Ber­set legt sich mit der Ge­ne­ri­ka­bran­che an

BZ Langenthaler Tagblatt - - Schweiz -

Die Kran­ken­kas­sen sol­len künf­tig nur noch Me­di­ka­men­te bis zu ei­nem ma­xi­ma­len Preis ver­gü­ten.

Zwei Wo­chen vor der Be­kannt­ga­be der Kran­ken­kas­sen­prä­mi­en für 2019 schlägt der Bun­des­rat neue Mass­nah­men ge­gen stei­gen­de Gesundheitskosten vor. Da­mit könn­ten meh­re­re hun­dert Mil­lio­nen Fran­ken jähr­lich ein­ge­spart wer­den, sag­te Ge­sund­heits­mi­nis­ter Alain Ber­set vor den Me­di­en. Am meis­ten Ein­spar­po­ten­zi­al ver­spricht ein neu­es Preis­sys­tem für Ge­ne­ri­ka. Die­se sind in der Schweiz rund dop­pelt so teu­er wie in ver­gleich­ba­ren eu­ro­päi­schen Län­dern. «Es ist nicht ein­fach, den Leu­ten zu er­klä­ren, war­um Ge­ne­ri­ka in der Schweiz so viel teu­rer sind», sag­te Ber­set.

Der Bun­des­rat will nun mit ei­nem Re­fe­renz­preis­sys­tem da­für sor­gen, dass die Nach­ah­mer- prä­pa­ra­te in der Schweiz güns­ti­ger wer­den. Der He­bel ist die Ver­gü­tung durch die Kran­ken­kas­sen. Die­se sol­len künf­tig nur noch Prä­pa­ra­te bis zu ei­nem ma­xi­ma­len Re­fe­renz­preis be­zah­len, der je­weils für ei­nen be­stimm­ten Wirk­stoff fest­ge­legt wird. Der Bun­des­rat stellt in der Ver­nehm­las­sung zwei Mo­del­le zur Dis­kus­si­on. Beim ei­nen Mo­dell stützt sich die Be­hör­de auf die Prei­se in den ver­gleich­ba­ren Län­dern und er­mit­telt dar­aus ei­nen Höchst­preis. Auf die­sem wird dann ein Preis­ab­schlag ver­ord­net, wor­aus sich der Re­fe­renz­preis er­gibt. Das zwei­te Mo­dell ist et­was ein­fa­cher. Mass­ge­bend ist das güns­tigs­te Drit­tel von Prä­pa­ra­ten mit glei­cher Wirk­stoff­zu­sam­men­set­zung.

Bei­de Mo­del­le set­zen nicht ein­fach auf das Bil­ligst-Prin­zip, son­dern sol­len die Kas­sen­ver­gü­tung in­ner­halb ei­nes ge­wis­sen Preis­ban­des ga­ran­tie­ren. Den­noch muss Ber­set im Par­la­ment mit Wi­der­stand rech­nen, vor al­lem vom In­ter­es­sen­ver­band der Ge­ne­ri­ka­her­stel­ler (In­ter­ge­ne­ri­ka) mit SVP-Na­tio­nal­rat Tho­mas de Cour­ten an der Spit­ze. In­ter­ge­ne­ri­ka warnt seit Jah­ren vor der Ein­füh­rung des «Bil­ligst-Pin­zips» in der Schweiz. Die vor­ge­schla­ge­nen Mo­del­le wür­den ei­ni­ge Ge­ne­ri­ka­her­stel­ler an die Gren­ze ih­rer Mög­lich­kei­ten brin­gen, warnt Ge­schäfts­füh­rer Axel Mül­ler. Sie wür­den mit ei­nem Rück­zug vom Schwei­zer Markt re­agie­ren, was zu Ver­sor­gungs­eng­päs­sen füh­re. Die hö­he­ren Prei­se be­grün­det Mül­ler mit den Kos­ten für die Zu­las­sung, die Ver­pa­ckung und den Ver­trieb. Die Löh­ne in der Schweiz sei­en ein Mehr­fa­ches hö­her als in den um­lie­gen­den Län­dern.

Der Kas­sen­ver­band San­té­su­is­se be­grüsst die Re­fe­renz­prei­se hin­ge­gen und rech­net mit jähr­li­chen Ein­spa­run­gen von rund 400 Mil­lio­nen Fran­ken. Zu­sätz­lich wür­den die Prä­mi­en­zah­ler ent­las­tet, wenn der Bun­des­rat die Ver­triebs­mar­gen für Apo­the­ken, Ärz­te und Spi­tä­ler sen­ke.

Bes­se­re Rech­nungs­kon­trol­le

Ne­ben dem Re­fe­renz­preis­sys­tem sieht der Bun­des­rat wei­te­re Mass­nah­men vor. Kos­ten­dämp­fend soll die Trans­pa­renz bei der Rech­nungs­stel­lung wir­ken. Pa­ti­en­ten sol­len im­mer ei­ne Rech­nungs­ko­pie er­hal­ten, da­mit sie die­se über­prü­fen kön­nen. Weil die Ver­hand­lun­gen über den Arzt­ta­tif Tar­med nicht vom Fleck kom­men, ver­langt der Bun­des­rat von den Ver­hand­lungs­part­nern ei­ne na­tio­na­le Ta­rif­or­ga­ni­sa­ti­on. Falls sie dies nicht in­nert zwei­er Jah­re tun, wird der Bun­des­rat ei­ne sol­che Or­ga­ni­sa­ti­on ein­set­zen. Kran­ken­ver­si­che­rungs­ex­per­te Fe­lix Sch­neuw­ly zwei­felt al­ler­dings am Sinn ei­ner sol­chen Or­ga­ni­sa­ti­on. Bes­ser wä­re es, das Bü­ro­kra­tie­mons­ter Tar­med durch ein­fa­che Zeit­ta­ri­fe und Pau­scha­len zu er­set­zen.

Mar­kus Brot­schi

Fo­to: Keysto­ne

Alain Ber­set will han­deln.

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