Spie­le-des-Jah­res-Fest­wo­chen

FUSS­BALL Nach der Län­der­spiel­pau­se ist vor der Län­der­spiel­pau­se. YB steht vor 21 in­ter­es­san­ten Ta­gen mit 7 Spie­len in 3 Wett­be­wer­ben. Vom Cu­p­auf­tritt in Schaff­hau­sen heu­te bis zum Du­ell bei Ju­ven­tus ge­gen Welt­fuss­bal­ler Cris­tia­no Ro­nal­do.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Sport -

Bern vi­briert, Bern ist elek­tri­siert, Bern ist im Cham­pi­ons­Le­ague-Fie­ber. Ein­tritts­kar­ten für die YB-Heim­spie­le in der Kö­nigs­klas­se ge­gen Man­ches­ter Uni­ted, Va­len­cia und Ju­ven­tus sind die be­gehr­tes­ten Wert­pa­pie­re der Stadt, Rol­ling-Sto­nes­mäs­sig-su­per­schnell wur­den die letz­ten Pa­cka­ges am Mitt­woch in­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten ver­kauft. Hinz und Kunz, Mann und Frau, Kind und Gross­kind sind vom YB-Hy­pe er­fasst. Die Young Boys ste­hen vor ei­ner gros­sen Wo­che, mit den zwei ver­mut­lich aus­ver­kauf­ten Heim­spie­len ge­gen Man­ches­ter am Mitt­woch und ge­gen Ba­sel mor­gen in ei­ner Wo­che. Und weil es heu­te vor­erst zum Cup­sech­zehn­tel­fi­nal nach Schaff­hau­sen geht, könn­te man – leicht über­trie­be­nen – auch von ei­ner Wo­che mit drei «Spie­len des Jah­res» spre­chen.

Nie­der­la­ge nicht kor­ri­gier­bar

Die­se Af­fi­che be­sitzt die heu­ti­ge Be­geg­nung ganz si­cher für den Chal­len­ge-Le­ague-Ver­ein FC Schaff­hau­sen ge­gen den Schwei­zer Meis­ter. Sie ist be­stimmt nicht falsch ge­wählt, um aus YBOp­tik auf den ers­ten Auf­tritt in der Cham­pi­ons Le­ague zu bli­cken. Und der eins­ti­ge Se­ri­en­meis­ter Ba­sel, schon 9 Punk­te

hin­ter Ri­va­le YB, darf sich im Sta­de de Suis­se kei­ne Nie­der­la­ge leis­ten, um nicht be­reits früh den An­schluss zu ver­lie­ren.

Die Young Boys sind sehr be­müht, den Fo­kus nicht zu ver­lie­ren. Ihr Man­tra, erfolgreich ge­tes­tet in der Meis­ter­sai­son, lau­tet: Spiel für Spiel. Oder, wahl­wei­se, Schritt für Schritt. Der nächs­te ist ein ver­gleichs­wei­se klei­ner, heu­te in Schaff­hau­sen, doch Ger­ar­do Seo­a­ne ant­wor­tet za­ckig, als er ge­fragt wird, wel­che der drei Be­geg­nun­gen in­ner­halb von 8 Ta­gen die wich­tigs­te für ihn sei: «Im­mer die nächs­te.» Was aus sport­li­cher Sicht so­gar nach­voll­zieh­bar sein kann, schliess­lich lies­se sich ei­ne Nie­der­la­ge heu­te nicht mehr kor­ri­gie­ren, in Schwei­zer und Ster­nen­li­ga da­ge­gen schon.

Fo­kus nur auf Schaff­hau­sen

Den­noch ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die 1A-Mann­schaft der Young Boys erst am nächs­ten Mitt­woch auf­lau­fen wird, auf al­ler­gröss­ter Büh­ne vor welt­wei­tem Pu­bli­kum. Seo­a­ne be­tont er­neut, er klas­si­fi­zie­re sei­ne Be­leg­schaft nicht nach Zah­len und Buch­sta­ben («Je­der Fuss­bal­ler kann in je­dem Wett­be­werb wich­tig sein»), aber er gibt schon auch zu ver­ste­hen, den Stel­len- wert der Cham­pi­ons Le­ague zu ken­nen. «Doch dar­um küm­mern wir uns ab Sonn­tag. Sonst kommt es in Schaff­hau­sen nicht gut für uns.»

Seo­a­ne hat erst in den letz­ten Par­ti­en vor der Län­der­spiel­pau­se ernst­haft ro­tiert, da­für gleich ra­di­kal, und er wird die Ver­tre­ter im brei­ten Ka­der bei Lau­ne hal­ten müs­sen. Er sagt: «In den ers­ten Wo­chen ist es auch dar­um ge­gan­gen, die Mann­schaft für die zwei Par­ti­en ge­gen Zagreb ein­zu­spie­len. Und wir sind be­strebt, Au­to­ma­tis­men und ei­ne sehr sta­bi­le Ba­sis bei­zu­be­hal­ten.»

«Glas ist halb voll»-Mot­to

Der Spa­gat ist kom­pli­ziert, den YB in die­sen Ta­gen hin­be­kom­men muss, zwi­schen Pro­vinz­schau­platz Li­po-Park, Schaff­hau­sen, und glit­zern­der Cham­pi­ons­Le­ague-Ver­an­stal­tung. «Das muss uns ge­lin­gen», meint Seo­a­ne, «wir be­ob­ach­ten ganz ge­nau, wie sich die Spie­ler ver­hal­ten.» Und im Üb­ri­gen sei es für ei­nen Fuss­bal­ler viel heik­ler, wenn er sich in den Zwei­kämp­fen zu­rück­hal­te, um sich ja nicht zu ver­let­zen. «Ge­nau dann ist die Ver­let­zungs­ge­fahr am gröss­ten.»

Seo­a­ne hin­ter­lässt ei­nen be­mer­kens­wert ru­hi­gen Ein­druck, sei­ne «Das Glas ist im­mer halb voll»-De­vi­se zieht er kon­se­quent durch. So jam­mert er nicht über die neun Ab­we­sen­den wäh­rend der Län­der­spiel­pau­se. Er fin­det: «Es ist wun­der­bar, konn­ten sie in ih­ren Aus­wah­len da­bei sein und Selbst­ver­trau­en ho­len.» Der YB-Trai­ner­stab ha­be sich der­weil in­ten­si­ver um die Da­heim­ge­blie­be­nen küm­mern kön­nen.

Und ein we­nig Zeit blieb Seo­a­ne in den letz­ten zwei Wo­chen auch, um den be­geis­tern­den Sai­son­start ein­ord­nen zu kön­nen. Sechs Sie­ge und 8 Punk­te Vor­sprung in der Su­per Le­ague, das glück­haf­te Wei­ter­kom­men im Cup beim viert­klas­si­gen Biel nach Ver­län­ge­rung und Las­tMi­nu­ten-Tref­fern, der Tri­umph ge­gen Zagreb, das Aus­lö­sen ei­ner er­neu­ten gelb-schwar­zen Hys­te­rie in Bern – und all das in sei­nen ers­ten Wo­chen bei den Young Boys. «Man spürt, dass sich die Spie­ler wohl füh­len und hung­rig sind», sagt der 39-Jäh­ri­ge. «Mir ge­fal­len die Zei­chen, wel­che sie aus­sen­den.» Er freu­te sich sehr über die Aus­sa­ge sei­nes Cap­ta­ins Ste­ve von Ber­gen, der nach dem 2:0-Sieg in Sit­ten vor zwei Wo­chen auf die Fra­ge, auf wel­chen Cham­pi­ons-Le­agueGeg­ner er sich am meis­ten freue, tro­cken ant­wor­te­te: «Auf Schaff­hau­sen!»

Nicht je­des Mit­glied der jung be­setz­ten Young Boys ist mit Er- fah­rung, Ein­stel­lung, Ethos des 35-jäh­ri­gen von Ber­gen un­ter­wegs. Be­ein­dru­ckend war gleich­wohl, mit wel­cher Lust, Gier und Selbst­ver­ständ­lich­keit YB we­ni­ge Ta­ge nach dem Sieg in Zagreb in Sit­ten agier­te. «Für mich war das nor­mal», sagt Seo­a­ne. «So trai­nie­ren wir, so wol­len wir spie­len.»

Ge­gen al­le Ver­fol­ger

Es soll Men­schen ge­ben, de­nen das gan­ze Brim­bo­ri­um um die Young Boys auf die Ner­ven geht. Ih­nen sei ge­sagt, dass es nach die­ser «Spie­le des Jah­res»-Wo­che mit ei­ner – nun, ja – Art «Spie­le des Jah­res»-Wo­che wei­ter­geht, ehe es vor der nächs­ten Län­der­spiel­pau­se zum ers­ten Heim­spiel ge­gen Lu­zern seit der Meis­ter­par­ty En­de April kommt. Es wird die sieb­te Par­tie in den nächs­ten drei Wo­chen für YB sein.

Drei Ta­ge nach dem Drit­ten Ba­sel kreuzt vor­erst St. Gal­len im Sta­de de Suis­se auf, das ist der Zwei­te der Li­ga, und er­neut nur drei Ta­ge spä­ter steht das Der­by beim Vier­ten Thun auf der Agen­da. Für den FC Thun ist das die wo­mög­lich gröss­te Be­geg­nung in der Vor­run­de. Und, rich­tig, drei wei­te­re Ta­ge spä­ter tre­ten die Young Boys in Tu­rin ge­gen den Welt­club Ju­ven­tus an. Und ler­nen den fünf­fa­chen und am­tie­ren­den Welt­fuss­bal­ler Cris­tia­no Ro­nal­do ken­nen.

Fa­bi­an Ruch

Fo­to: Chris­ti­an Pfan­der

Fest­hüt­te Sta­de de Suis­se: Die Young Boys wol­len in den nächs­ten Wo­chen nicht nur zu Hau­se wei­ter bril­lie­ren.

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