Wo die Scha­den­freu­de ju­belt

BZ Langenthaler Tagblatt - - Letzte Seite - Re­né Hofmann

Mit dem Slo­gan «Best ne­ver rest» be­glei­te­te ein Spon­sor die deut­schen Na­tio­nal­spie­ler.

Mit emo­tio­na­len Slo­gans zo­gen 32 Fuss­ball­teams los. Zum Bei­spiel: «Zu­sam­men. Ge­schich­te schrei­ben». Das ge­lang, wenn auch an­ders als ge­dacht.

For­mal ist die Sa­che ein­fach. For­mal heisst die Par­tie, die am Sonn­tag um 17 Uhr in Mos­kau an­ge­pfif­fen wird, «Frank­reich ge­gen Kroa­ti­en». Wie viel emo­tio­na­ler tönt da «Ab­ge­zock­te Ba­by-Bleus ge­gen feu­ri­ge Men­ta­li­täts­mons­ter»? Mit die­ser Ein­lei­tung lässt der Sport­in­for­ma­ti­ons­dienst sei­ne Vor­schau auf den Fussball-WM-Fi­nal zwi­schen dem jun­gen Team der Fran­zo­sen und den oft lei­den­schaft­li­chen Kroa­ten lau­fen. Ein Reiz des Sports ist, dass er nicht sehr kom­pli­ziert ist. Und ein Trend in die­sem spe­zi­el­len Ge­schäft ist, dass die Prot­ago­nis­ten den Ver­käu­fern im­mer wei­ter ent­ge­gen­kom­men. Für die WM hat­ten sich al­le 32 Na­tio­nen ei­nen Slo­gan aus­ge­dacht, mit dem sie zu ih­rer Rei­se auf­bra­chen. Die Lo­sung prang­te auf je­dem Mann­schafts­bus. Die Kroa­ten star­te­ten, im Be­wusst­sein ih­rer Aus­sen­sei­ter­rol­le, mit dem eher zu­rück­hal­ten­den Spruch: «Klei­nes Land, gros­se Träu­me». Die Fran­zo­sen da­ge­gen wähl­ten: «Eu­re Stär­ke, un­se­re Lei­den­schaft. Auf gehts, les Bleus.»

Se­leção oder Mann­schaft

Les Bleus – das ist der in Frank­reich ver­an­ker­te Be­griff für das Na­tio­nal­team, ein Mar­ken­na­me, wie ihn auch die Ita­lie­ner ha­ben (Squa­dra Az­zur­ra) oder die bra­si­lia­ni­sche Se­leção, und wie ihn Oli­ver Bier­hoff, der Ma­na­ger der deut­schen Elf, nach dem WM-Ti­tel 2014 auch für sein Team kreie­ren woll­te: Die Mann­schaft. In Russ­land wur­de er um den Vor­satz er­wei­tert: «Zu­sam­men. Ge­schich­te schrei­ben.» Was mit dem ers­ten Vor­run­den­aus dann ja auch ge­lang – al­ler­dings wohl ein we­nig an­ders als ge­dacht.

Das deut­sche Team be­fin­det sich in­des in gu­ter Ge­sell­schaft. Auch bei den Ar­gen­ti­ni­ern («Zu­sam­men für ei­nen Traum») und den Spa­ni­ern («Zu­sam­men sind wir un­schlag­bar») klapp­te das Mit­ein­an­der nicht wie ge­wünscht. Ein Eti­kett kann für Sport­ler aber auch zum Fluch wer­den. Micha­el Schu­ma­cher et­wa fuhr lan­ge ge­gen das La­bel «Schum­mel-Schu­mi» an, das die «Bild»-Zei­tung ihm früh in sei­ner Kar­rie­re ver­passt hat­te.

Und um dem Ein­druck, den sein lang­wei­li­ger Stil hin­ter­liess, et­was ent­ge­gen­zu­set­zen, sti­li­sier­te sich der Bo­xer Hen­ry Mas­ke zum «Gen­tle­man».

Ma­na­ger und Wer­be­part­ner kön­nen da­bei hel­fen. Wie pein­lich das aber schief­ge­hen kann – auch das hat die­se WM ge­zeigt: Mit dem Slo­gan «Best ne­ver rest» – die Bes­ten ru­hen sich nie aus – be­glei­te­te ein Spon­sor die Russ­land-Rei­se der deut­schen Na­tio­nal­spie­ler.

An­ge­sichts ih­rer schläf­ri­gen Auf­trit­te wirk­te das völ­lig da­ne­ben.

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