Ei­ne di­gi­ta­le Schnit­zel­jagd für Fa­mi­li­en

BZ Langenthaler Tagblatt - - Magazin - Li­nus Schöp­fer

«Play» ist ein Up­date, das wir al­le pri­ma ge­brau­chen kön­nen.

«Play» heisst die neue Aus­stel­lung des Stadt­mu­se­ums Aarau. Die Be­su­cher müs­sen sich aus ei­nem Com­pu­ter­pro­gramm be­frei­en.

Rech­nen­de Räu­me, ga­men­de Göt­ter: Le­ben wir al­le in ei­nem Com­pu­ter­pro­gramm? Die Ver­mu­tung gibts schon län­ger, der Film «Ma­trix» brach­te die Idee vor zwan­zig Jah­ren ins Ki­no. Auch Tes­la-Boss Elon Musk stellte fest: Wir ste­cken wohl al­le in ei­nem Ga­me.

«Play», die neue Aus­stel­lung des Stadt­mu­se­ums Aarau, rea­li- siert die­se Idee. Der Be­su­cher muss sich aus ei­ner ge­hack­ten Soft­ware be­frei­en, von Pos­ten zu Pos­ten ar­bei­tet er sich durch die Schau. Chat­tet mit ei­nem Bot, stöp­selt USB-Ste­cker ein, merkt sich ei­nen Co­de.

Ak­tu­ell und kri­tisch

An­ge­lei­tet wird man per Vi­deo von zwei Schau­spie­lern. Die­se schei­tern al­ler­dings übel beim Ver­such, Nerds zu mi­men. Ge­stelz­tes Büh­nen­deutsch, an­ge­streng­te Fluf­fig­keit – lei­der müf­felts da nach Thea­ter­päd­ago­gik. Und das in ei­ner Aus­stel­lung, die an­sons­ten ganz auf der Hö­he der Zeit ist.

Ih­re Qua­li­tä­ten er­kennt, wer die di­gi­ta­le Schnit­zel­jagd ab­sol­viert hat, wenn der Tun­nel­blick dem Schwei­fen weicht. Auf Holz­staf­fe­lei­en rei­hen die Ma­cher die Trends der Com­pu­ter­spiel­kunst auf. Ei­ne Ecke ist re­ser­viert für die Aug­men­ted Rea­li­ty. Für die teil­wei­se vir­tu­el­le Über­la­ge­rung kon­kre­ter Rea­li­tät al­so, die sich gera­de ge­gen­über der Vir­tu­al Rea­li­ty, der um­fas­sen­den Vir­tua­li­tät, durch­zu­set­zen scheint. Pla­ka­te er­klä­ren die Ga­mer­ga­te-De­bat­te von 2014, die den Se­xis­mus vie­ler Ga­mer und Ga­mes ent­larv­te. In ei­nem wei­te­ren Raum be­fin­den sich die Kost­bar­kei­ten der Schwei­zer Ent­wick­ler.

Ga­mes für al­le

Nebst ei­ner gründ­li­chen Wis­sens­ver­mitt­lung zeich­net sich «Play» durch Spiel­freu­de aus. Über­all ste­hen Ta­blets, Tas­ta­tu­ren und Con­trol­ler griff­be­reit. Die Fül­le an Ga­mes ist so gross, dass der Strom of­fen­bar ab und zu knapp wird. Wer län­ger nicht spielt, wird von ei­nem Auf­se­her an­ge­spro­chen und be­ra­ten. Hier fin­det je­der sein Spiel, sind die Aus­stel­lungs­ma­cher über­zeugt, und sie ha­ben völ­lig recht. Ge­witzt kon­zi­piert ist die Bar, an der Hack­spie­le wie «Tek­ken» aus­ge­hän­digt wer­den, als wärs ge­fähr­li­cher Al­ko­hol. Kin­der be­kom­men so was nicht in die Hän­de.

Apro­pos: Gera­de Fa­mi­li­en emp­fiehlt sich der Be­such der Aus­stel­lung. Denn sie schafft ei­ne At­mo­sphä­re, in der über den Sucht­sog und an­de­re Ge­fah­ren ge­re­det wer­den kann; da­vor und da­nach spielt man ge­mein­sam. «Play» ist ein Up­date, das wir al­le pri­ma ge­brau­chen kön­nen.

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