Der Neue und ei­ne al­te Ge­schich­te

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseite - Hol­ger Alich

Guy Lach­ap­pel­le, der Prä­si­dent der Raiff­ei­sen-Bank wer­den soll, wird sich vi­el­leicht noch Fra­gen zu ei­nem Schnee­ball­sys­tem an­hö­ren müs­sen, des­sen De­pot­bank die Bas­ler Kan­to­nal­bank war. An Lach­ap­pel­le blieb aber in den Un­ter­su­chun­gen nichts hängen.

Ne­ben Guy Lach­ap­pel­le als neu­em Prä­si­den­ten no­mi­nier­te die Bank vier Kan­di­da­ten für den Ver­wal­tungs­rat. Auf den de­si­gnier­ten Prä­si­den­ten dürf­ten Fra­gen zu ei­nem al­ten Skan­dal zu­kom­men.

Bei Ver­tre­tern der Raiff­ei­sen-Ba­sis ist die No­mi­nie­rung von Guy Lach­ap­pel­le, der­zei­ti­gem Chef der Bas­ler Kan­to­nal­bank, auf ein wohl­wol­len­des Echo ge­stos­sen. Al­ler­dings kennt bis­her kaum je­mand den 57-Jäh­ri­gen per­sön­lich. «Als Chef der Bas­ler Kan­to­nal­bank hat er ei­nen gu­ten Job ge­macht, doch bei Raiff­ei­sen muss er erst die Struk­tur ver­ste­hen ler­nen», meint der Prä­si­dent ei­ner Raf­f­ei­sen­bank, der sei­nen Na­men nicht in der Zei­tung le­sen will. In den kom­men­den Wo­chen soll es da­her ein ers­tes Tref­fen Lach­ap­pel­les mit Ver­tre­tern der 246 Raiff­ei­sen­ban­ken ge­ben, be­stä­tigt Raiff­ei­sen Schweiz.

«Lach­ap­pel­le ist ge­nau der rich­ti­ge Mann», sagt Kurt Sid­ler, Chef der Ko­or­di­nie­rungs­grup­pe der Raiff­ei­sen­ver­bän­de, «er hat ope­ra­ti­ve Er­fah­rung und kann Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se vor­an­trei­ben», be­grün­det er die Wahl, an der Sid­ler als De­le­gier­ter der Ba­sis be­ra­tend teil­nahm.

Lach­ap­pel­le selbst will sich der­zeit nicht ge­gen­über den Me­di­en äus­sern. «Auf­grund mei­ner bis­he­ri­gen Tä­tig­kei­ten und Er­fah­run­gen füh­le ich mich gut vor­be­rei­tet, das Prä­si­di­um ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on zu über­neh­men, die vor wich­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen steht», lässt er sich le­dig­lich in der Me­di­en­mit­tei­lung von Raiff­ei­sen Schweiz zi­tie­ren.

Rol­le in der ASE-Af­fä­re

Sei­nen Job bei der Bas­ler Kan­to­nal­bank will der Ju­rist am 22. Ok­to­ber nie­der­le­gen. Das gibt ihm et­was we­ni­ger als ei­nen Mo­nat Zeit, um bis zur De­le­gier­ten­ver­samm­lung am 10. No­vem­ber um Ver­trau­en zu wer­ben.

Mög­li­cher­wei­se wird es da­bei noch Fra­gen zu sei­ner Rol­le im An­la­geskan­dal ASE ge­ben. Die BKB fun­gier­te für den be­trü­ge­ri­schen Ver­mö­gens­ver­wal­ter als De­pot­bank. ASE hat­te ein Schnee­ball­sys­tem auf­ge­zo­gen, bei dem am En­de rund 2500 Kun­den 170 Mil­lio­nen Fran­ken ver­lo­ren. Be­reits 2009 hat­te der «KTipp» vor ASE-An­la­gen ge­warnt, den Fall ins Rol­len brach­te dann 2012 ei­ne Kun­den­be­schwer­de über feh­len­de Gel­der. Dar­auf­hin er­stat­te­te die Bank Straf­an­zei­ge .

Lach­ap­pel­le war seit 2010 Lei­ter des Fir­men­kun­den­ge­schäfts und da­mit Mit­glied der Ge­schäfts­füh­rung. Er wur­de im Fall ASE von der Staats­an­walt­schaft als Aus­kunfts­per­son an­ge­hört. Doch we­der die Fin­ma noch die Jus­tiz ga­ben ihm ei­ne Mit­schuld an den Vor­gän­gen.

Et­was an­ders tönt es da­ge­gen im Be­richt der Kanz­lei Bär & Kar­rer, wel­chen die BKB zur Auf­klä­rung des Falls in Auf­trag ge­ge­ben hat­te. Dem Be­richt zu­fol­ge sei­en die Mit­glie­der des Kre­dit­aus­schus­ses ih­rer «Ober­ver­ant­wor­tung für die Ein­hal­tung der Com­p­li­an­ce nicht in aus­rei­chen­dem Um­fang nach­ge­kom­men». Mit­glie­der in je­nem Aus­schuss wa­ren da­mals Bank­chef Hans Ru­dolf Mat­ter und Lach­ap­pel­le.

Mat­ter kos­te­te der Skan­dal den Job, an Lach­ap­pel­le blieb nichts hängen, und er folg­te Mat­ter als Bank­chef nach. Er er­klär­te ein­mal, dass die Ver­ant­wor­tung für die Vor­gän­ge beim frü­he­ren Chef so­wie dem Lei­ter der BKB-Fi­lia­le in Zü­rich ge­le­gen ha­be. Die Auf­sicht Fin­ma scheint die­ser Auf­fas­sung zu fol­gen, denn sie wi­der­setz­te sich we­der Lach­ap­pel­les Be­för­de­rung zum BKB-Chef im Jahr 2013 noch jetzt der No­mi­nie­rung zum Prä­si­den­ten von Raiff­ei­sen Schweiz, die im­mer­hin die dritt­gröss­te Ban­ken­grup­pe des Lan­des ist.

Vier wei­te­re Kan­di­da­ten

Ne­ben der Be­ru­fung Lach­ap­pel­les an die Bank­spit­ze no­mi­nier­te der Ver­wal­tungs­rat vier wei­te­re Kan­di­da­ten für das Spit­zen­or­gan. Mit der Ju­ris­tin Ka­rin Va­lenz­a­no Rossi zieht dort ei­ne Spit­zen­ju­ris­tin ein, die als Un­ter­su­chungs­be­auf­trag­te der Fin­ma tä­tig ist und zu­dem im Ver­wal­tungs­rat der Ban­ca Raiff­ei­sen Lu­ga­no dient. Eben­falls ein VR-Man­dat bei Raiff­ei­sen hat der Ex-Hew­lett-Pa­ckard-Ma­na­ger und ITUn­ter­neh­mer And­rej Go­lob. An­ge­sichts der Pro­ble­me bei der Um­stel­lung auf ein neu­es IT-Sys­tem kann Raiff­ei­sen mehr ITKom­pe­tenz gut ge­brau­chen.

Mit Beat Schwab soll die Raiff­ei­sen­spit­ze mit ei­nem Im­mo­bi­li­en­ex­per­ten ver­stärkt wer­den. Schwab lei­te­te von 2012 bis 2017 das Im­mo­bi­li­en­in­vest­ment der Credit Suis­se und prä­si­diert der­zeit Zug Esta­tes Hol­ding.

Der vier­te neue Kan­di­dat für den Ver­wal­tungs­rat ist der der­zei­ti­ge Ri­si­ko­chef der Pri­vat­bank EFG In­ter­na­tio­nal, Tho­mas A. Mül­ler. EFG teil­te mit, dass Mül­ler von die­sem Pos­ten nach der Wahl zu­rück­tre­ten wer­de. Von 2010 bis 2016 dien­te Mül­ler der Bank Saf­ra Sa­ra­sin als Fi­nanz­chef. Just in je­ner Zeit mach­te die Bank Schlag­zei­len da­mit, dass sie du­bio­se An­la­ge­fonds ver­kauf­te, die auf ei­nem mitt­ler­wei­le als il­le­gal ein­ge­stuf­ten Steu­er­trick be­ruh­ten. In dem Fall be­stä­tig­te ges­tern das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ein Ur­teil, dass Saf­ra Sa­ra­sin dem deut­schen Dro­ge­rie­un­ter­neh­mer Er­win Mül­ler 45 Mil­lio­nen Fran­ken Scha­den­er­satz zu­spricht.

«Ich füh­le mich gut vor­be­rei­tet, das Prä­si­di­um ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on zu über­neh­men, die vor wich­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen steht.»

Guy Lach­ap­pel­le

Fo­to: Ge­or­gi­os Ke­fa­las (Keysto­ne)

Guy Lach­ap­pel­le, der­zeit Chef der Bas­ler Kan­to­nal­bank, soll neu­er Prä­si­dent von Raiff­ei­sen wer­den.

Fo­tos: PD

Beat Schwab, Prä­si­dent Zug Esta­tes Hol­ding.

And­rej Go­lob, ehe­mals Hew­lett Pa­ckard, IT-Un­ter­neh­mer.

Ka­rin Va­lenz­a­no Rossi, Fin­ma, Ban­ca Raiff­ei­sen Lu­ga­no.

Tho­mas A. Mül­ler, Ri­si­ko­chef EFG In­ter­na­tio­nal.

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