Steu­er-De­al führt zu Knatsch bei den SP-Frau­en

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region -

Die SP-Frau­en Kan­ton Bern stel­len sich öf­fent­lich ge­gen den AHV-Steu­er-De­al von Bun­des­rat und Par­la­ment. Das stört die bei­den Ber­ner SP-Na­tio­nal­rä­tin­nen Fla­via Was­ser­fal­len und Na­di­ne Mass­hardt.

Al­le Macht den Frau­en. Was et­was ab­ge­dro­schen klin­gen mag, hat in der SP Schweiz durch­aus ei­nen wah­ren Kern. In­ner­halb der Par­tei ma­chen die Frau­en mehr als die Hälf­te der Mit­glie­der aus. In­so­fern hat es Ge­wicht, wenn die SP-Frau­en Kan­ton Bern als gröss­te Frau­en­sek­ti­on im Land öf­fent­lich Po­si­ti­on be­zie­hen. Ge­nau das ha­ben sie die­se Wo­che ge­tan, in­dem sie sich klar ge­gen den AHV-Steu­er-De­al von Bun­des­rat und eid­ge­nös­si­schen Rä­ten aus­ge­spro­chen ha­ben. Sie sind ge­gen die Ver­knüp­fung der Un­ter­neh­mens­steu­er­re­form mit ei­ner Fi­nanz­sprit­ze für die AHV. Kor­ne­lia Häs­sig, Prä­si­den­tin der SP-Frau­en Kan­ton Bern, be­fürch­tet Steu­er­aus­fäl­le im Kan­ton Bern. «Die­se Aus­fäl­le ge­hen pri­mär zu­las­ten der Frau­en, weil im­mer zu­erst im So­zi­al-, Bil­dungs- und Al­ters­be­reich ge­spart wird, wo Frau­en ei­ne Mehr­heit der An­ge­stell­ten sind.»

Die Hal­tung und die Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on der Ber­ner Frau- en­sek­ti­on hat par­tei­in­tern zu Ver­stim­mun­gen ge­führt. Denn die drei Ber­ner SP-Na­tio­nal­rä­tin­nen Marg­ret Kie­ner Nel­len, Na­di­ne Mass­hardt und Fla­via Was­ser­fal­len wa­ren nicht in die Ent­scheid­fin­dung ein­ge­bun­den, ob­wohl sie auch Mit­glied bei den SP-Frau­en sind. Was­ser­fal­len und Mass­hardt stör­ten sich dar­an stark ge­nug, um in ei­ner E-Mail an Kor­ne­lia Häs­sig ih­rem Är­ger Luft zu ma­chen. «Wir wa­ren er­staunt, dass die SP-Frau­en noch vor der De­bat­te im Na­tio­nal­rat Po­si­ti­on be­zo­gen», so Was­ser­fal­len. «Wir hät­ten er­war­tet, in die Dis­kus­sio­nen ein­be­zo­gen zu wer­den.»

«Im In­ter­es­se der Frau­en»

Die bei­den Na­tio­nal­rä­tin­nen sind grund­le­gend an­de­rer Mei­nung als die Frau­en­sek­ti­on. Sie ha­ben dem AHV-Steu­er-De­al zu­ge­stimmt, weil sie über­zeugt sind, dass die Vor­la­ge im In­ter­es­se der Frau­en ist. «So, wie sich das Dos­sier mitt­ler­wei­le prä­sen­tiert, kann ei­ne Er­hö­hung des Frau­en­ren­ten­al­ters auf 65 Jah­re ab­ge­wen­det wer­den. Zu­dem wür­den die Frau­en über­pro­por­tio­nal von der Fi­nanz­sprit­ze an die AHV pro­fi­tie­ren», so Was­ser­fal­len. Sie be­strei­tet auch, dass der De­al au­to­ma­tisch zu Steu­er­aus­fäl­len in den Kan­to­nen füh­ren wür­de. «All­fäl­li­ge Aus­fäl­le wür­den sich durch die Aus­ge­stal­tung der kan­to­na­len Steu­er­vor­la­gen er­ge­ben. Soll­te die­se im Kan­ton Bern un­aus­ge­wo­gen sein, wür­den wir dies ent­schie­den be­kämp­fen.»

«Wir blei­ben kri­tisch»

Was­ser­fal­len und Mass­hardt ha­ben Kor­ne­lia Häs­sig von den SP-Frau­en um ein Ge­spräch ge­be­ten. Die Fron­ten sei­en nicht ver­här­tet, man sei nur in­halt­lich an­de­rer Mei­nung, be­to­nen bei­de Sei­ten. «Die SP-Frau­en Kan­ton Bern ha­ben vor al­lem den Kan­ton im Blick und wol­len ver­hin­dern, dass er plötz­lich schlech­ter da­steht», er­klärt Häs­sig. Und da man ge­wusst ha­be, dass Fla­via Was­ser­fal­len und Na­di­ne Mass­hardt als Na­tio­nal­rä­tin­nen bei die­sem Ge­schäft ei­ne an­de­re Sicht­wei­se ver­trä­ten, ha­be man den Be­schluss oh­ne sie ge­fällt.

Wäh­rend Was­ser­fal­len hofft, die Hal­tung der SP-Frau­en noch be­ein­flus­sen zu kön­nen, ent­geg­net Häs­sig: «Wir sind nach wie vor kri­tisch, ver­schlies­sen uns aber den Ar­gu­men­ten nicht. Wich­tig ist ei­ne kon­struk­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma.» Heu­te Sams­tag wird die Mit­glie­der­ver­samm­lung der SPFrau­en Schweiz ent­schei­den, wie sie zur Vor­la­ge steht. Da wird sich zei­gen, wel­che Sei­te die bes­se­ren Ar­gu­men­te hat. phm

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