Vier Mo­na­te für fünf Ki­lo­me­ter

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region -

Sport­muf­fel hin oder her. Hans Jürg Witt­wer hat un­ter pro­fes­sio­nel­ler Auf­sicht für den Stadt­lauf trai­niert. Heu­te Sams­tag will er fünf Ki­lo­me­ter in An­griff neh­men.

Wäh­rend vie­le noch schla­fen oder sich ge­müt­lich ih­ren Mor­gen­kaf­fee zu­be­rei­ten, schwitzt Hans Jürg Witt­wer schon. Be­reits um 6 Uhr mor­gens ist er im Fit­ness­stu­dio. Dreimal pro Wo­che hat der 53- Jäh­ri­ge wäh­rend vier Mo­na­ten auf den Burg­dor­fer Stadt­lauf hin trai­niert. Der freund­li­che Mann aus Burg­dorf ist Va­ter drei­er Kin­der. Sport treibt er am Mor­gen, be­vor sein Ar­beits­tag in der ESA in Burg­dorf, der Ein­kaufs­or­ga­ni­sa­ti­on des Schwei­ze­ri­schen Au­to- und Mo­tor­fahr­zeug­ge­wer­bes, be­ginnt. Da­mit er am Abend Zeit ha­be für die Fa­mi­lie. Den Aus­schlag für das Schwit­zen im Fit­ness­cen­ter gab der Wett­lauf von heu­te Sams­tag. Der Mann, der sich als Sport­muf­fel be­zeich­net, ist Teil ei­ner ex­klu­si­ven Trai­nings­grup­pe rund um den Burg­dor­fer Stadt­prä­si­den­ten Ste­fan Ber­ger (SP).

Stadt­lauf für al­le

Als Ber­ger wäh­rend sei­ner Che­mo­the­ra­pie im Spi­tal Em­men­tal lag, ent­stand die Idee, fünf Personen mit­hil­fe der Ab­tei­lung Phy­sio­the­ra­pie des Spi­tals auf die

«Im Sport­schau­en bin ich bes­ser als im Ma­chen.» «Manch­mal liegt jetzt dank dem Trai­ning aber auch ein Cer­ve­lat drin.»

fünf Ki­lo­me­ter lan­ge Schlei­fe durch Burg­dorf vor­zu­be­rei­ten. Aus der Idee ent­pupp­te sich ein kon­kre­tes Pro­jekt, das un­ter dem Na­men «Stadt­lauf für al­le» lan­ciert wur­de. Die Grup­pe soll­te aus drei re­kon­va­les­zen­ten Sport­lern, un­ter ih­nen auch der Sta­pi, und zwei Brei­ten­sport­lern be­ste­hen. So nimmt nun nebst Hans Jürg Witt­wer auch ei­ne Hob­by­sport­le­rin teil, die her­aus­fin­den möch­te, wie viel mit be­treu­tem Trai­ning aus ih­rem Kör­per her­aus­zu­ho­len ist.

Sport­muf­fel

Hans Jürg Witt­wer «Im Schau­en bin ich bes­ser als im Ma­chen», be­ant­wor­tet der Fa­mi- li­en­va­ter die Fra­ge nach sei­ner Be­zie­hung zum Sport. Er ha­be ei­ni­ge Jah­re lang ein Sai­sonabo der SCL Ti­gers be­ses­sen. Die Spie­le be­such­te er je­weils mit sei­nem Sohn. Leis­tungs­sport ha­be er selbst noch nie be­trie­ben, sagt Witt­wer. In jün­ge­ren Jah­ren war er zwar in der Hor­nus­ser­ge­sell­schaft Burg­dorf ak­tiv, aber nicht in den ho­hen Li­gen, wie er be­tont. Wäh­rend ei­nes Winters sei­en sie mit der Mann­schaft ins Fit­ness­stu­dio ge­gan­gen, je­doch wä­ren sehr schnell nur noch die Wan­gen­mus­keln trai­niert wor­den, er­klärt er schmun­zelnd.

Für die Hor­nus­ser bleibt heu­te nicht mehr viel Zeit, denn der selbst er­nann­te Sport­muf­fel ist auch noch in der Feu­er­wehr ak­tiv und feu­ert bei den Feld­schüt­zen Mötschwil-Rü­ti auf die 300Me­ter-Schei­ben. In der letz­ten Zeit sei aber der Sport zu kurz ge­kom­men, selbst für ihn. Er ha­be es ge­merkt, weil sein Ge­wicht ste­tig zu­ge­nom­men ha­be. «Da­ge­gen woll­te ich et­was tun.»

Die Wen­de

Ein gu­ter Vor­satz war al­so vor­han­den, nun muss­te er nur noch

Hans Jürg Witt­wer

in die Tat um­ge­setzt wer­den. Im Lo­kal­blatt «D’Re­gi­on» las Witt­wer von der Trai­nings­grup­pe des Stadt­prä­si­den­ten und er­fuhr, dass für das Experiment noch zwei Teil­neh­mer ge­sucht wur­den. Ei­ner von ih­nen soll­te ein Sport­muf­fel sein. Sei­ne An­mel­dung wur­de ak­zep­tiert, und Witt­wer war da­bei.

Doch be­vor das Trai­ning be­gin­nen konn­te, ging es zu me­di­zi­ni­schen Tests ins Spi­tal Em­men­tal. Auf ei­nem Lauf­band muss­te Witt­wer je­weils zwei Mi­nu­ten lang ei­ne kon­stan­te Ge­schwin­dig­keit ge­hen. Bei je­der Tem­po­er­hö­hung nahm man ihm Blut ab. Dar­aus re­sul­tier­te ei­ne so­ge­nann­te Lak­t­at­leis­tungs­kur­ve. An­hand die­ser Kur­ve er­mit­tel­te Kay-Uwe Ha­nusch, Lei­ter der Phy­sio­the­ra­pie des Spi­tals, das Tem­po, bei wel­chem sich Hans Jürg Witt­wers Herz­fre­quenz im ge­nau rich­ti­gen Be­reich für das ef­fi­zi­en­tes­te und nach­hal­tigs­te Trai­ning be­fin­det. Als Ab­tei­lungs­lei­ter im Rech­nungs­we­sen liegt Witt­wer die­se akri­bi­sche Art, zu trai­nie­ren.

Schwit­zen im Stu­dio

Dass er ein Sport­muf­fel sein soll, ist dem stram­men Mann kei­nes­wegs an­zu­se­hen. Zwei­mal pro Wo­che trai­niert er auf dem Lauf­band und ein­mal im Kraft­raum. «Am här­tes­ten war das Kraft­trai­ning, nach acht Wie­der­ho­lun­gen brann­te al­les», kom­men­tiert Witt­wer das Re­gime. Nach sei­ner mor­gend­li­chen Er­tüch­ti­gung gönn­te er sich je­weils et­was Zeit in der Sau­na oder ein Bad, denn nicht im Trai­ning wer­de man stär­ker, son­dern wäh­rend der Er­ho­lungs­zeit. Die Er­näh­rung spie­le da auch ei­ne Rol­le. Sei­ne Part­ne­rin ko­che im­mer mit fri­schen Pro­duk­ten und ti­sche fei­nes und ge­sun­des Es­sen auf, wo­für er sehr dank­bar sei. «Manch­mal liegt jetzt dank dem Trai­ning aber auch ein Cer­ve­lat drin», er­klärt der Buch­hal­ter mit ei­nem Au­gen­zwin­kern.

Hans Jürg Witt­wers gros­ser Tag ist heu­te. Die vier­mo­na­ti­ge Vor­be­rei­tungs­zeit gip­felt jetzt in der fünf Ki­lo­me­ter lan­gen Stre­cke am Burg­dor­fer Stadt­lauf. «Es wird sich zei­gen, wie schnell ich lau­fen kann.» Witt­wer dämpft zu ho­he Er­war­tun­gen. Das Wich­tigs­te sei, dass er jetzt wei­ter­hin Sport trei­be und ge­sund blei­be. Eins je­doch ist klar: Hans Jürg Witt­wer ist in­zwi­schen kein Sport­muf­fel mehr.

Emil Rohr­bach Heu­te Samsta­glau­fen sie in der Ober­stadt um die Wet­te. Zwi­schen 15 und 18 Uhr ge­hen Läu­fer in vier­zehn Ka­te­go­ri­en an den Start. Der Haupt­lauf führt über zehn und ein Kurz­stre­cken­lauf über fünf Ki­lo­me­ter. Die Da­men star­ten um 17.15 Uhr und die Her­ren um 18 Uhr. Der Start liegt an der Schmie­den­gas­se, das Ziel ist beim Schloss. Da­zwi­schen muss ei­ne fünf Ki­lo­me­ter lan­ge Schlei­fe vor­bei am Bahn­hof und ent­lang der Lys­sach­stras­se zu­rück­ge­legt wer­den. ero

Fo­to: Tho­mas Pe­ter

Vier Mo­na­te lang hat er sich in Trai­nings ge­plagt. Heu­te will Hans Jürg Witt­wer zei­gen, wie schnell er lau­fen kann.

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