Neue Bahn auf das Schil­t­horn

OBER­LAND Die Schil­t­horn­bahn in­ves­tiert 90 Mil­lio­nen Fran­ken in die Zu­kunft. Die be­ste­hen­den Luft­seil­bah­nen wer­den er­setzt, es gibt ei­ne Di­rekt­ver­bin­dung nach Mür­ren.

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Die Schil­t­horn­bahn in­ves­tiert 90 Mil­lio­nen Fran­ken in ei­ne neue Luft­seil­bahn. Die­se soll die heu­ti­ge Bahn er­set­zen.

Rund fünf­zig Jah­re nach der Er­schlies­sung hat die Schil­t­horn­bahn ges­tern das Pro­jekt Schil­t­horn 20XX vor­ge­stellt. Die heu­ti­ge Gon­del­bahn soll durch ei­ne neue Luft­seil­bahn er­setzt wer­den. Mit der neu­en Bahn soll es mög­lich wer­den, in 18 Mi­nu­ten von Ste­chel­berg aufs Schil­t­horn zu ge­lan­gen. Die Neu­bau­ten ori­en­tie­ren sich gröss­ten­teils an be­ste­hen­den Ge­bäu­den und Li­ni­en­füh­run­gen der bis­he­ri­gen Bahn. Die wich­tigs­te Neue­rung beim gros­sen Pro­jekt: Es gibt ei­ne Di­rekt­ver­bin­dung von Ste­chel­berg nach Mür­ren, an­stel­le der heu­ti­gen Trans­port­bahn wird ei­ne Pas­sa­gier­bahn ge­baut. Doch Gim­mel­wald geht nicht ver­ges­sen: Die bis­he­ri­ge Bahn­an­bin­dung bleibt er­hal­ten. Rund 90 Mil­lio­nen Fran­ken will das Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren.

Eben­falls gros­se Plä­ne ha­ben die drei Tou­ris­mus­de­s­ti­na­tio­nen Mei­rin­gen-Has­li­berg, Melch­seeF­rutt und En­gel­berg-Tit­lis. Ei­ne Mach­bar­keits­stu­die soll zei­gen, wie sich die drei Re­gio­nen zu ei­ner gros­sen Des­ti­na­ti­on ver­bin­den las­sen. fl/agg

Schnel­ler als in 18 Mi­nu­ten wä­re man im Ber­ner Ober­land fast nir­gends auf 2970 Me­ter Hö­he. Wä­re, denn bis­her ist es ei­ne Vi­si­on der Schil­t­horn­bahn, ih­ren Be­trieb für die nächs­ten Jahr­zehn­te ent­spre­chend fit zu ma­chen. Ge­plant ist, die jet­zi­ge Bahn durch ei­ne neue Luft­seil­bahn zu er­set­zen. Schil­t­horn 20XX heisst das Pro­jekt, das ges­tern den Me­di­en vor­ge­stellt wur­de. Die ge­plan­te Bahn um­fasst drei Sek­tio­nen mit je zwei Ka­bi­nen auf den Stre­cken Ste­chel­berg–Mür­ren–Birg– Schil­t­horn.

Die gröss­te Neue­rung: Die bis­he­ri­ge Trans­port­bahn, die heu­te di­rekt von Ste­chel­berg oh­ne Um­weg über Gim­mel­wald nach Mür­ren fährt, wird zur Pas­sa­gier­bahn. Da­mit ent­fällt ein Um­stei­ge­vor­gang, die Rei­se­zeit ver­kürzt sich von heu­te 32 Mi­nu­ten auf et­was mehr als 18 Mi­nu­ten. Es ist ei­ne sanf­te Mo­der­ni­sie­rung, wie die Ver­ant­wort­li­chen aus­führ­ten. Die Neu­bau­ten ori­en­tie-

ren sich mehr oder we­ni­ger an be­ste­hen­den Ge­bäu­den und Li­ni­en­füh­run­gen der Bahn.

Qua­li­tät vor Quan­ti­tät

Ist das nun ein wei­te­res Wett­rüs­ten am Berg? Der Di­rek­tor der Schil­t­horn­bahn, Chris­toph Eg­ger, ver­neint: «Bes­ser, nicht grösser, soll die Bahn wer­den.» Der Aus­flug aufs Schil­t­horn ha­be sei­nen Preis: «Es ist uns wich­tig, dass das Ber­g­er­leb­nis auch durch den ent­spre­chen­den Kom­fort und die Qua­li­tät si­cher­ge­stellt ist.» Das Bahn­un­ter­neh­mens will den Trans­port von Ein­hei­mi­schen und Gäs­ten auf der Stre­cke Ste­chel­berg–Gim­mel­wald–Mür­ren bei­be­hal­ten. «Wir glau­ben an den Tou­ris­mus im süd­li­chen Lau­ter­brun­nen­tal.» Auch die Win­ter­sai­son soll pro­fi­tie­ren, mit der Hö­hen­la­ge des Ski­ge­biets hal­te man schon heu­te ei­nen Trumpf in der Hand, al­ler­dings sei das Ge­biet nicht für die gros­se Mas­se, da an­spruchs­voll.

Eg­ger sag­te, dass die ur­sprüng­li­che För­der­ka­pa­zi­tät von 600 Personen pro St­un­de mitt­ler­wei­le auf 400 Personen ge­sun­ken sei. Der Grund: Die ge­stie­ge­nen Platz­an­sprü­che der Rei­sen­den. Nach dem Aus­bau sol­len es min­des­tens 800 Personen pro St­un­de sein. Ei­ne Sa­nie­rung der be­ste­hen­den Luft­seil­bahn wur­de laut Eg­ger in­ten­siv ge­prüft, dann aber ver­wor­fen. Denn vie­le wich­ti­ge Nach­wei­se könn­ten nicht er­bracht wer­den, et­wa für den Zu­stand von Ar­mie­run­gen und dem Be­ton, weil vor fünf­zig Jah­ren nicht die­sel­ben Do­ku­men­ta­tio­nen not­wen­dig wa­ren wie heu­te. Und: Die Kos­ten für die Sa­nie­rung wür­den min­des­tes 60 Pro­zent der Kos­ten für ei­ne neue Luft­seil­bahn ent­spre­chen. «Dann hät­ten wir aber im­mer noch ei­ne al­te Bahn», gab Eg­ger zu be­den­ken.

«Der Ver­wal­tungs­rat hat das Pro­jekt mit In­ves­ti­ti­ons­kos­ten von ma­xi­mal 90 Mil­lio­nen Fran­ken de­fi­niert. «Die­se In­ves­ti­ti­ons­kos­ten sind fi­nan­zier­bar und trag­bar», sag­te Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Pe­ter Feuz. Der Ver­wal­tungs­rat ste­he ge­schlos­sen hin­ter dem Pro­jekt.

Spä­tes­tens 2024

Und wann soll das Gan­ze um­ge­setzt sein? «Wir ha­ben das Pro­jekt be­wusst mit dem Jahr 20XX be­nannt, denn nach dem Pro­zess der In­for­ma­tio­nen, Ge­neh­mi­gungs- und Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren ist auch der Bau ge­staf­felt ge­plant», sagt Eg­ger. Doch spä­tes­tens, wenn auf der Sek­ti­on Birg–Schil­t­horn 2024 gros­se Un­ter­halts­ar­bei­ten an­ste­hen, soll­te das Vor­ha­ben rea­li­siert wor­den sein.

Das Be­wil­li­gungs­ver­fah­ren ist zwei­stu­fig. Mit ei­ner Über­bau­ungs­ord­nung (kan­to­na­les Ver­fah­ren) wird der Seil­bahn­kor­ri­dor fest­ge­legt, die Sta­ti­ons­stand­or­te um­schrie­ben. Mit ei­nem Plan­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren auf eid­ge­nös­si­scher Ebe­ne wer­den et­wa Um­welt­ver­träg­lich­keit ge­prüft. Die öf­fent­li­che Mit­wir­kung soll be­reits im Herbst in Lauterbrunnen durch­ge­führt wer­den. Fritz Leh­mann

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Fu­tu­ris­ti­scher Ad­ler­horst auf Birg: In die­ser Vi­sua­li­sie­rung duckt sich das Ge­bäu­de flach auf den Felsen, weil die tech­ni­schen Bau­ten der Gon­del­bah­nen nicht über­dacht wer­den sol­len.

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