Sie dan­ken, tun Bus­se und be­ten

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region -

Re­for­mier­te und Ka­tho­li­ken wer­den in Mur­ten den Bet­tag auch mor­gen wie­der ge­mein­sam be­ge­hen. Als Zei­chen für die Ein­heit un­ter den Chris­ten – und als Bot­schaft für ei­nen Fei­er­tag, der heu­te so schwer fass­bar ist.

Eid­ge­nös­si­scher Bet­tag? Heu­te weiss kaum je­mand mehr so ge­nau, was an die­sem Tag ge­fei­ert wird. Die ei­nen ken­nen das Wort vi­el­leicht aus ih­rer Agen­da, wo es je­weils beim Da­tum des drit­ten Sonn­tags im Sep­tem­ber steht. An­de­re er­in­nern sich vi­el­leicht noch an die Zeit kurz nach der Jahr­tau­send­wen­de, als die na­tio­na­le Po­li­tik dis­ku­tier­te, den Bet­tag für au­to­frei zu er­klä­ren. Aber sonst? Da herrscht rund um den Bet­tag, wie er auch mor­gen Sonn­tag wie­der ge­fei­ert wird, weit ver­brei­te­te Rat­lo­sig­keit.

Scha­de ei­gent­lich, fin­den Andre­as Hess, Chris­ti­an Ri­ni­ker und Lu­kas Hen­dry. Die bei­den re­for­mier­ten Pfar­rer und der ka­tho­li­sche Pas­to­ral­as­sis­tent aus der

Andre­as Hess Re­gi­on Mur­ten sind schon mal an je­nem Ort zu­sam­men­ge­kom­men, an dem sie den dies­jäh­ri­gen Bet­tag ge­mein­sam fei­ern wer­den. In der ka­tho­li­schen Kir­che aus­ser­halb der his­to­ri­schen Stadt­mau­er fin­det dann der tra­di­tio­nel­le öku­me­ni­sche Got­tes­dienst statt. Der Bet­tag wol­le ja gera­de die Ein­heit des Chris­ten­tums be­to­nen, hält da­zu Lu­kas Hen­dry fest. Da drän­ge es sich doch auf, ihn über die Kon­fes­si­ons­gren­zen hin­weg zu be­ge­hen.

Chris­ti­an Ri­ni­ker macht sich der­weil dar­an, den Fei­er­tag Schritt für Schritt zu er­klä­ren. Zu­erst er­in­nert er dar­an, dass der

Bet­tag im vol­len Wort­laut Dank-, Buss- und Bet­tag heisst, und hält dann fest: Ein Tag des Dan­kens las­se sich auch in der Ge­sell­schaft von heu­te gut er­klä­ren. «Wir ha­ben al­len Grund da­zu, für das Le­ben, für die Schöp­fung, die uns um­gibt, dank­bar zu sein. Es ist ein Ge­schenk, das wir oh­ne un­ser ei­ge­nes Zu­tun be­kom­men.»

Was Bus­se tun be­deu­tet

Schwie­ri­ger wird es beim zwei­ten Punkt, der Bus­se. Andre­as Hess sagt es of­fen, und er tut dies mit ei­nem Blick zu­rück. Er er­in­nert dar­an, dass die Kir­che im Lauf ih­rer Ge­schich­te nur zu gern zu Druck­mit­teln wie der Bus­se griff, um die Gläu­bi­gen auf Kurs zu hal­ten. Ge­nau­so weist er aber dar­auf hin, dass die Dank-, Buss- und Bet­ta­ge auch auf­bau­end wir­ken soll­ten. «Es fällt auf, dass sie häu­fig nach ei­ner Ka­ta­stro­phe be­gan­gen wor­den sind.»

Das war schon vor 400 Jah­ren bei den Vor­läu­fern der Fall, die mal nach ei­nem Erd­be­ben, mal nach ei­ner Seu­che und im­mer wie­der nach krie­ge­ri­schen Hän­deln an­ge­ord­net wur­den. Und das galt im Be­son­de­ren, als mit dem Ent­ste­hen der mo­der­nen Schweiz 1848 der heu­ti­ge lan­des­wei­te Fei­er­tag aus der Tau­fe ge­ho­ben wur­de: Der Son­der­bunds­krieg war gera­de mit ei­nem Sieg der re­for­miert-li­be­ra­len über die ka­tho­lisch-kon­ser­va­ti­ven Kräf­te zu En­de ge­gan­gen. Der neue Bet­tag soll­te die kon­fes­sio­nel­le Spal­tung über­win­den.

Und heu­te? Die Bus­se, sagt wie­der­um Chris­ti­an Ri­ni­ker, sei nichts an­de­res als ei­ne Auf­for­de­rung, Sor­ge zum Le­ben, zur Schöp­fung – eben zum Ge­schenk zu tra­gen. «Das Wort um­reisst die ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung, die wir als Kir­che tra­gen.»

«Es fällt auf, dass sie häu­fig nach ei­ner Ka­ta­stro­phe be­gan­gen wor­den sind.»

Fo­to: Beat Ma­thys

Wer­den mor­gen ge­mein­sam fei­ern: Chris­ti­anRi­ni­ker, Lu­kas Hen­dry, Andre­as Hess (von links).

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