts, zu­wei­len an sei­ne Gren­zen brach­te. Heu­te be­wirt­schaf­tet er zwei Hekt­aren «Um­schwung» und zwei­ein­halb Hekt­aren Wald. Da­zu be­treut er drei Stück Vieh. «Das ist ein gu­ter Aus­gleich», sagt Hans Rie­der.

Cor­ne­lia Leu­en­ber­ger

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