De­mo­kra­ten schöp­fen Hoff­nung

BZ Langenthaler Tagblatt - - Ausland -

Ein Sieg der De­mo­kra­ten bei den Zwi­schen­wah­len im No­vem­ber wür­de dem Prä­si­den­ten das Le­ben schwer ma­chen. Und es sieht der­zeit nicht gut aus für ihn: Plötz­lich ist selbst das Ren­nen um den Se­nat wie­der of­fen.

Sein Na­me steht auf kei­nem Wahl­zet­tel. Aber wenn Ame­ri­kas Wäh­ler in we­ni­gen Wo­chen an die Ur­ne ge­hen, ha­ben sie al­le ihn im Kopf: Do­nald Trump. Bald zwei Jah­re le­ben sie nun schon mit die­sem Prä­si­den­ten, sie lie­ben oder has­sen ihn, da­zwi­schen gibt es nicht viel. In den Zwi­schen­wah­len ha­ben sie nun die Ge­le­gen­heit, ihn we­nigs­tens in­di­rekt zu un­ter­stüt­zen – oder ihm das Le­ben noch schwe­rer zu ma­chen. Am 6. No­vem­ber wer­den al­le 435 Sit­ze des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses neu ge­wählt, da­zu ein Drit­tel des Se­nats. Heu­te hält Trumps Re­pu­bli­ka­ni­sche Par­tei die Mehr­heit in bei­den Par­la­ments­kam­mern. Für Trump – und für das Land – hängt sehr viel da­von ab, ob das auch nach den Mid­terms so bleibt.

Die Chan­cen auf ei­nen Macht­wech­sel ste­hen da­bei un­ter­schied­lich. Gut sieht es für die De­mo­kra­ten aus, wenn es ums Re­prä­sen­tan­ten­haus geht. 23 zu­sätz­li­che Sit­ze muss die Op­po­si­ti­on dort er­obern. Laut dem «Cook Po­li­ti­cal Report», ei­nem un­ab­hän­gi­gen Ana­ly­se­dienst, sind 67 Wahl­krei­se be­son­ders um­kämpft. In 10 da­von gilt der Kan­di­dat der De­mo­kra­ten als Fa­vo­rit, in 30 wei­te­ren Wahl­krei­sen ist das Ren­nen völ­lig of­fen. Bei nicht we­ni­gen die­ser Be­zir­ke han­delt es sich um Ge­gen­den, in de­nen Hil­la­ry Cl­in­ton bei der Prä­si­dent­schafts­wahl 2016 mehr Stimmen hol­te als Trump.

Frau­en ge­gen Trump

Am meis­ten Hoff­nung set­zen die De­mo­kra­ten auf je­ne Wahl­krei­se, die in Vor­städ­ten lie­gen. Sie könn­ten dort da­von pro­fi­tie­ren, dass der Un­mut über den Prä­si­den­ten be­son­ders bei gut aus­ge­bil­de­ten Frau­en gross ist, von de­nen es dort vie­le gibt. Al­lein in den Bun­des­staa­ten Penn­syl­va­nia, New Jer­sey, Ka­li­for­ni­en und Flo­ri­da lie­gen zwei Dut­zend sol­cher Wahl­krei­se, in de­nen die re­pu­bli­ka­ni­schen Amts­in­ha­ber zit­tern müs­sen. Vie­le der Kan­di­da- ten, die dort für die De­mo­kra­ten an­tre­ten, sind Frau­en oder An­ge­hö­ri­ge von eth­ni­schen Min­der­hei­ten. Im Visier hat die Op­po­si­ti­on aber auch ei­ne Rei­he von Sit­zen in länd­li­chen, tief kon­ser­va­ti­ven Lan­des­tei­len, in Ken­tu­cky und in West Vir­gi­nia et­wa, wo sie auf­fal­lend oft Ve­te­ra­nen auf­ge­stellt hat.

An­ders ist die Aus­gangs­la­ge im Se­nat. Die Mehr­heit der Re­pu­bli­ka­ner ist dort zwar dün­ner: Sie hal­ten 51 Sit­ze, die De­mo­kra­ten 49. Weil aber Vi­ze­prä­si­dent Mi­ke Pence bei ei­nem all­fäl­li­gen Patt je­weils den Stich­ent­scheid fäl­len könn­te, muss die Op­po­si­ti­on net­to min­des­tens zwei Sit­ze da­zu­ge­win­nen, um sich die Herr­schaft über den Se­nat zu si­chern. Und das wird schwie­rig. Die De­mo­kra­ten ha­ben dies­mal viel mehr Sit­ze zu ver­tei­di­gen als die Re­pu­bli­ka­ner: 26 zu 9. Von die­sen 26 Sit­zen be­fin­den sich 10 in Bun­des­staa­ten, die Trump 2016 ge­wann, zum Teil deut­lich. Das be­trifft et­wa die Se­na­to­ren Heidi Heit­kamp, North Da­ko­ta, Joe Don­nel­ly aus In­dia­na und Joe Man­chin aus West Vir­gi­nia.

So­gar Te­xas in Reich­wei­te

Ein Kampf aus der De­fen­si­ve al­so: So sah es bis vor kur­zem aus. In­zwi­schen gibt es An­zei­chen, dass die Op­po­si­ti­on nicht nur die be­droh­ten Sit­ze hal­ten, son­dern an­dern­orts so­gar Ge­win­ne ver­bu­chen könn­te. Am bes­ten ste­hen die­se Chan­cen laut Um­fra­gen in Ari­zo­na, wo es um die Nach­fol­ge für den zu­rück­tre­ten­den Trump-Kri­ti­ker Jeff Fla­ke geht, so­wie in Ne­va­da, wo der lang­jäh­ri­ge Se­na­tor De­an Hel­ler an­ge­schla­gen ist. In Reich­wei­te liegt ein Sieg aber plötz­lich auch in Ten­nes­see und Te­xas, was bis vor kur­zem kaum je­mand für mög­lich ge­hal­ten hat.

Auch nicht Mitch McCon­nell. Der re­pu­bli­ka­ni­sche Mehr­heits­füh­rer im Se­nat kann ei­ne ge­wis­se Ner­vo­si­tät nicht ver­ber­gen. Bei ei­nem Auf­tritt in Ken­tu­cky rat­ter­te er ei­ne Rei­he von Staa­ten her­un­ter, in de­nen der Aus­gang der Se­nats­wah­len «völ­lig of­fen» sei: «Je­des die­ser Ren­nen ist un­vor­her­seh­bar, je­des ist wie ein Mes­ser­kampf in ei­ner en­gen Gas­se.» Er hof­fe nur, sag­te McCon­nell, dass sich die re­pu­bli­ka­ni­sche Mehr­heit im Se­nat ir­gend­wie hal­ten las­se. Ein Macht­wech- sel im Kon­gress – auch nur ein hal­ber – könn­te Trumps Prä­si­dent­schaft ent­schei­dend be­ein­flus­sen. Be­reits heu­te ver­su­chen die De­mo­kra­ten in den Aus­schüs­sen, Un­ter­su­chun­gen zu star­ten, die ei­ne Viel­zahl von The­men be­tref­fen: Trumps fi­nan­zi­el­le und ge­schäft­li­che Ver­stri­ckun­gen et­wa. All die­se Ver­su­che schei­tern bis­her an den re­pu­bli­ka­ni­schen Mehr­hei­ten. Mit der Kon­trol­le über das Re­prä­sen­tan­ten­haus hät­ten die De­mo­kra­ten die Mög­lich­keit, Do­ku­men­te an­zu­for­dern und zu ver­öf­fent­li­chen – aus der Re­gie­rung, aber auch von Trump selbst, sei­ne Steu­er­er­klä­rung et­wa. Und sie könn­ten An­hö­run­gen durch­füh­ren, um Zeu­gen aus Trumps Re­gie­rung oder aus sei­nem Um­feld zu be­fra­gen. Die Skan­da­le des Prä­si­den­ten: Sie wä­ren dann noch viel prä­sen­ter.

Trump peitscht An­hän­ger an

Vor al­lem aber könn­te die Op­po­si­ti­on ein Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­gen Trump ein­lei­ten. Laut CNN spre­chen sich 78 Pro­zent der de­mo­kra­ti­schen An­hän­ger da­für aus, ein Im­peach­ment zu star­ten, soll­ten sich die Mehr­heits­ver­hält­nis­se zu­guns­ten der De­mo­kra­ten ver­schie­ben. Das wie­der­um be­un­ru­higt die Füh­rung der Par­tei, bei der vie­le über­zeugt sind: Das Ge­re­de dar­über, Trump auf die­sem Weg aus dem Amt zu ent­fer­nen, ist kon­tra­pro­duk­tiv – weil es mo­de­ra­te Wäh­ler ab­schreckt und Trumps An­hän­ger mo­ti­viert. Hin­zu kommt, dass es für ei­ne tat­säch­li­che Amts­ent­he­bung oh­ne­hin ei­ne Zwei­drit­tel­mehr­heit des Se­nats brauch­te. Die de­mo­kra­ti­sche Min­der­heits­füh­re­rin Nan­cy Pe­lo­si ver­mei­det das The­ma des­halb tun­lichst.

Ganz an­ders Trump sel­ber. Er macht die Zwi­schen­wah­len zum Re­fe­ren­dum über sich selbst. Da­zu spricht er an re­kord­ver­däch­tig vie­len Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen, min­des­tens 16 Bun­des­staa­ten will er in den nächs­ten Wo­chen be­su­chen. Und er geht da­zu über, sei­ne Ba­sis mit ei­nem dro­hen­den Im­peach­ment an­zu­peit­schen. Wenn es zu ei­nem Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­gen ihn kom­me, sag­te Trump kürz­lich zu An­hän­gern in Mon­ta­na, «dann ist es eu­re Schuld, weil ihr nicht wäh­len ge­gan­gen seid».

Alan Cas­sidy, Wa­shing­ton

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