Der Ta­ke-off liegt in wei­ter Fer­ne

BZ Langenthaler Tagblatt - - Wirtschaft -

Erst­mals ha­ben sich die vier Köp­fe hin­ter der ge­plan­ten Langstre­ckenBil­li­ga­ir­line ge­zeigt und Fra­gen be­ant­wor­tet. Un­klar bleibt, ob sie über­haupt 100 Mil­lio­nen Dol­lar Start­ka­pi­tal er­hal­ten.

Seit fünf Ta­gen dre­hen sich die Dis­kus­sio­nen in der hie­si­gen Avia­tik­sze­ne nur noch um die Plä­ne von vier bis­lang un­be­kann­ten Un­ter­neh­mern. Sie wol­len ei­ne Air­line grün­den, die ab Ba­sel-Mül­hau­sen Des­ti­na­tio­nen in den USA, spä­ter auch in an­de­ren Über­see­re­gio­nen an­fliegt. Mit ei­nem Bil­li­ga­ir­line-An­satz möch­te Swiss Skies den Langstre­cken­markt auf­wir­beln. Die ers­ten Re­ak­tio­nen von Luft­fahrt­ex­per­ten wa­ren ein­heit­lich: Die Plä­ne sind sehr am­bi­ti­ös, ri­si­ko­reich, aber nicht chan­cen­los.

«Heu­te star­ten wir kei­ne neue Air­line», dämpf­ten die Ver­ant­wort­li­chen ges­tern an ei­ner Me­di­en­kon­fe­renz in Ba­sel die ho­hen Er­war­tun­gen. Die Idee, mit der das «nächs­te Ka­pi­tel in der Luft­fahrt­in­dus­trie» ge­schrie­ben wer­den soll, wur­de noch­mals vor­ge­stellt – oh­ne je­doch neue An­halts­punk­te zu ge­ben, die an ei­nen bal­di­gen Start der ers­ten Schwei­zer Langstre­cken-Bil­li­ga­ir­line glau­ben las­sen. Er­sicht­lich wur­de hin­ge­gen, dass es sich um se­riö­se und qua­li­fi­zier­te Avia­ti­ker han­delt. Ge­mein­sam ver­ei­nen sie über 100 Jah­re Er­fah­rung in der Bran­che. Ges­tern ver­zo­gen sich ein­zig die Ne­bel­schwa­den über der vier­ten Per­so­na­lie. Ne­ben Al­va­ro Olivei­ra, Ar­min Bo­ven­sie­pen und Phil­ip­pe Blai­se ist auch Ha­rald Vo­gels, ehe­ma­li­ger Ma­na­ger von Far­nair Swit­z­er­land, mit an Bo­ard.

In Ba­sel wür­de nur ei­ne klei­ne An­zahl der Flug­zeu­ge sta­tio­niert sein.

Seit zwei Jah­ren brü­tet die Grup­pe über dem Pro­jekt Swiss Skies. Viel Zeit sei in den Fi­nanz­plan in­ves­tiert wor­den. Doch gera­de was das Start­ka­pi­tal be­trifft, konn­te oder woll­te das Swiss-Skies-Quar­tett kei­nen Er­folg ver­mel­den. 50 Mil­lio­nen Dol­lar sei­en not­wen­dig, um die ge­plan­te Air­line grün­den zu kön­nen. Wei­te­re 50 Mil­lio­nen sind nö­tig, um den Be­trieb mit ei­nem ers­ten Flug­zeug auf­zu­neh­men.

Am Vor­tag fand in Ba­sel ein Tref­fen mit In­ves­to­ren aus der Re­gi­on statt. Es sei vor al­lem dar­um ge­gan­gen, das In­ter­es­se zu we­cken. Klar ist: Oh­ne fi­nanz- star­ke Geld­ge­ber wird Swiss Skies am Bo­den blei­ben. Al­len vor­an Al­va­ro Olivei­ra, Pi­lot und of­fen­sicht­lich Wort­füh­rer des Pro­jek­tes, hält in op­ti­mis­ti­scher bis il­lu­so­ri­scher Ma­nier am Zeit­plan fest, be­reits in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2019 vom Eu­ro-Air­port ab­zu­he­ben. Ab dem Zeit­punkt, wo das Start­ka­pi­tal ge­sam­melt sei, rech­net er mit zehn Mo­na­ten für Be­triebs­be­wil­li­gun­gen, Be­schaf­fung von Flug­zeu­gen und die Aus­bil­dung von Pi­lo­ten und Per­so­nal.

Ba­sel nur Aus­gangs­punkt

In­ner­halb von fünf Jah­ren soll die Flot­te 38 Flug­zeu­ge um­fas­sen, 46 Des­ti­na­tio­nen be­die­nen und ei­nen Um­satz von 1,5 Mil­li­ar­den Dol­lar ein­flie­gen. Die Ma­schi­nen des Typs A321neo LR will Swiss Skies lea­sen, da die War­te­schlan­ge bei Air­bus lan­ge ist. Der Kon­takt mit Lea­sing­fir­men sei bis­her po­si­tiv ver­lau­fen. Auch der Pi­lo­ten­man­gel macht Olivei­ra kei­ne Sor­gen: «Es gibt im­mer noch Pi­lo­ten auf dem Markt, vor al­lem eu­ro­päi­sche, die in Chi­na und im Mitt­le­ren Os­ten flie­gen und zu­rück­kom­men wol­len.»

Beim Eu­ro-Air­port zeigt man sich grund­sätz­lich er­freut – mit Ein­schrän­kun­gen: «Die Her­aus­for­de­rung liegt bei der Ter­mi­nal­in­fra­struk­tur», schreibt die Flug­ha­fen­spre­che­rin. Der Eu­ro-Air­port dient den Pro­jek­t­in­iti­an­ten als Aus­gangs­punkt für die Ex­pan­si­on auf an­de­re, klei­ne­re eu­ro­päi­sche Flug­hä­fen. In Ba­sel selbst wür­de dem­nach nur ei­ne klei­ne An­zahl der 38 ge­plan­ten Flug­zeu­ge sta­tio­niert sein. Chris­ti­an Eg­li

Fo­to: Alex­an­dra Wey (Keysto­ne)

Ha­rald Vo­gels, Phil­ip­pe Blai­se, Ar­min Bo­ven­sie­pen und Al­va­ro Olivei­ra (v. l.) sind von ih­rem Pro­jekt über­zeugt.

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